US-Renditen gehen nach US-Zinserhöhung weiter zurück - Commerzbank Kolumne

War in den vergangenen Monaten eine Zinserhöhung mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet worden, so gingen die Erwartungen dafür zuletzt deutlich zurück. Vor der Fed-Sitzung rechneten nur noch zwei Drittel der Marktteilnehmer damit. Dies ist nicht verwunderlich angesichts der gesunkenen Aktienkurse, der aufgekommenen Wachstumssorgen und der flachen, in Teilen sogar inversen, Zinskurve. Die Fed hat aber ihren Leitzins gestern um 25 Basispunkte, wie von uns erwartet, in den Korridor 2,25% bis 2,50% angehoben, aller Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Zinspolitik zum Trotz. In der anschließenden Pressekonferenz betonte Fed-Chef Powell, dass politische Erwägungen bei der Entscheidung keinerlei Rolle gespielt hätten. Noch wichtiger als die Zinserhöhung waren gestern die Aussagen bezüglich der geldpolitischen Erwartungen. Die Fed rechnet im nächsten Jahr angesichts der globalen Wachstumsabschwächung und erhöhten Finanzmarktvolatilität mit einem nur leicht geringeren Wachstum als noch im September. Für die künftige Zinspolitik spricht die Fed nicht mehr von weiteren graduellen Zinserhöhungen sondern von einigen weiteren Zinsanhebungen. Die Notenbanker nahmen ihre Erwartungen im Durchschnitt von drei auf zwei Zinserhöhungen herunter. Jerome Powell signalisierte außerdem in der anschließenden Pressekonferenz, dass die Zinserhöhungen nun datenabhängiger werden. Wir gehen davon aus, dass die Fed im März erst einmal eine Zinspause einlegen wird und wieder im 2. und 3. Quartal 2019 die Zinsen auf dann 3% anheben wird.

Der nur geringfügige gesenkte Zinspfad sollte eigentlich dazu führen, dass der zuletzt gesehene Rückgang der Fed-Zinserwartungen übertrieben war. Offensichtlich glaubt der Markt nicht an das Fed-Szenario, denn die Renditen und Aktienkurse gingen nach der Fed-Sitzung zurück. Nur der US-Dollar stärkte sich nach der Zinserhöhung, aber auch das nur kurzzeitig.

Anleihen


Schweden: Zinsentscheidung, 09:30 Uhr
GB: Einzelhandelsumsätze (Nov.), 10:30 Uhr
GB: Zinsentscheidung, 13:00 Uhr
USA: Erstanträge, 14:30 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index (Dez.), 14:30 Uhr

„Weißer Rauch“ kam gestern aus Brüssel. Die EU-Kommission hat sich mit der neuen italienischen Regierung geeinigt. Das italienische Haushaltsdefizit soll auf „nur“ 2,04% des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Ein Defizitverfahren ist damit vom Tisch. Ursprünglich hatte der italienische Budgetplan einen Anstieg auf 2,4% und damit einen stärkeren fiskalpolitischen Impuls vorgesehen. Die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen ggü. Bundesanleihen sind nach der Nachricht weiter zurückgegangen. Die Rendite 10-jähriger Anleihen ist um 15 Basispunkte auf 2,78% gefallen. Nachdem sie vor einigen Wochen noch 3,6% erreichte. Bei einem Anstieg über 4% wäre das Defizit langfristig kaum zu finanzieren gewesen. Somit stand die italienische Regierung unter Druck, sich mit der EU-Kommission zu einigen. Dem neuen Budgetplan mangelt es jedoch an Glaubwürdigkeit: Denn die Regierung will an den Steuersenkungen, dem Bürgereinkommen und dem früheren Rentenalter in ihren Grundzügen festhalten. Damit dürfte das Defizit trotz der Einigung sogar auf über 2,4% steigen. Die US-Notenbank hat den Leitzinskorridor wie erwartet von 2%-2,25% auf 2,25%-2,5% verschoben. Damit trägt sie der wachsenden Auslastung und der sinkenden Arbeitslosigkeit Rechnung. Da die Inflation weiterhin niedrig ist und in einigen Bereichen (Bau, Export) ein Schwungverlust spürbar ist, wird die Fed nun noch stärker datenabhängig vorgehen. Sollte sich das Konjunkturbild nicht deutlich aufhellen, dürfte die US-Notenbank im März eine Zinspause einlegen. Die FOMC-Mitglieder selber haben bislang drei Zinsschritte 2019 erwartet – jetzt sind es nur noch zwei (vgl. „Im Blickpunkt“).

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Aktienmärkte legten gestern in der Spitze um bis zu 1,6% in Italien zu (hier half die Einigung Italiens mit der EU im Budgetstreit). Mit Ausnahme der Börse in Wien, die um 2,1% nachgab, erzielten alle Leitindizes Gewinne. Der Dax gewann 0,2% und eroberte zeitweise die Marke von 10.800 Punkten zurück. Die großen Jahresverlierer im Dax wie beispielsweise Covestro (-1,2%) oder Continental (-0,6) profitierten aber nicht vom positiven Trend, sondern wurden weiter abverkauft. Offenbar finden hier zum Jahresende noch einige „Bereinigungen“ statt. Gehörig unter die Räder kam die Aktie der Deutschen Post, die mit einem Minus von 4,2% klarer Dax-Verlierer war. Hier belastete ein schwacher Ausblick des Konkurrenten FedEx. Klarer Dax-Gewinner war die Aktie von Fresenius (+4,2%), die sich damit weiter von den kräftigen Kursverlusten der vergangenen Wochen erholte. In der zweiten Reihe brach die Aktie von Ceconomy um fast 18% ein; hier belastete u.a. eine Gewinnwarnung. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Aktien aus dem Bereich Rohstoffe gefragt, die im Schnitt um 1,5% stiegen. Am Ende der Performancerangliste notierten Werte aus dem Bereich Industriegüter (-0,4%). Die Börsen in den USA tendierten schwach. Der Dow Jones-Index verlor 1,5% und der Nasdaq Composite-Index 2,2%. Viele Investoren waren von der weiterhin restriktiven Gangart der US-Notenbank ent-täuscht und verkauften daher Aktien. Auf Sektorenebene standen gestern vor allem die Bereiche IT und Gebrauchsgüter unter Druck, deren Indexmitglieder im Schnitt 1,9% bzw. 2,2% verloren. Defensive Versorgerwerte (-0,2%) zählten zu den besten Aktien. Die Börsen in Asien tendierten nach den sehr schwachen US-Vorgaben wenig überraschend ebenfalls mit deutlichen Abschlägen. Der Nikkei 225-Index büßte um 2,8% ein. Chinesische A-Aktien verloren im Schnitt deutlich weniger (Schanghai A-Index: -0,5%).

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20.12.2018 - Autor: Externer Kolumnist

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Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.
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