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Aktueller Bericht

SHW: Der Weg führt nach China und Brasilien

04.06.2012 (www.4investors.de) - Die Umsatzprognose von SHW erscheint nach den jüngsten Zahlen konservativ. Im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de macht Finanzvorstand Oliver Albrecht deutlich, dass es mit den kommenden Zahlen zu einer Konkretisierung kommen wird. Der CFO gibt zugleich einen Ausblick auf 2015, die Chance auf Akquisitionen wird ebenfalls erörtert. Auch der mögliche Aufstieg in den SDAX ist Thema des Interviews mit Albrecht.


www.4investors.de: Autobauer wie Volkswagen sprechen von einem schwierigen Marktumfeld. Wie gestaltet sich dies aus ihrer Sicht?

Albrecht: Die für uns momentan relevanten Märkte – insbesondere Europa und Nordamerika – entwickeln sich in diesem Jahr unterschiedlich. Während die Experten von PwC Autofacts – Stand April 2012 – für Nordamerika bei den Produktionszahlen für sog. Light Vehicles (Fahrzeuge < 6 t) mit einem Anstieg von 9,4 Prozent auf 14,3 Millionen Einheiten ausgehen, rechnen diese für Europa mit einem Rückgang von 2 Prozent auf 16,5 Millionen Fahrzeuge. Dabei erwartet PwC Autofacts für Frankreich und Spanien recht deutliche Produktionsrückgänge in der Größenordnung von 7 bzw. 15 Prozent, für Deutschland nahezu unveränderte Produktionszahlen.

Der Großteil unserer Kunden hat zwar ihren Firmensitz in Europa, die wichtigsten davon sind jedoch global tätige Fahrzeughersteller. An diese liefern wir unsere Pumpen und Motorkomponenten sowie Bremsscheiben, die dann in nicht unerheblichem Umfang in Fahrzeuge für den Export verbaut werden. Dadurch sind wir indirekt auch in Asien und Nordamerika gut im Geschäft. Umgekehrt kommt uns derzeit entgegen, dass die auf Europa fokussierten Volumenhersteller wie Fiat, Renault und Opel nicht zu unseren größeren Kunden zählen. Von der positiven Entwicklung in Nordamerika profitiert darüber hinaus unser kanadisches Joint Venture STT unmittelbar, welches im ersten Quartal 2012 seinen Umsatz um 51 Prozent auf etwa 15 Millionen Euro steigern konnte.

www.4investors.de: In der Autobranche spielt der chinesische Markt eine immer wichtigere Rolle. Wie geht SHW mit dieser Entwicklung um und was sind ihre Pläne im Geschäft außerhalb Europas?

Albrecht: In den letzten zehn Jahren hat sich der chinesische Automobilmarkt zum Größten der Welt entwickelt. Für die kommenden Jahre bis 2016 rechnen die PwC-Experten mit einem durchschnittlichen jährlichen Produktionswachstum von etwa 12 Prozent. Gleichzeitig werden in immer stärkerem Maße Motorplattformen als sogenannte Weltmotoren konzipiert und in mehreren Regionen gleichzeitig gefertigt.

Diesem Trend tragen wir dadurch Rechnung, indem wir im Rahmen unserer Internationalisierungsstrategie in den Wachstumsregionen China und Brasilien eigene Produktionskapazitäten aufbauen werden. In China haben wir Mitte 2011 die Produktionslizenz für eine 100-prozentige Tochtergesellschaft erhalten. Ein Gebäude ist angemietet und die Produktionshalle wird gerade eingerichtet.

Im Brasilien haben wir vor kurzem einen größeren Auftrag von der Firma Ford erhalten. Nach dem aktuellen Stand der Planungen werden wir voraussichtlich im nächsten Jahr die Produktion aufnehmen.

Lassen sie mich in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir Neuaufträge auch an diesen Standorten nur dann annehmen, wenn sie über die Vertragslaufzeit entsprechende Projektrenditen erwarten lassen.

www.4investors.de: Welche Planungen hat SHW, was Umsatz und Ertrag angeht, für die kommenden Jahre?

Albrecht: Auf der Grundlage unseres innovativen Produktportfolios, das auf die Reduzierung von CO2-Emission ausgerichtet ist, wollen wir in der Zukunft stärker als der zugrunde liegende Fahrzeugmarkt wachsen. Für die globale Automobilproduktion geht PwC Autofacts bis 2016 von einer jährlichen Wachstumsrate von etwas mehr als 6 Prozent aus. Sofern es zu keinen makroökonomisch induzierten Verwerfungen infolge der Staatsschuldenkrise – insbesondere in Europa und einem damit verbundenen Rückgang der Automobilnachfrage – kommen sollte, halten wir es für möglich, bis 2015 ein Umsatzvolumen von etwa 500 Millionen Euro zu erreichen.

www.4investors.de: Haben sie Zukäufe im Auge? Wenn ja, woran ist SHW besonders interessiert?

