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May erleidet bei Brexit-Abstimmung noch herbere Niederlage als erwartet - Commerzbank Kolumne

Die britische Premierministerin Theresa May hat gestern Abend bei der Abstimmung über den mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag eine herbe Niederlage erlitten, die alle Befürchtungen übertraf. Theresa May bekam nur 202 Stimmen für den Vertrag, 432 Abgeordnete entschieden sich dagegen. Dabei verfügen Mays Konservative über 317 Stimmen. Es ist die klarste Niederlage, die eine britische Regierung seit 1924 erlitten hat. Die EU reagierte enttäuscht auf das Votum. Dabei hatte May bis zuletzt gekämpft und davor gewarnt, dass nur eine Zustimmung zum Austrittsabkommen einen chaotischen EU-Austritt am 29. März vom Brexit verhindern könne. Labour-Chef und Oppositionsführer Jeremy Corbyn beantragte direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin. Darüber wird heute abgestimmt. Bei Annahme des Misstrauensvotums käme es zu Neuwahlen. Das halten wir aber für sehr unwahrscheinlich.

Trotz der starken Niederlage will Theresa May bis Montag ein geändertes Vorgehen (Plan B) vorlegen und es noch einmal zur Abstimmung vorlegen. Eine Gesetzeszulage, die vergangene Woche verabschiedet wurde, verlangt, dass innerhalb von 3 Werktagen einen Plan B vorzulegen sei. Bei einer erneuten Ablehnung, die dann zu erwarten wäre, müsste die Frist gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags verlängert wird, um nachzuverhandeln und einen ungeregelten Brexit zu vermeiden. Die EU müsste einer Verlängerung zwar zustimmen, worauf sie sich u.E. aber einlassen würde. Ein zweites Referendum, was gefordert wird, halten wir für kaum denkbar. Ein ungeregelter Brexit wird weiterhin als sehr unwahrscheinlich gesehen, obwohl die Wahrscheinlichkeit seit gestern Abend gestiegen ist. Das britische Pfund spiegelt die Hoffnung auf einen geregelten Brexit wider, es hat sich gestern nach der Abstimmung wieder deutlich gegenüber Euro und US-Dollar gestärkt.

Anleihen


Japan: Maschinenbauaufträge (Nov.), 00:50 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise (Dez.), 10:30 Uhr
USA: NAHB Wohnungsmarkt-Index (Jan.), 16:00 Uhr
USA: Fed veröffentlicht Beige Book, 20:00 Uhr

Der gestrige Tag im Rentenhandel stand im Zeichen der Parlamentsdebatte in London über das Brexit-Abkommen. Die Unsicherheit ließ die Kurse deutscher Staatsanleihen leicht ansteigen, dementsprechend sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 0,23% auf 0,20%. Die Abgeordneten des britischen Unterhauses haben gestern das mit der EU ausgehandelte Brexitabkommen mit 432 zu 202 Stimmen abgelehnt. Premierministerin May muss sich heute Abend einem Misstrauensvotum stellen. Spätestens kommenden Montag will May einen „Plan B“ dem Parlament erneut zur Abstimmung vorlegen (siehe „Im Blickpunkt“). Die gestrigen vorläufigen Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt für 2018 sind insofern positiv zu werten, als dass sie entgegen manchen Befürchtungen keine „technische Rezession“ (zwei Folgequartale mit sinkendem BIP) zeigten. Das Statistische Bundesamt wies für 2018 ein Wachstum von 1,5% aus, woraus sich für das vierte Quartal ein Plus von ungefähr 0,3% gegenüber dem dritten Quartal (-0,2% Q/Q) errechnen lässt. Stützend dürfte zum einen der private Verbrauch und zum anderen der Export gewirkt haben. Wie geht es dieses Jahr weiter? Solange die Nachfrage aus China anhält, spricht vieles dafür, dass die deutsche Konjunktur auch im Frühjahr 2019 zulegt. Für das gesamte Jahr 2019 erwarten wir weiter ein Plus von 1,2%. Der Preisdruck auf der US-Produzentenebene blieb im Dezember weiter schwach. Die Erzeugerpreise sanken um 0,2% gegenüber dem Vormonat. Die Kernrate – ohne die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie – ging um 0,1% M/M zurück. Die Jahresraten lagen unverändert wie im November bei +2,5% bzw. +2,7% (Kernrate).

Aktien


Bank of America, Ergebnis Q4
Blackrock, Ergebnis Q4
Goldman Sachs, Ergebnis Q4
US Bancorp, Ergebnis Q4

Hatten die europäischen Aktienbörsen in den letzten Tagen schwächere Vorgaben im Tagesverlauf zumeist wieder ab-schütteln können, so gelang es nun umgekehrt nicht, die frühen Kursgewinne (dank der positiven Stimmung an den asiatischen Börsen) zu halten. Der starke Handelsstart verpuffte relativ schnell wieder. Am Tag der Brexit-Abstimmung im britischen Parlament hielten sich die Anleger letztendlich deutlich zurück. Erst am späten Nachmittag sorgte die feste Verfassung der Wall Street wieder für etwas Auftrieb. Zur Eröffnung hatte noch die Aktie der Deutschen Post mit einem Plus von über 2% den deutschen Leitindex Dax 30 angeführt, da sich die Zustimmung der Aufsichtsbehörden für eine Portoerhöhung abzeichnete. Als dann aber die Post meldete, dass diese deutlich unter den erwarteten 10 Cent liegen wird, rutschten die Titel (-2,0%) an das Ende des Kurstableaus. Ebenfalls sehr schwach tendierten nach einer Herabstufung eines Analysehauses die Anteilscheine der Deutschen Lufthansa (-1,8%). Die meisten Branchen des Euroraums konnten leicht zulegen, lediglich Telekommunikation (-0,4%) und Medien (-0,5%) verzeichneten Verluste. In New York bremsten u. a. die nicht vollends überzeugenden Quartalsberichte der Banken die Entwicklung des Leitindex Dow Jones. Die Hoffnung auf eine Steuersenkung in China verhalf dagegen hauptsächlich den IT-Werten zu Kursgewinnen. Der technologielastige Nasdaq 100 zog dementsprechend deutlicher an. Im marktbreiten S&P 500 dominierten die Branchen Gesundheit (+1,7%) und IT (+1,5%), während Grundstoffe (-0,6%) und Industrie (-0,3%) schwächer tendierten. An den asiatischen Börsen überwiegen heute Morgen leichte Verluste. Die europäischen Märkte werden kaum verändert erwartet.

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16.01.2019 - Autor: Externer Kolumnist | Folgt uns auf Google News - hier klicken!

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WKN: 846900
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Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.
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