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Berentzen-Gruppe: „Wir werden neue Initiativen starten“

17.08.2017, 13:55 - Autor: Redaktion 4investors auf twitter

Oliver Schwegmann, seit dem 1. Juni 2017 Vorstandsmitglied der Berentzen-Gruppe, im Interview mit www.4investors.de. Bild und Copyright: Berentzen.


Mit der Vorlage der Halbjahreszahlen ist die Aktie der Berentzen-Gruppe deutlich unter Druck geraten – obwohl der Getränkekonzern seinen Wachstumskurs fortsetzen konnte und auch an seiner Prognose für das Gesamtjahr festhält. Hinter den Erwartungen zurück blieb hingegen das Segment Frischsaftsysteme, das sich in den letzten Jahren zum Wachstumstreiber entwickelt hatte.

Besteht nun Korrekturbedarf an der strategischen Grundausrichtung der Berentzen-Gruppe? Die Redaktion von www.4investors.de fragt bei Oliver Schwegmann, seit dem 1. Juni 2017 Vorstandsmitglied der Berentzen-Gruppe, nach und spricht mit ihm über die Marktführerschaft der Marke „Berentzen“, Korrekturmaßnahmen im Frischsaftsegment, die Expansion der Limonadenmarke „Mio Mio“ und die Reaktion der Anleger.


www.4investors.de: Die Berentzen-Gruppe hat den Halbjahresbericht 2017 vorgelegt. Konzernumsatz und Konzernbetriebsergebnis sind um 4,0 Prozent bzw. 3,1 Prozent gestiegen. Wie fällt Ihr persönliches Fazit für die ersten sechs Monate 2017 aus?

Schwegmann:
Ich sehe viel Licht, aber zugegebenermaßen auch den einen oder anderen Schatten. Wir haben entgegen der allgemeinen Marktentwicklung ein deutliches Wachstum wichtiger Kernmarken. Dazu gehört neben Berentzen und Puschkin ganz klar auch Mio Mio. Wir verzeichnen eine Umsatzsteigerung im Konzern in allen drei Segmenten. Das ist positiv und das möchte ich auch klar betonen. Aber wir haben eben auch selbst gesetzte Wachstumsziele in den Segmenten Alkoholfreie Getränke und Frischsaftsysteme zum Teil nicht erreicht. Unsere grundsätzliche strategische Richtung stimmt, jedoch gibt es einige operative Herausforderungen, etwa in der Supply-Chain-Effizienz der genannten Segmente. Produktion und Einkauf müssen in ihren Prozessen noch optimiert werden. Im Segment Frischsaftsysteme haben sich Defizite beispielsweise in der Verfügbarkeit von frischen Orangen gezeigt. Dadurch sind Lieferengpässe entstanden.

www.4investors.de: Fangen wir mit einem der von Ihnen genannten positiven Aspekte an: Die Marke Berentzen ist gewachsen und konnte ihre Marktführerschaft in Deutschland im Bereich Fruchtige Spirituosen auf einen Marktanteil von 21,6 Prozent ausbauen – dem höchsten Wert seit Jahren. Wie ist es Ihnen gelungen mit den Dachmarken Berentzen und Puschkin gegen den negativen Markttrend im Bereich Spirituosen ein Absatzplus zu verzeichnen?

Schwegmann:
Es gelingt uns, mit vielen Produktneueinführungen aktuelle Trends und moderne Verwendungsanlässe aufzugreifen. So haben wir beispielsweise unter der Dachmarke Berentzen „Cranberry Aperitif“ eingeführt, der im Mix mit Sekt eine fruchtige Aperitif-Alternative bietet und mit einem Wachstum von +273 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr bereits etablierte Wettbewerber überholt hat.

Ebenfalls konnte die Distribution der Dachmarke Berentzen weiter ausgebaut und die Saisonhöhepunkte wie Karneval, die Mai-Feiertage und das Silvestergeschäft mit dem Handel gezielter und besser ausgeschöpft werden.

Einen weiteren wichtigen Erfolgsfaktor für unsere Marktführerschaft bei Fruchtigen Spirituosen sehen wir in unserer effizienten Konsumentenkommunikation, die seit 2015 zu 100 Prozent digital ausgerichtet ist. Wir stehen über soziale Medien in engem Kontakt mit unseren Verwendern und überzeugen mit modernen, relevanten Inhalten.

www.4investors.de: Dann kommen wir zu Ihren Wermutstropfen: Sie haben Ihre Prognose für das Gesamtjahr 2017 grundsätzlich bestätigt, sprechen aber auch davon, dass zur Erreichung dessen im zweiten Halbjahr 2017 noch einige Anstrengungen erforderlich sind. Sie haben ja schon einige der Herausforderungen geschildert. Was sind Maßnahmen, die Sie hier konkret einleiten wollen oder bereits eingeleitet haben?

Schwegmann:
Im Geschäftsbereich der Alkoholfreien Getränke werden wir Produktionsverbundeffekte zwischen unseren Standorten stärken sowie die Komplexität im Portfolio und damit in der Produktion reduzieren. Durch die regionale Erweiterung unseres Absatzgebietes für Mio Mio, das nun fast bundesweit gelistet ist, gilt es zudem, Logistik- und Vertriebsaktivitäten zu optimieren. Im Segment Frischsaftsysteme werden wir unsere Anstrengungen im Qualitätsmanagement bei unbehandelten Orangen auf dem Weg von der Ernte bis zum Kunden intensivieren, auch um Lieferengpässe, die im ersten Halbjahr 2017 ein wesentliches Problemfeld des Geschäftsbereichs markiert haben, zu vermeiden. Hierzu werden wir zudem Lieferanten frühzeitiger binden, um zukünftige Ernteerträge zu sichern. Wir haben unseren Kunden gegenüber ein Qualitätsversprechen gegeben, das wir einhalten möchten. Wir haben uns zu hoher Qualität besonderer, unbehandelter Orangen verpflichtet. Das ist für uns von zentraler Bedeutung, heißt aber eben auch, dass wir unter Umständen temporäre Absatzverluste in Kauf nehmen müssen.

www.4investors.de: Dass nun ausgerechnet das Frischsaftsegment, der Wachstumstreiber der vergangenen Jahre, schwächelt, hat viele Beobachter überrascht. Sie haben die mangelnde Orangenverfügbarkeit aufgrund schlechter Ernten und Absatzverluste bereits als Ursache angesprochen. Gab es weitere Gründe für das geringe Wachstum von nur noch 2,8 Prozent?

