CO.DON-Vorstand Ralf M. Jakobs. Bild und Copyright: CO.DON.

CO.DON: „Aktienkurs spiegelt den Unternehmenswert gar nicht wider“

CO.DON konnte in der letzten Zeit gleich mehrere Meilensteine erreichen: Eine neue Kooperation mit Xintela und ein neuer Vermarktungspartner für Österreich wurden gemeldet, dazu kam ein neuer Investor an Bord und in Leipzig wird eine neue Produktionsstätte gebaut. Im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de bestätigt Unternehmenschef Ralf M. Jakobs den Einstieg einer global agierenden US-Finanzgruppe, diese habe einen mittel- bis langfristigen, strategischen Anlagehorizont. Zudem spricht Jakobs über die weiteren Investitionspläne von CO.DON und die Liquidität der Gesellschaft, die Verhandlungen mit Krankenkassen und die Aussichten des Xintela-Joint-Ventures.


www.4investors.de: Zuletzt hat CO.DON Verhandlungen über eine Zusammenarbeit mit der schwedischen Xintela bekannt gegeben. Was ist das Besondere an den stammzellbasierten Behandlungsmöglichkeiten für menschliche Knorpelschäden ihres potenziellen Partners?

Jakobs:
Stammzellen sind nicht gleich Stammzellen. Xintela verfügt über eine spezielle, geschützte Biomarker Technologie, mit der hochqualitative Stammzellen selektiert werden, die sich tatsächlich in knorpelproduzierende Zellen entwickeln können. Die „guten“ Zellen werden sozusagen herausgepickt. Dieses bildet die Grundlage, um durch Arthrose zerstörten oder angegriffenen Knorpel regenerativ zu behandeln und seine Funktionalität wieder herstellen zu können. Mit der angestrebten Zusammenarbeit würde CO.DON die Produktpipeline um einen weiteren hochpotenten Kandidaten mit großem Marktpotential erweitern.

www.4investors.de: Welche neuen Impulse kann dies für die Arthrose-Behandlung bringen?

Jakobs:
Die Möglichkeiten zur kurativen Behandlung der Arthrose sind derzeit begrenzt und enden nach symptombehandelnden Maßnahmen zumeist in dem Einsatz von Prothesen oder Versteifungen und damit in großen, den Patienten belastenden Operationen. Im Zuge der demographischen Entwicklung ist mit zunehmenden Alter mit einer immer größer werdenden Zahl an Patienten mit Arthrose zu rechnen. Mit einem stammzellbasierten Arzneimittel, welches ohne große Operationen (wie sie z.B. bei Prothesen nötig sind) heilend auf den angegriffenen Knorpel einwirkt, wird diesen Patienten ein schonender Behandlungsweg eröffnet, um Schmerzen zu lindern und die Mobilität wieder herzustellen.

www.4investors.de: Bisher befindet sich Xintela noch in einem recht frühen Stadium. Welche Zeithorizonte sollten Investoren bei dem Joint Venture einplanen?

Jakobs:
Stammzellentechnologien finden bereits heute klinische Anwendung. Die Entwicklung eines Arzneimittels dauert allerdings – bedingt durch die notwendigen Studien – mehrere Jahre. Allerdings fängt unsere Zusammenarbeit mit Xintela auf einer fortgeschrittenen Stufe der Entwicklung an. Bereits 2016 zeigte eine Studie im Großtierversuch, dass Stammzellen, die mit Hilfe der Markertechnologie von Xintela ausgewählt wurden, einzigartige Eigenschaften besitzen, die sie sowohl für die Prävention als auch für die Behandlung von Arthrose und anderen degenerativen Gelenkerkrankungen geeignet machen. Diese Studie ist auch Grundlage der im August 2018 veröffentlichten internationalen Patentanmeldung.

www.4investors.de: Mit welchen Anfangsinvestitionen ist bei dem Xintela-Joint-Venture für CO.DON zu rechnen?

Jakobs:
Wir rechnen mit Investitionen im mittleren siebenstelligen Bereich, die allerdings nach und nach auflaufen werden.

www.4investors.de: Sind dafür die finanziellen Mittel nach der jüngsten Options- und Wandelanleihe-Emission vorhanden, oder muss das Kapital erhöht werden?

