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Villeroy + Boch: China-Geschäft soll sich beleben – Interview

Autor: Michael Barck
10.08.2015

Villeroy + Boch Finanzvorstand Markus Warncke im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Foto und Copyright: Villeroy + Boch.




Russland und China machen dem Management von Villeroy + Boch zwar zunehmend Sorgen. Doch die Geschäfte dort haben ein zu geringes Volumen, „um unsere Konzernziele in Gefahr zu bringen“, sagt Konzern-Finanzvorstand Markus Warncke im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Auf die Veränderungen bei der Nachfrage reagiert die Gesellschaft mit neuen Angeboten. Man wolle „offensiver im Bereich hochwertiger Geschenkartikel“ werden. Zudem bleiben die Kosten angesichts steigender Rohstoff- und Energiepreise im Blick.


www.4investors.de: Die Probleme in den Beziehungen zu Russland sind angesichts anderer Krisenherde in der Welt etwas aus dem Fokus geraten, für sie als dort sehr aktives Unternehmen aber brandaktuell. Wie ist aktuell die Lage auf dem für sie wichtigen Wachstumsmarkt?

Warncke:
Gut und schlecht zugleich! Der Bereich Tischkultur, mit dem wir rund 20 Prozent unseres Russland-Umsatzes erzielen, lag zum Halbjahr deutlich unter Vorjahr – hier spüren wir das sinkende Interesse der Verbraucher an Konsumgütern wie Geschirr. Anders bei Bad und Wellness: Hier haben wir in den ersten sechs Monaten 2015 rund 40 Prozent mehr umgesetzt, weil in langfristige Vermögenswerte wie Immobilien und Infrastrukturen weiter investiert wird, quasi als physische Absicherung gegen die Währungsturbulenzen.

www.4investors.de: Im zweiten Quartal nahm der Schwung im Russlandgeschäft der Sanitärsparte jedoch ab. Schlägt die russische Wirtschaftskrise auch hier langsam durch, unter anderem auf die für sie wichtigen Neubauaktivitäten im russischen Immobiliensektor?

Warncke:
Unser Wachstum hat sich auf hohem Niveau verlangsamt, ist aber weiterhin intakt. Das erste Quartal war mit +73 Prozent deshalb so stark, weil wir aus dem Dezember noch einen hohen Auftragsbestand mit ins neue Jahr genommen hatten. Es wird aber weiterhin viel gebaut in Russland – und überall dort versuchen wir, mit unseren Sanitärprodukten zur Stelle zu sein. Gegenüber dem Wettbewerb haben wir dabei zwei Vorteile: Wir haben ein eigenes Lager in der Nähe von Moskau und können sehr schnell liefern – bei Bedarf auch kleine Stückzahlen. Und: Wir haben eine Rubel-Preisliste, die unseren Kunden die gewünschte Währungssicherheit bietet.

www.4investors.de: Wie begegnen sie den starken Rubelschwankungen und wie stark sind hier die Risiken für Umsatz und operatives Ergebnis bei Villeroy + Boch bei einem weiteren Kursverfall des Rubels?

Warncke:
Auf der Umsatzseite ergibt sich allein bei Bad und Wellness im ersten Halbjahr 2015 ein negativer Währungseffekt in Höhe von 4,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. In Rubel ist das Wachstum damit sogar noch deutlich kräftiger ausgefallen als berichtet, nämlich um rund 90 Prozent. Reagiert haben wir auf die Rubelschwäche mit zwei Preiserhöhungen in diesem Jahr.

www.4investors.de: In der jüngsten Zeit hat China zunehmend für negative wirtschaftliche Schlagzeilen gesorgt, zuletzt mit einem deutlichen Kursrutsch an der Börse in Shanghai. Auch in diesem Markt haben sie bisher prozentual gute Zuwächse erzielt, wie gestaltet sich die Lage aktuell?

Warncke:
Dort haben wir uns im ersten Halbjahr 2015 mit einem Umsatzwachstum in Höhe von 1 Prozent seitwärts bewegt. Für einen Markt, in dem wir seit 2009 jährlich um 24 Prozent gewachsen sind, ist das natürlich zu wenig. Wir erwarten für die zweite Jahreshälfte allerdings eine Belebung – insbesondere dank des Projektgeschäfts, für das wir einige Aufträge bereits in unseren Büchern haben.

www.4investors.de: Ist ihre aktuelle Prognose durch die Entwicklungen in Russland und China gefährdet?

Warncke:
Trotz der zweistelligen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren beträgt der Umsatzanteil von China und Russland zum Halbjahr vergleichsweise geringe 6,3 Prozent – zu wenig, um unsere Konzernziele in Gefahr zu bringen. Wir bleiben also bei unserer Prognose, unseren Umsatz um 3 Prozent bis 5 Prozent zu steigern und unser operatives Ergebnis um mehr als 5 Prozent zu verbessern.

www.4investors.de: Im Bereich der Tischkultur verändert sich der Markt stark, das klassische Tischgeschirrset dürfte nicht mehr der große Wachstumsbringer sein. Wie wollen sie neue Käufer anlocken und wo sehen sie in diesem Geschäftsbereich die Trends der nächsten Zeit?