Schwegmann:
Einige Länder haben leider nicht die Performance gezeigt, die wir erwartet hatten. Zu nennen sind hier insbesondere die USA, Deutschland, Österreich und die Niederlande. Hier haben wir in der Vergangenheit keine ausreichenden Impulse bei der Steuerung unserer Distributeure gesetzt. Das werden wir nun ändern. Gerade auf dem deutschen Markt sind wir sicher, dass es noch viel Potenzial gibt. Darüber hinaus sind wir noch nicht zufrieden mit der Geschwindigkeit unseres Innovationszyklus bei der Entwicklung neuer Geräte.

www.4investors.de: Neben Deutschland, wie sehen Sie die Chancen insgesamt im Segment Frischsaftsysteme? Stufen Sie die letzte Entwicklung als temporäre Wachstumsdelle ein? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um neue Wachstumsimpulse für dieses Segment zu schaffen?

Schwegmann:
Wir sind nach wie vor überzeugt von den Wachstumspotenzialen dieses Geschäftsbereichs. Dass derzeit auch eine Intensivierung der Aktivitäten unserer Mitwettbewerber zu beobachten ist, macht deutlich, dass noch viel Dynamik im Markt liegt und man unsere eigenen Aktivitäten zunehmend stärker wahrnimmt. Wir werden dem mit neuen, innovativeren Gerätegenerationen begegnen, um den aufmerksamer werdenden Wettbewerbern weiterhin technisch überlegen zu bleiben und neuen Konsumentenansprüchen gerecht zu werden. Dafür stärken wir derzeit unsere Entwicklungsaktivitäten. Wichtig ist zudem eine Expansion unseres Länderportfolios. In diesem Bereich werden wir neue Initiativen starten, um weitere nationale Märkte für uns zu erschließen.

www.4investors.de: Zu einem neuen Aushängeschild der Berentzen-Gruppe haben sich die Erfrischungsgetränke der Marke Mio Mio entwickelt: Läuft die Expansion bei Mio Mio planmäßig? Welche Erwartungen haben Sie an dieses nachhaltige Limonadenkonzept in den nächsten Quartalen?

Schwegmann:
Wir haben es mit Mio Mio erstmalig geschafft, mit einem unserer alkoholfreien Getränke weit über die Grenzen unseres Kernvertriebsgebietes hinaus vertreten zu sein. Hier gilt es nun im nächsten Schritt, unsere Außendienstaktivitäten zu intensivieren und das Vertriebsteam zu verstärken. Mio Mio trifft genau den Nerv der Zeit, insofern sind wir überzeugt, hier auch zukünftig anhaltend hohe Wachstumsraten generieren zu können.

www.4investors.de: Sehen Sie nun grundsätzlich Korrekturbedarf an der strategischen Grundausrichtung der Berentzen-Gruppe?

Schwegmann:
Grundsätzlich stimmt die Strategie des Konzerns. Natürlich müssen immer wieder einzelne Stellschrauben nachjustiert werden. Wir orientieren unser Handeln ja am Verbraucherverhalten und damit einhergehenden Wachstumspotenzialen. Das entwickelt sich erfahrungsgemäß immer sehr dynamisch. Intern beschäftigen wir uns daher gerade sehr intensiv mit der Frage nach zukünftigen Verbrauchertrends in Bezug auf Trinkverhalten, Geschmackswünsche, Konsumanlässe, etc. Wenn wir hier sehen, dass Handlungsbedarf besteht, werden wir selbstverständlich entsprechende Anpassungen vornehmen. Aber nochmal: Die Strategie stimmt, es geht eher um operative Exzellenz und um die Reaktionsgeschwindigkeit.

www.4investors.de: Die Aktie der Berentzen-Gruppe hat nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen rund 16 Prozent an Wert verloren, seit dem Jahreshöchststand bei 12,98 Euro steht gar ein Rückgang von rund 30 Prozent zu Buche. Haben Sie mit einer derartigen Reaktion der Anleger gerechnet?

Schwegmann:
Mit einer solchen Reaktion konnten wir nicht rechnen. Wir hatten Wachstum zu verzeichnen und das über alle Segmente hinweg. Wir haben also als Konzern ein besseres Ergebnis erzielt als in den ersten sechs Monaten 2016. Und letztlich geht es um den Erfolg als Konzern in der Summe aller seiner Teile. Es ist gerade Teil unserer Strategie, auf ein breites Portfolio zu setzen. Natürlich bei den Produkten, aber auch bei den Geschäftsbereichen als solche. Denn wenn das Wachstum in einem Segment einmal geringer ausfällt als erwartet, kann das evtl. durch überproportionale Steigerungen in den anderen Geschäftsbereichen wieder ausgeglichen werden. Vielleicht hatten wir diesen Aspekt zu wenig kommuniziert und der Kapitalmarkt hat jetzt auf das etwas schwächere Abschneiden eines Segments reagiert. Tatsächlich hat die Strategie aber funktioniert, wir haben als Konzern wiederum eine positive Entwicklung genommen.

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