Albrecht: Unser primäres Ziel ist organisches Wachstum, aber wir möchten auch den anhaltenden Konsolidierungsprozess im Bereich Motoren- und Getriebekomponenten aktiv mitgestalten, um unsere Marktposition in ausgesuchten Geschäftsfeldern bzw. Regionen auszubauen. Bei Akquisitionen setzen wir strenge Kriterien an. Dabei haben für uns der strategische Fit und der Kaufpreis eine hohe Bedeutung, ebenso wie die vom potenziellen Übernahmekandidaten nachhaltig erzielbare EBIT-Marge bzw. der ROCE.

www.4investors.de: Nach einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro im ersten Quartal mit Auftragsverschiebungen im Bereich Bremsscheiben scheint die Umsatzprognose von 360 bis 390 Millionen Euro zumindest am unteren Ende konservativ. Ist sie das?

Albrecht: Die Umsatzentwicklung im ersten Quartal 2012 mit etwas mehr als 100 Millionen Euro war in der Tat sehr erfreulich. Anlässlich der Veröffentlichung unseres Q1-Berichts haben wir angekündigt, dass eine Konkretisierung der Prognose für das Gesamtjahr mit dem Halbjahresfinanzbericht erfolgen wird.

www.4investors.de: Wurden die verschobenen Bremsscheiben-Aufträge für Audi und Maserati mittlerweile nachgeholt, oder soll dies im Laufe dieses Quartals noch erfolgen?

Albrecht: Der Anlauf der Modelle hat sich beim Kunden verzögert. Insofern werden wir den geplanten Umsatz auch erst zeitverzögert realisieren.

www.4investors.de: Die Bremsscheiben-Sparte ist vergleichsweise margenschwach. Was hat sie bislang von einer Trennung abgehalten? Mit den anderen Bereichen verbindet diese Sparte doch keine wesentlichen Synergieeffekte.

Albrecht: Richtig ist, dass es zwischen den beiden Geschäftsbereichen keine wesentlichen Synergien gibt. Mit dem Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahrs sind wir sicherlich nicht zufrieden. Die Preissteigerungen bei Koks sowie die Anlaufkosten einer neuen Produktionsanlage haben uns dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Unser primäres Ziel ist, durch Verbesserungen im Produktmix und mit Kostensenkungs- und Optimierungsmaßnahmen die Marge nachhaltig weiter zu verbessern.

Diesbezüglich sehen wir uns auf einem guten Weg. Über die strategische Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs Bremsscheiben werden wir dann zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden.

www.4investors.de: SHW hat Teuerungszuschläge für Koks mit Kunden nachverhandelt. Wie stark macht sich dies in der Ergebnisrechnung bemerkbar?

Albrecht: Die Teuerungszuschläge werden in regelmäßigen Abständen neu angepasst und dienen dazu, die Belastung aus der Kokspreissteigerung auszugleichen.

www.4investors.de: Die Aktie von SHW gehört eher zu den unbekannten Titeln des deutschen Aktienmarktes. Welche Fehler machen sie möglicherweise in ihrer Kommunikation?

Albrecht: Die SHW ist erst seit einem knappen Jahr börsennotiert. Seit dem Börsengang haben wir kontinuierlich das Gespräch zu Analysten und Investoren sowie Medienvertretern gesucht. Aktuell werden wir von fünf Banken und Analysehäusern beobachtet. Das ist für ein Nicht-Indexunternehmen eine sehr beachtliche Anzahl. Weitere Banken haben ihr Interesse bekundet, in den kommenden Monaten die Coverage aufzunehmen. Wir nehmen regelmäßig an Investorenkonferenzen und Roadshows im In- und Ausland teil, um Investoren über die aktuelle Entwicklung und die Perspektiven des Unternehmens zu informieren und uns deren Fragen zu stellen. Darüber hinaus ist es uns gelungen, dass die Finanzpresse auf breiter Basis über unser Unternehmen und unsere Aktie berichtet. Insofern arbeiten wir jeden Tag mit Erfolg daran, die SHW AG bekannter zu machen.

www.4investors.de: Wagen sie eine Prognose: Schafft die SHW-Aktie den Sprung in den SDAX und wann kann es soweit sein?

Albrecht: Unser Ziel ist es natürlich, in den SDAX zu kommen. Wann dies geschieht, muss man abwarten. Fakt ist: Die sehr erfreuliche Entwicklung unseres Aktienkurses hat sich entsprechend in den Index-Ranglisten der Deutsche Börse niedergeschlagen. Hinsichtlich der Free Float Marktkapitalisierung liegen wir in der gemeinsamen MDAX/SDAX-Rangliste (100 Unternehmen) per 30. April 2012 auf Platz 113, hinsichtlich des Handelsvolumens sogar auf Platz 98.

Ein Titel ist "formaler Aufnahmekandidat" für die reguläre, quartalsweise Überprüfung der SDAX-Zusammensetzung, wenn er auf der MDAX/SDAX-Liste in beiden Rankings mindestens auf Position 110 (oder besser) steht.

Die SHW gehört mit den aktuellen Rankings von 113 / 98 zum erweiterten Kreis der SDAX-Aufnahmekandidaten. Mit einer Aufnahme in den SDAX dürfte sich dann auch das Interesse von Fondsgesellschaften nochmals deutlich vergrößern.

( Autor: mic )


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