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Expertenmeinung

Brexit: Wieder eine Enttäuschung im britischen Unterhaus - Commerzbank Kolumne

Autor: Externer Kolumnist
30.01.2019

Der Forderung der Briten, den Backstop neu zu verhandeln, erteilte EU-Ratspräsident Tusk postwendend eine Absage. Bild und Copyright: melis / shutterstock.com.




Leider kam es gestern erneut zu keinem Durchbruch beim Brexit. Ursprünglich sollte gestern über den von Premierministerin Theresa May vorgestellten Plan B abgestimmt werden, bei dem May lediglich versprach über den Backstop (Notfalllösung für Nordirland) noch einmal nachzuverhandeln. Vor der Abstimmung wurde ein Dutzend von Änderungsanträgen eingereicht. Über sieben Anträge wurde gestern abgestimmt.

Eine Mehrheit fand gestern der Antrag des Konservativen Graham Brady (Brady-Amendment), der besagte, dass das Parlament den Austrittsvertrag mit der EU billigen werde, wenn eine Alternative zum Backstop gefunden werde. May hatte aufgerufen, diesen Antrag zu unterstützten. Allerdings wurde auch ein Antrag (Spelman-Amendment) mit 318 zu 310 Stimmen befürwortet, den May ablehnte. Hier sprach sich das Unterhaus dagegen aus, die EU ohne Vertrag zu verlassen. Der Antrag ist allerdings nicht bindend und beinhaltet keine konkreten Maßnahmen, wie ein No-Deal-Brexit verhindert werden soll. Der Forderung, den Backstop neu zu verhandeln, erteilte EU-Ratspräsident Tusk wenige Minuten nach der Abstimmung eine Absage.

Die Gefahr eines No-Deal-Brexits ist gestern nicht geringer geworden. Die Zeit wird immer knapper. May will dem Parlament den Austrittsvertrag noch einmal vorlegen, wenn sie Änderungen beim Backstop erreicht hat. Gelingt ihr das nicht bis zum 13. Februar, was wahrscheinlich ist, wird erneut über neue Anträge abgestimmt. Wir rechnen weiterhin damit, dass letztlich der Termin des Austritts (29.03.2019) verschoben wird, da eigentlich keiner einen No-Deal-Brexit befürwortet. Das britische Pfund hat sich gestern deutlich ggü. Euro und US-Dollar abgewertet. Im Vergleich zu den letzten Monaten ist das Pfund jedoch noch vergleichsweise stark. Die Marktteilnehmer hoffen offenbar weiterhin auf die Vermeidung eines ungeregelten Brexit.

Anleihen


Frankreich: BIP-Wachstum in (4. Quartal), 07:30 Uhr
Deutschland: Verbraucherpreise, Länder (Jan.), heute
Euroraum: EU-Vertrauensindikatoren (Jan.), 11:00 Uhr
USA: ADP-Arbeitsmarktbericht (Jan.), 14:15 Uhr
USA: BIP-Wachstum (4. Quartal), verschoben
USA: Fed-Zinsentscheidung, 20:00 Uhr

Die gestrige Brexit-Debatte im Britischen Parlament brachte wie erwartet keinen Ausweg aus der Sackgasse (vgl. „Im Blickpunkt“). Griechenland hat gestern den Finanzmarkt getestet und erstmals nach dem Bailout eine Anleihe ohne Garantie anderer Staaten emittiert. Zunächst wurde die Rendite auf knapp 3,9% taxiert. Die Nachfrage für die 2,5 Mrd. große Emission mit Laufzeitende 2024 war letztlich jedoch so hoch, dass die Rendite am Ende bei 3,6% lag. Angeblich war die Emission vierfach überzeichnet. Nach der University of Michigan meldete gestern auch das Conference Board einen scharfen Rückgang der Verbraucherstimmung in den USA. Gegenüber dem Hochpunkt im Oktober ist der Index ein weiteres Mal zurückgegangen und liegt nun auf einem ähnlichen Niveau wie Mitte 2017. Offensichtlich hat der Government-Shutdown auch bei der Konsumentenstimmung seine Spuren hinterlassen. Nachdem die Gehälter wieder fließen, dürften die kommenden Umfragen wieder bessere Werte zeigen. Keine Anzeichen für eine Überhitzung zeigt weiterhin der US-Wohnungsmarkt. Die von S&P erfassten Hauspreise stagnierten in der zweiten Jahreshälfte 2018. Auch die Zahl der Baubeginne zeigt keine Überhitzung an. Die Neubauten dürften den langfristigen Bedarf nur knapp decken. Aus Frankreich wurde heute Morgen ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2018 um 0,3% gemeldet. Ein Zehntel stärker als erwartet. Die französischen Autobauer haben weniger unter der Umstellung der Abgastests gelitten.

Aktien


Siemens, Ergebnis Q1
Banco Santander, Jahreszahlen
Novartis, Jahreszahlen
AT&T, Boeing, Facebook, Ergebnis Q4
McDonald’s, Microsoft, Paypal, Visa, Ergebnis Q4

Den europäischen Aktienbörsen gelang es gestern, trotz Verlusten im frühen Handel, sich letztendlich doch relativ robust zu präsentieren. Während einige Quartalsberichte in den Fokus rückten, richteten die Anleger ihren Blick bereits in Richtung London, wo die Abgeordneten des britischen Par-laments über den Brexit abstimmten. Im deutschen Leitindex Dax 30 belastete vor allem die Kursentwicklung des Softwarekonzerns SAP (-2,8%), der mit seinen Jahreszahlen nicht vollends überzeugen konnte. In der Breite schwächer tendierten auch die Automobiltitel. Insbesondere der Zulieferer Continental (-1,8%) und VW Vz. (-1,4%) verzeichneten Kursabschläge. Im EUROSTOXX 50, konnten indes mit wenigen Ausnahmen (IT: -0,8%, Automobile: -0,5%) die meisten Branchen zulegen. Vor allem defensive Sektoren wie Versorger (+1,4%) und Nahrungsmittel (+1,2%) standen bei den Anlegern auf dem Kaufzettel. Sehr stark präsentierte sich angesichts steigender Rohstoffwerte der britische FTSE 100. An der Wall Street breitete sich die Mollstimmung weiter aus, da in der immer weiter fortschreitenden Berichtssaison Licht und Schatten wechselten. Positiv wurden im Dow Jones vor allem die Zahlen des Pharmariesen Pfizer (+3,1%) und des Mischkonzerns 3M (+1,9%) aufgenommen, während sich die Titel von Verizon (-3,3%) nach der Quartalsvorlage am anderen Ende des Auswahlindex wiederfanden. Vor der nachbörslichen Veröffentlichung des Zahlenwerks von Apple waren IT-Titel (-1,0%) wenig gefragt. Positiv entwickelte sich vor allem der Industriesektor (+1,4%). Die asiatischen Börsen tendierten heute Morgen überwiegend schwächer. Auch die europäischen Märkte werden mit einem leichten Minus eröffnen.



Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen! Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag aus der 4investors-Redaktion - DAX: Stimmungsschwankungen am deutschen Aktienmarkt - Donner & Reuschel Kolumne

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