Jakobs:
Wir sind dank der Emission der Options- und Wandelanleihe derzeit liquiditätstechnisch in einem sehr ruhigen und stabilen Fahrwasser. Die benötigten Mittel zum Aufbau eines möglichen Joint Ventures sind derzeit vorhanden. Unsere langfristige strategische Planung sieht jedoch verschiedene Optionen vor, zu welchen u.a. auch zweckbestimmte Eigenkapitalmaßnahmen gehören.

www.4investors.de: Nach Informationen von „Platow” sind die Anleihen vor allem an einen angelsächsischen Investor mit Know-How auf dem US-Markt gegangen. Können Sie das bestätigen?

Jakobs:
Das ist richtig: Es ist mir gelungen, eine global agierende US-Finanzgruppe als einen in den Bereichen Healthcare und Biotechnologie sehr erfahrenen und international tätigen strategischen Investor mit mittel- bis langfristigem strategischen Anlagehorizont zu gewinnen.

www.4investors.de: Kann der Investor beim weiteren Ausbau der internationalen Geschäfte für CO.DON hilfreich sein?

Jakobs:
Selbstverständlich. Entscheidend hierbei sind aus meiner Sicht immer die entsprechende Expertise und die strategische Ausrichtung eines Investors. So war es mir bei der Begebung der Wandel- und Optionsschuldverschreibungen besonders wichtig, einen internationalen Investor für unsere Gesellschaft zu gewinnen, welcher es uns ermöglicht, über seine bestehenden Engagements und Expertisen entsprechende Kontakte auch oder vielleicht auch gerade im nicht europäischen Ausland zu ermöglichen bzw. der uns hier mit seinem Wissen entsprechend zur Seite steht, um unsere Gesellschaft international zum Erfolg zu führen.

Wichtig ist mir zu betonen, dass wir uns immer bewusst sein müssen, dass wir zwar ein hervorragendes Produkt haben und auch weitere Innovationen unser Portfolio erweitern werden, aber letztlich werden wir aufgrund unserer limitierten Ressourcen nur dann international erfolgreich agieren, wenn wir entsprechend international starke und erfolgreiche Partner gewinnen können, welche diesen Weg gemeinsam mit uns gehen.

www.4investors.de: Was hat letztlich den Ausschlag für die Emission von Options- und Wandelanleihen statt einer direkten Kapitalerhöhung gegeben?

Jakobs:
Hier musste ich eine strategische Entscheidung fällen: Gehen wir den klassischen Weg einer Kapitalerhöhung oder wähle ich im Sinne der strategischen Gesamtplanung des Unternehmens einen neuen bzw. einen alternativen Weg?

Ich habe mich klar für die langfristig ausgerichtete strategische Option entschieden - mit dem klaren Fokus auf eine Internationalisierung unseres Geschäfts auch außerhalb der EU. Für mich gehört der US-Markt zu den wohl interessantesten Märkten überhaupt - allerdings werden wir diesen Markt aus eigener Kraft und mit unseren vorhandenen Mitteln nicht erschließen können. Daher gab es für mich nur eine Entscheidung, nämlich die Gewinnung eines renommierten und auf den strategischen Erfolg von Unternehmen ausgerichteten Investors. Dass das gelungen ist, ist ein großer Erfolg für die CO.DON und macht mich auch persönlich sehr stolz.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle ganz klar betonen, dass die erfolgte Emission von Options- und Wandelanleihen nicht ausschließt, dass wir als Unternehmen bei entsprechendem Bedarf, z.B. bei der Neuauflage von Studien für neue Produkte oder bei einer entsprechenden anderweitigen Portfolioerweiterung über eine klassische Eigenkapitalerhöhung nachdenken werden.

www.4investors.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Kursverlauf der Aktie?

Jakobs:
Leider spiegelt der aktuelle Aktienkurs den Unternehmenswert aus unser Sicht gar nicht wider.

