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Der manisch-depressive Mr. Market - Weberbank-Kolumne

Kennen Sie den manisch-depressiven Investor „Mister Market“? Nein? Dann lassen Sie sich die Geschichte dieser von einem der berühmtesten Investoren erfundenen und vom wohl erfolgreichsten Investor der letzten Jahrzehnte Warren Buffett immer wieder zitierten Figur im Folgenden näher bringen. Vielleicht hilft sie Ihnen, die aktuelle Marktphase etwas besser zu durchleben.

Die Allegorie des Mr. Market wurde zum ersten Mal von Benjamin Graham, einem der wahrscheinlich bekanntesten Aktieninvestoren der frühen Börsen der USA, in seinem Buch „The Intelligent Investor“ beschrieben. Hierbei geht es um einen Investor, der manisch-depressive Züge zeigt. Er steht damit sinnbildlich für den allgemeinen Aktienmarkt. Entweder er ist hochgradig euphorisch und damit bereit, höchste Preise für eine Aktie zu bezahlen. Oder aber, er befindet sich in einer Depression und ist bereit, seine Aktien zu einem objektiv viel zu niedrigen Kurs abzugeben. Interessant wird die Geschichte dadurch, dass Sie, lieber Leser, darin die Rolle eines Mitinvestors in der gleichen Aktie einnehmen. Mr. Market wird dabei nicht müde, Ihnen entweder den Kauf all ihrer Aktien oder die Abgabe all seiner Aktien an Sie anzubieten. Entscheidend dabei ist jedoch, dass er Ihnen darüber hinaus auch jedes Mal seine Meinung zu dieser Aktie mitteilt, sei sie depressiv oder euphorisch. Sie als rationaler Investor, könnten also von den Stimmungen von Mister Market profitieren, indem sie ihm die Aktien immer dann abkaufen, wenn er sich in seiner depressiven Phase befindet und ihm umgedreht Ihre Aktien immer dann verkaufen, wenn Mr. Market Ihnen in seiner Euphorie mal wieder einen viel zu hohen Preis bietet. Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich dieses jedoch als viel schwierigeres Unterfangen heraus, als es zunächst den Anschein hat. Denn durch seine permanenten Kommentierungen und durch den Blick auf den Gegenwert Ihres Depots unterliegen sie ebenfalls psychologischen Einflüssen, die Sie nicht so leicht ausblenden können.

Die depressiven Märkte


Warum zitieren wir nun diese Allegorie? Im Vergleich zur letzten ‚Finanzmarkt aktuell‘ haben die Aktienmärkte nochmals deutliche Korrekturbewegungen gezeigt. Und wir sehen wieder einmal eine Phase, in der einzelne Aktien teilweise 30, 40 oder gar 50% korrigieren. Kann es aber sein, dass die Unternehmen plötzlich soviel weniger Wert sind, als es noch vor ein paar Wochen der Fall war? Sicherlich kann so etwas passieren. Nämlich dann, wenn sich das langfristige fundamentale Umfeld deutlich verschlechtert und dem Unternehmen seine langfristigen Erträge wegbrechen. Oder, wenn das Unternehmen bisher deutlich überbewertet war und Mr. Market viel zu hohe Preise zu zahlen bereit gewesen ist. Aber ist das wirklich der Fall oder sehen wir aktuell doch eher eine depressive Phase des Marktes?

Die fundamentale Realität


Bei Betrachtung der fundamentalen Fakten fällt zunächst ins Auge, dass die Unternehmensgewinne weltweit gesehen nicht einbrechen. Im Gegenteil. In den USA steigen die Gewinnerwartungen weiter. Sogar der technologielastige NASDAQ-Index zeigt mitnichten Gewinnrückgänge. In Europa sehen wir ebenfalls per Saldo weiter steigende Gewinnerwartungen. Lediglich die Gewinnschätzungen für den deutschen Leitindex DAX gingen zuletzt bedingt durch die hohe Automobillastigkeit des Index zurück. Und selbst in den Schwellenländern bleiben deutliche Gewinnschätzungskorrekturen weiterhin aus. Und trotzdem haben sich die Schwellenländeraktien gemessen am MSCI Emerging Markets Index seit März gut 20 Prozent schlechter entwickelt, als die Aktien des Industriestaatenindex MSCI World. Und auch die Bewertungen der Märkte waren vor dem Kursrutsch nicht in bemerkenswerte Höhen gestiegen, sondern lagen in Europa und den Schwellenländern eher auf oder sogar unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Lediglich in den USA waren bezogen auf den Gesamtmarkt etwas höhere Kurs-Gewinnverhältnisse zu beobachten. Allerdings lagen auch diese weit entfernt von einem von Euphorie geprägten Blasenniveau. Ohne die Zitatekiste zu stark strapazieren zu wollen, fällt uns hier doch eher ein anderer Altmeister der Börse sein: André Kostolany, der den Markt mit einem Hund verglich. Während das Herrchen den Weg kennt und zielstrebig voranschreitet, wird der Hund mal vorauslaufen und mal zurückbleiben. Und so scheint es aktuell auch wieder einmal an der Börse zu sein. Während die Investoren kurzzeitig in Depression verfallen und der Hund zurückbleibt, schreiten die Fundamentaldaten noch weitestgehend unbeirrt voran. Schwierig zu beurteilen ist nur, wie lange eine solche Phase anhält. Und es gibt nach wie vor nicht wenige Störfeuer, die auch das Herrchen zum Umkehren oder zumindest Stehenbleiben bringen könnten. So ist der Haushalt Italiens weiter ein Streitthema in Europa, die konkrete Umsetzung des Brexit weiter ungeklärt und der Handelsstreit der USA mit China dauert ebenfalls weiter an. Positiv stimmt jedoch, dass die Rentenmärkte die Reaktion der Aktienmärkte kaum nachvollzogen. So stiegen die dort von den Investoren geforderten Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen kaum an. Lediglich die deutschen Staatsanleihen signalisieren Unsicherheit, denn hier stiegen die Kurse wieder an und trieben die Realrendite der 10-jährigen Bundespapiere in Richtung ihrer Tiefststände. Die Schwellenländer-Währungsmärkte scheinen sich hingegen nach den starken Bewegungen der Vormonate wieder stabilisiert zu haben.

Das Fazit
Insofern ist es im Moment sicherlich angeraten, Portfolios etwas defensiver aufzustellen und etwas Kasse zu halten. Denn wir wissen nicht, wie lange sich die Unruhe am Markt noch halten wird. Darüber hinaus sollten aber die oben zitierten Hinweise nicht vergessen werden, denn noch sehen wir keine fundamentale Wende und halten die Aktienmärkte mittelfristig weiter für aussichtsreich.

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03.11.2018 - Autor: Externer Kolumnist

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Aktie: DAX - Aktienindex
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.
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