Warncke:
Mit Ihrer Vermutung liegen Sie durchaus richtig: Dass sich Verbraucher ein Set mit zwölf Speise-, Suppen- und Frühstückstellern kaufen, ist deutlich seltener geworden. Auch Hochzeitstische haben nicht mehr die Bedeutung wie früher. Stattdessen adressieren wir heute verstärkt spezielle Produktsortimente für Trendthemen wie Grillen, Pasta, Pizza, Kaffee oder Tee. Außerdem wollen wir uns offensiver im Bereich hochwertiger Geschenkartikel positionieren. Mit cleverer Kommunikation wollen wir den Kunden davon überzeugen, dass man anstelle von Blumen oder Wein doch auch zwei hübsch verpackte Espressotassen als kleines Gastgeschenk mitbringen kann.

www.4investors.de: Im Bereich Bad wird der Wellness-Faktor immer wichtiger. Planen sie hier Aktivitäten, eventuell auch in Zusammenarbeit mit anderen Konzernen?

Warncke:
Komfort und Wohlfühlen sind aus meiner Sicht die passenderen Begriffe. Die Bäder bieten durch intelligente Planung mehr Bewegungsfreiheit und werden – auch aufgrund des demografischen Wandels und der älter werdenden Gesellschaft – zunehmend barrierefrei gestaltet. Auch in puncto Technik werden die Bäder komfortabler: Unsere spülrandlosen DirectFlush-WCs vereinfachen die Reinigung der Toilette und mit unseren ViClean-Dusch-WCs kann man die Intimregion nach der WC-Benutzung mit wohl temperiertem Wasser säubern. Das kommt bei unseren Kunden gut an!

www.4investors.de: Bereiten ihnen für die beiden Geschäftsbereiche von Villeroy + Boch die Entwicklungen der Rohstoff- und Energiepreise Sorgen?

Warncke:
Derzeit ist die Situation relativ entspannt. Sowohl 2014 als auch 2015 sind unsere Einkaufspreise über alle Warengruppen hinweg nur sehr moderat gestiegen. Da die Herstellung von Keramik traditionsgemäß energieintensiv ist, beschäftigen wir uns sehr genau mit der Frage, wie wir den Energiebedarf und unsere Abhängigkeit von den Preisentwicklungen reduzieren können. 2014 haben wir in Mettlach beispielsweise ein eigenes Blockheizkraftwerk installiert, dessen Leistung rund 90 Prozent des Gesamtstrombedarfs am Standort Mettlach abdeckt. Damit machen wir uns lokal nahezu unabhängig von der Strompreisentwicklung, können die Energiekosten besser planen und sparen jedes Jahr einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag. Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, inwiefern sich dieses Konzept auch auf andere Standorte übertragen lässt.

www.4investors.de: Der Immobilienbereich bringt bei ihnen seit einiger Zeit aufgrund eines schwedischen Projektes reichlich Sondereffekte, andere Immobilienprojekte, zum Beispiel in Luxemburg, stehen an. Entsteht hier gerade ein neuer Geschäftsbereich bei Villeroy + Boch?

Warncke:
Ganz so weit würde ich nicht gehen. Nach unserer Restrukturierung in den Jahren 2009 und 2010 haben wir uns auf eine geringere Anzahl an Produktionsstandorten konzentriert. Dadurch verfügen wir in Luxemburg noch über ein rund 60.000 Quadratmeter großes Areal, das als ehemaliges Werksgelände nicht mehr betriebsnotwendig ist. Durch die attraktive Lage und nur 3,5 Kilometer Entfernung zum Stadtzentrum eignet sich das Grundstück optimal als Wohnraum. Mit der Stadt Luxemburg sind wir aktuell in konstruktiven Gesprächen, um über die zukünftige Nutzung zu beraten. Bis zur Umsetzung wird es aber noch dauern.

www.4investors.de: Im ersten Halbjahr gab es einen deutlich schlechteren Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit als im Vorjahreszeitraum. Was waren die Hintergründe dieser Entwicklung und wie werden die Cashflow-Zahlen im zweiten Halbjahr aussehen?

Warncke:
Einerseits haben wir unsere Vorräte aufgebaut – zum Beispiel in Russland, um dort angesichts der hohen Nachfrage lieferfähig zu bleiben. Andererseits sind unsere Forderungen gestiegen, in erster Linie durch den höheren Umsatz, den wir in den ersten sechs Monaten erzielt haben. Wir haben diese Zahlen fest im Blick und erwarten eine Entspannung in der zweiten Jahreshälfte – also kein Grund zur Sorge.

www.4investors.de: Der Aktienkurs von Villeroy + Boch ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, zugleich das Zinsniveau deutlich gefallen. Werden wir in absehbarer Zeit Finanzierungsaktivitäten bei ihnen sehen?

Warncke:
Wir haben in diesem Jahr einen langfristigen Kredit in Höhe von 25 Millionen Euro getilgt – auch das hat sich auf den Cashflow ausgewirkt. Ob wir die günstige Zinssituation nutzen und den Betrag erneut aufnehmen, ist noch unklar. Derzeit brauchen wir die liquiden Mittel nicht. Positiv ist auf jeden Fall, dass unser Finanzergebnis in diesem Jahr deutlich über Vorjahr liegt – zum Halbjahr bereits um +1,4 Millionen Euro.



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