Der Sitz der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, in Washington. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

Fed signalisiert erstmals keine Zinserhöhung mehr - Commerzbank Kolumne

Wie erwartet hat die US-Notenbank (Fed) auf der gestrigen Sitzung ihren Leitzinssatz unverändert bei 2,25% bis 2,50% gelassen. Die Fed sieht die Wirtschaft weiterhin nachhaltig wachsen und stuft den Arbeitsmarkt als eng ein. Die Inflation bleibt in der Nähe ihres symmetrischen 2%-Ziels. Trotzdem hat sie ihre Forward Guidance geändert. Sie wird geduldig die nächsten Einschätzungen abwarten, um dann festzulegen, welches Zielband der Zinsen angemessen dafür ist. Die Fed traf damit keine Aussage darüber, in welcher Richtung der nächste Zinsschritt gehen wird und signalisierte erstmals keine weiteren Zinserhöhungen mehr. Zudem deutete die Fed eine flexiblere Handhabung der Reduktion ihrer Bilanzsumme an, um genügend Reserven zu haben. Damit dürfte die Reduktion der Bilanzsumme möglicherweise früher enden, als bisher gedacht.

Die Fed hat letztes Jahr angekündigt, dass sie ab jetzt nach jeder Sitzung eine Pressekonferenz abhalten will, um die Transparenz zu erhöhen. Fed-Chef Powell wurde in der Pressekonferenz kritisiert, dass die Kommunikation der Fed ein Grund für die erhöhte Volatilität an den Märkten war. Powell betonte, dass die Finanzmarktbedingungen eine vorsichtige Haltung erfordern. Auch in der Pressekonferenz äußerte Powell sich explizit nicht dazu, ob der nächste Zinsschritt nach oben oder unten geht. Dies wird laut Powell allein von den Daten bestimmt. Bezüglich weiterer Zinserhöhungen liege der Fokus auf der Inflation. Demnächst dürfte der Renten- und Devisenmarkt also umso heftiger auf Datenüberraschungen reagieren. Die Fed hat sich gestern den Markterwartungen, die für dieses Jahr keine Zinserhöhungen mehr sehen, angenähert. Die Renditen sind nach der Fed-Sitzung gestern deutlich zurückgegangen. Der US-Dollar schwächte sich ab. Der Euro erreichte heute wieder die Marke von 1,15 US-Dollar.

Anleihen


Japan: Industrieproduktion (Dezember), 0:50 Uhr
China: Einkaufsmanagerindizes (Januar), 2:00 Uhr
Deutschland: Arbeitslosenzahl (Januar), 9:55 Uhr
Euroraum: Bruttoinlandsprodukt (Q4 2018), 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Chicago Einkaufsmanagerindex (Jan), 15:45 Uhr

Die Kurse am Rentenmarkt veränderten sich gestern nur gering. Die neueste Entwicklung um die unendliche Brexit-Tragödie konnte die Bundesanleihen nur leicht stützen. Positive Nachrichten kamen gestern früh aus Frankreich: Trotz Beeinträchtigungen durch die "Gelbwesten"-Proteste wuchs das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember um 0,3% zum Vorquartal – Analysten hatten nur 0,2% vorhergesagt. Hier half ein starker Anstieg der Exporte, die Schwäche des privaten Verbrauchs zu kompensieren. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Januar um 1,4% gegenüber Vorjahr gestiegen, womit die Inflationsrate gegenüber dem für Dezember gemeldeten Wert von 1,7% deutlich fiel. Allerdings haben die Statistiker turnusmäßig den Warenkorb neu angepasst und methodische Änderungen vorgenommen, so dass sich die Werte zum Vormonat nicht gut vergleichen lassen. Eine entsprechende Rückrechnung der Inflationszahlen bis Januar 2015 mit dem geänderten Warenkorb und den methodischen Änderungen nehmen die Statistiker in den kommenden Wochen vor und veröffentlichen die Werte am 21. Februar. Nachdem die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts der USA für das vierte Quartal aufgrund der Schließung der Regierungsbehörden gestern verschoben wurde, wartete der Markt gespannt auf die Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung. Fed-Chef Powell kündigte eine Pause im Zinserhö-hungszyklus an. Die nächsten Zinsschritte sollen datenabhängiger erfolgen (siehe „Im Blickpunkt“).

Aktien


Deutschland: Software AG
Europa: Roche
USA: Altria, Amazon, DowDuPont, GE, Honeywell,

Nach zunächst ruhigem Handel in Europa konnten gestern positive Zwischenberichte der Schwergewichte Apple und Boeing die Stimmung heben. Auch die Fed trug im Verlauf zum insgesamt guten Klima bei, da sie wie erwartet keine Zinsänderung vornahm, vor allem aber in ihrem Statement auch eine vorsichtige Gangart im weiteren Straffungsprozess signalisierte. In Europa mit verbreitet freundlicher Marktstimmung fiel der DAX durch sein Minus von 0,3% aus dem Rahmen. Auf der Positivseite lagen mit Covestro (+5,4%) und Fresenius (+3,2%) zwei Verlierer der letzten Monate ganz vorn. Eine Bombe platzte jedoch am Nachmittag beim volatilen Börsenliebling Wirecard, der sich mit Vorwürfen hinsichtlich Betrugsfällen in Asien in der FT Online konfrontiert sah. Der Titel verlor kurzzeitig 25%, am Ende nach heftigem Dementi blieb ein Minus von 13,3%. Der EuroStoxx 50 legte 0,3% zu. Hier waren es die guten Zahlen von LVMH (+6,9%), die auch andere Luxushersteller anschoben. Am Tag nach der Brexit-Debatte konnte in London der FTSE 100 1,6% zulegen. Der Markt wischt das Thema harter Brexit offenbar zur Seite. Noch kräftiger waren die Zuwächse in den USA. Hier sorgten gute Quartalszahlen für kräftige Einzelwertbewegungen vor allem im Technologiebereich (+3%) aber auch im zyklischen Konsum (+2,2%). Der Dow Jones stieg um 1,8% angeführt von Apple (+6,8%) und Boeing (+6,3%). Die Technologiehausse ließ die Nasdaq sogar um 2,2% steigen. Die nachbörslichen Zahlen von Microsoft überzeugten dagegen nicht. Die asiatischen Märkte sind heute uneinheitlich. Der japanische Nikkei legt 1,1% zu, Korea verliert 0,4%. Insofern sind die Vorgaben in Europa gemischt.

Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag aus der 4investors-Redaktion - Brexit: Weitere Chaostage in London voraus - Nord LB Kolumne

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31.01.2019 - Autor: Externer Kolumnist

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Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.
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