Die beiden letzten Meldungen über die Unterzeichnung des Termsheets mit dem österreichischen Vertriebspartner, die uns bei Vertragsabschluss einen absatzunabhängigen vertraglich zugesicherten Mittelzufluss garantiert und die Meldung über die geplante Zusammenarbeit mit Xintela hinsichtlich der gemeinsamen Entwicklung eines Stammzellproduktes zur Behandlung von Arthrose wurden vom Markt kurstechnisch nicht reflektiert.

www.4investors.de: Den Erlös aus der Emission der Wandelanleihe wollen Sie vor allem für den Ausbau des internationalen Geschäfts verwenden. Welche Investitionen stehen dort an?

Jakobs:
Die aus diesen Kapitalmaßnahmen zufließenden Mittel sollen insbesondere dazu verwendet werden, die Produktlinie zu erweitern und die Internationalisierung der Geschäftstätigkeit der CO.DON AG weiter voranzubringen. Hier reden wir zum einen von der weiteren strategischen EU- Markterschließung, zum anderen aber auch durchaus von außereuropäischen Märkten.

www.4investors.de: Eine große Investition hat CO.DON für den neuen Standort in Leipzig beschlossen. Was hat den Ausschlag für die Stadt gegeben und wie weit ist der Aufbau des Standorts fortgeschritten?

Jakobs:
Leipzig liegt strategisch günstig und hat als Flughafen mit dem Schwerpunkt Luftfracht sowohl innerhalb Europas als auch außereuropäisch eingeflogene und validierte Routen. Für unsere Produkte, die aus lebenden Zellen bestehen und deren Haltbarkeit deshalb definiert ist, ist das ein wichtiger Punkt. Am Standort in der BioCity Leipzig finden wir ideale Bedingungen für den Aufbau unseres Produktionsstandortes vor: Neben der modernen Infrastruktur finden wir hier - bedingt durch die Vielzahl an Ausbildungsstätten - qualifizierte Arbeitskräfte und für unsere Projekte kompetente und engagierte Partner. Nach Abschluss aller Arbeiten wird die Betriebsstätte eine der weltweit größten und modernsten Anlagen für die Produktion von humanen Zellen im industriellen Maßstab sein. So stellen wir für unsere Anwender in Deutschland und Europa auch für die Zukunft die Lieferung von Zelltherapieprodukten höchster Qualität sicher.

www.4investors.de: Experten erwarten nach dem jüngsten Deal von CO.DON in Österreich für ihr Hauptprodukt Spherox noch für 2018 weitere Vermarktungsdeals. Können Sie das bestätigen? Was kann die Börse von CO.DON in den nächsten Monaten erwarten?

Jakobs:
Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten sechs Monaten unser Produkt in einem weiteren EU-Mitgliedsland vertreiben werden. CO.DON treibt den Markteintritt in verschiedene EU-Mitgliedsstaaten weiterhin sehr aktiv voran. Die EU-weite Zulassung unseres Produktes ist ein großer Erfolg und sichert die nachhaltige Wertsteigerung der CO.DON AG. Allerdings ist die Kostenerstattung unabhängig davon immer national zu verhandeln und hier gestalten sich die Gespräche sehr differenziert.

Unsere Strategie ist es, unser Produkt nur in Märkten mit ertragsseitig sinnvoller Preisbildung und Erstattung anzubieten. Wir erwarten, dass bereits erschlossene Märkte, in denen wir eine gesicherte Kostenerstattung haben, Beispiel und Vorbild für Entscheider in weiteren EU-Staaten sind.

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl eines Markteintritts sind die Umsetzungshürden auf der jeweiligen nationalen regulatorischen Ebene, die wir entsprechend unseren zeitlichen und personellen Ressourcen und Kapazitäten bewerten.

Im Gegensatz zu großen Pharmaunternehmen müssen wir eine gestrecktere Zeitschiene fahren, da unsere Ressourcen einen anderen Weg nicht zulassen.

www.4investors.de: Welche Rolle spielen Märkte in Übersee, vor allem die USA und China, in ihren Überlegungen?

Jakobs:
Der US-Markt ist der weltweit größte Markt, aber auch einer der komplexesten Märkte. Um hier erfolgreich zu sein, muss man den Markteintritt genau planen.

