Die Folgen des Brexit-Wirrwarrs gefährden die Produktionsketten in der britischen Autobranche. Bild und Copyright: janon kas / shutterstock.com.

Ford, Dyson, Jaguar & Co.: Chaos-Brexit hat Auswirkungen auf die Autobranche - Commerzbank Kolumne

Das britische Unterhaus enttäuschte am Dienstag erneut. Der Brexit taumelt einer ungeregelten Version entgegen, die Hoffnung auf eine Lösung in nahezu letzter Sekunde à la James Bond stirbt aber zuletzt. „Befreit von den Ketten der EU“ wollte UK sein, doch manchem Insulaner wird erst langsam bewusst, dass dies die schützenden Ankerketten sind! Noch ist die „Katastrophe mit Ansage“ abwendbar, noch ist die Zukunft nicht geschrieben. Aber unabhängig davon, wie das Chaos nun ausgeht, längst werden erste Schäden sichtbar: Der auch als „britischer Daniel Düsentrieb“ bezeichnete Unternehmer James Dyson (und ehemaliger Brexit-Befürworter) kündigte jüngst an, den Firmensitz seines Familienunternehmens nach Singapur zu verlegen. Viele der Dyson-Produkte werden schon seit Jahren in Asien produziert, auch die dortigen Absatzmärkte gewinnen an Gewicht. Insofern ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar, aber er ist eben auch eine Zäsur: Einer der britischen Unternehmensikonen schlechthin verlässt das Land! Das künftige Dyson-E-Auto soll ebenfalls in Asien gebaut werden. Überhaupt ist die Autobranche besonders stark vom Geschehen betroffen. Im vergangenen Jahr hat die zunehmende Verunsicherung der Konsumenten bereits einen Absatzrückgang im zweitgrößten Automarkt Europas von 7% zur Folge gehabt. Der Auto-Sektor hat eine enorme Bedeutung für die britische Wirtschaft. Mögliche lange Wartezeiten an den Grenzen würden bei einem ungeregelten Brexit die Just-in-time-Fertigung gefährden. Diese ist aber aus Kostengründen unabdingbar. Der britische Automobilherstellerverband SMMT registriert daher jetzt schon eine deutliche Verschiebung von Investitionen und Kapazitätsverlagerungen ins Ausland. Bei Jaguar herrscht bereits Katzenjammer, Ford hat weitreichende Einschnitte im Falle eines harten Brexits angekündigt etc. Der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt droht eine Vollbremsung im Autosektor.

Anleihen


Euroraum: Einkaufsmanagerindizes (Jan), 10:00 Uhr
Euroraum: Verbraucherpreise (Jan), 11:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Jan), 14:30 Uhr
USA: ISM-Index verarb. Gewerbe (Jan), 16:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen, Michigan (Feb), 16:00 Uhr

Der Schrittwechsel der US-Notenbank führte gestern zu einer kleinen Kursrally bei den US-Staatsanleihen – aber auch bei den Bundesanleihen. Die Fed signalisiert vorerst keine weiteren Zinserhöhungen mehr. Zudem dürfte sie die Reduktion ihrer Bilanzsumme früher stoppen als bislang erwartet. Im Euroraum dauert die Wachstumsschwäche an. Im vierten Quartal lag die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts bei real nur 0,2%. Zwar haben einige Sonderfaktoren vor allem die deutsche Wirtschaft belastet (Probleme der Autoindustrie, niedrige Flusspegel), doch die weiter fallenden Stimmungsindikatoren sprechen gegen einen deutlichen Tempogewinn im laufenden Quartal. In Italien ist die Wirtschaft sogar erneut geschrumpft (-0,2% zum Vorquartal). Damit befindet sich das Land technisch in einer Rezession. Einen kräftigeren Zuwachs als im dritten Quartal zeigte dagegen Spanien. Der Schwungverlust hinterlässt auch Spuren am deutschen Arbeitsmarkt. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um weitere 2000 zurückgegangen, doch im Schnitt lag im zweiten Halbjahr 2018 der monatliche Rückgang bei 10.000. Eher schwache Daten wurden aus den USA gemeldet. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld stieg deutlich auf 253.000. Der Government Shutdown dürfte zwar keinen direkten aber doch einen indirekten Effekt gehabt haben. Nach dem amtlichen Index ist auch der von der Mediengruppe Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex im Januar deutlich zurückgefallen von 49,7 auf 48,3 Punkte. Der chinesischen Regierung ist es noch nicht gelungen, die negativen Effekte des Handelskriegs durch expansive Maßnahmen auszugleichen.

Aktien


BBVA, Glencore, Jahresergebnis
Chevron, Exxon Mobil, Merck & Co., Ergebnis Q4
Deutsche Bank, Bilanz-PK

Die europäischen Aktienmärkte tendierten am gestrigen Handelstag nach einem freundlichen Start gegen Handelsschluss uneinheitlich. Die Leitindizes fielen um bis zu 0,5% (Österreich). Der Leitindex in London legte in den nicht enden wollenden Wirrnissen um den Brexit um 0,4% zu. Schwächere Makrodaten aus Europa (Italien) sowie teilweise enttäuschende Quartalsberichte bzw. Ausblicke sorgten für Verunsicherung und daher nach dem guten Jahresauftakt für Gewinnmitnahmen bzw. Kaufzurückhaltung. Der Dax büßte in diesem Umfeld 0,1% ein (Januar 2019: +5,8%), erholte sich aber um mehr als 1% vom Tagestief am Nachmittag. Tagesverlierer im Dax war die Aktie der Deutschen Bank, die nach einem Agenturbericht über eine mögliche Fusion mit der Commerzbank im Vorfeld der heute zur Veröffentlichung stehenden Bilanzzahlen um 4% einknickte. Die Aktie von Siemens (-4%) notierte ex-Dividende. Die Notierungen von BASF (-2,6%) und Covestro (-1,7%) litten v.a. unter dem skeptischen Ausblick von DowDuPont (-9,2%). Die am Vortag stark unter Druck gekommene Aktie von Wirecard verlor unter recht hohen Schwankungen am Ende 0,3%. Auf europäischer Sektorenebene zählten Öl- & Gaswerte (+1,8%) zu den größten Gewinnern. Bankaktien büßten als Tagesverlierer im Schnitt 2% ein. Die US-Börsen tendierten uneinheitlich. Während der Dow Jones-Index um 0,1% fiel, gewann der S&P 500-Index 0,9%. Highflyer des Tages waren nach guten Quartalsergebnissen vor allem Facebook (+10,8%) sowie General Electric (+11,7%). Auf Sektorenebene waren v.a. Kommunikationsdienstleister (+3,7%) gefragt (Tagesverlierer: Rohstoffaktien -1,5%). Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss uneinheitlich. Chinesische A-Aktien legten im Schnitt um 1,3% zu. Der Nikkei 225-Index gewann 0,1%.

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01.02.2019 - Autor: Externer Kolumnist | Folgt uns auf Google News - hier klicken!

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