Um die Chancen eines erfolgreichen US-Markteintritts für die CO.DON AG signifikant zu erhöhen, habe ich die Entscheidung gefällt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates besagten US-Investor im Rahmen der Begabe des für ein Unternehmen unserer Größe nicht ganz typischen Finanzinstrumentes an Bord zu holen. Bei dieser Entscheidung halfen mir die aus meiner vormaligen Zeit im Bereich der Finanzindustrie resultierenden Kenntnisse des US-Finanzmarktes sowie der dortigen Gegebenheiten.

Wir sind hier auf einem guten Weg und werden in absehbarer Zeit erste entsprechende Kontakte jenseits des Atlantiks auf- und ausbauen.

Hinsichtlich des asiatischen und hier insbesondere des chinesischen Marktes kann ich Ihnen bestätigen, dass wir diesen im Rahmen unserer Ressourcen und Möglichkeiten im Auge behalten bzw. bereits entsprechende Handlungsoptionen prüfen, zu welchen ich Ihnen aber verständlicherweise noch keine näheren Angaben machen kann.

www.4investors.de: In Deutschland gab es 2017 Irritationen um die Kostenerstattung für co.don chondrosphere, die von einigen Krankenkassen abgelehnt wurde. Wie weit ist mittlerweile die Umstellung der Krankenhäuser von co.don chondrosphere auf Spherox vorangeschritten, das erstattet wird?

Jakobs:
Die Umstellung der Krankenhäuser, die das CO.DON Produkt anwenden, erfolgt gegenwärtig, allerdings bedarf es in Sachen Kostenerstattung weiterer Aufklärung im Abnehmermarkt. Im letzten Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres und im ersten Halbjahr 2018 hatten unsere Anwender erhebliche Kostenerstattungs-Probleme mit den Krankenkassen und deren Medizinischen Dienst (MDK). Das betrifft nicht nur die Produkte der CO.DON, sondern viele Anbieter bzw. Anwender von neuartigen Therapien.

CO.DON hat darum im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres begonnen, sich neben der Verbandsarbeit auch auf der politischen Ebene zu positionieren und wird sich im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten engagieren, um aktiv mitzuwirken und Einfluss zu nehmen. Wir wünschen und fordern einen konstruktiven Dialog der Interessengruppen, ergebnisorientierte Gespräche zwischen Arzneimittelherstellern, Kostenerstattern, Politik und Abnehmern und letztendlich einen Konsens zum Wohle des Patienten.

www.4investors.de: Sphene Capital hatte jüngst das Behandlungsvolumen europaweit auf 115.000 Fälle pro Jahr geschätzt, davon 20.000 in Deutschland. Sind dies realistische Zahlen und welcher Zeithorizont wäre vonnöten, um solche Zahlen tatsächlich zu erreichen?

Jakobs:
Grundlage der Zahlen sind Arthroskopiedaten, die für Europa jährlich ca. 2,4 Millionen Kniearthroskopien aufzeigen. Bei rund 60 Prozent dieser Patienten wird ein Knorpelschaden diagnostiziert, wovon wiederum knapp 5 Prozent mit der durch die EMA zugelassenen Methoden und gemäß den Zulassungsvorgaben hinsichtlich Alter, Lokalisation und Defektgröße behandelt werden können. Das ergibt dann die benannten 115.000 Fälle pro Jahr europaweit bzw. 20.000 Fälle in Deutschland.

Einen konkreten Zeithorizont zu benennen, in dem man diese Anspruchsgruppe vollständig bedienen kann, wäre aufgrund der Unwägbarkeit verschiedener Faktoren, wie z.B. der Entwicklung der Kostenerstattung und der allgemeinen Marktentwicklung, reine Spekulation.

www.4investors.de: Welche Rohertragsmargen und welche Einnahmen pro Behandlung lassen sich für CO.DON mit Spherox in Europa durchschnittlich erzielen?

Jakobs:
Mit den bisher im Ausland erzielten Erstattungsmargen sind wir zufrieden und werden das Auslandsgeschäft auf dieser lukrativen Grundlage entsprechend ausbauen.

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30.08.2018 - Autor: Michael Barck | Folgt uns auf Google News - hier klicken!

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Aktie: co.don
WKN: A1K022
ISIN: DE000A1K0227
Branche: Biotechnologie: Tissue Engineering
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