Aktueller Bericht
Ströer: Rote Karte für Frankreich07.07.2010 - Kurz vor dem geplanten Börsengang von Ströer spricht Vorstand Udo Müller gegenüber unserer Redaktion über die künftigen Wachstumspläne. Er gibt ein erstes Feedback von der laufenden Roadshow und redet über mögliche Akquisitionen. Dividendenzahlungen erteilt er keine kategorische Absage.
www.4investors.de: Sie sind derzeit auf großer Roadshow, angeblich wollen sie mehr als 100 Investoren treffen. Welches Feedback gab es bisher? Und welche Rolle spielen Privatinvestoren bei den IPO-Plänen?
Müller: Das bisherige Feedback von potenziellen Investoren ist ausgesprochen positiv. Wie seit Jahren bei deutschen Börsengängen zu beobachten, erwarten wir auch für die Ströer AG, dass die Nachfrage nach unseren Aktien ganz überwiegend von institutionellen Investoren getragen wird. Gleichwohl stellen unsere IPO-Pläne nicht auf eine bestimmte Größe an Retail-Nachfrage ab. Mit der Commerzbank und der WestLB, die das Netzwerk der Sparkassen einschließt, haben wir zwei Häuser mit großem Filialnetzwerk in unserem Konsortium. Wir stehen interessierten Privatanlegern somit offen gegenüber.
www.4investors.de: Künftigen Dividenden erteilen sie zunächst eine Abfuhr. Ihr Gewinn soll reinvestiert werden. Wo sind Investitionen lohnend, im Bereich Akquisitionen, in der Eröffnung neuer Standorte, bei neuen Techniken?
Müller: Dividendenzahlungen schließen wir nicht kategorisch aus. Aber aktuell liegt unser Fokus auf den Wachstumsmöglichkeiten, die sich uns ganz konkret bieten. Hierzu zählen die Anteilserhöhung an unserem türkischen Joint Venture Ströer Kentvizyon und die Übernahme des polnischen Außenwerbers News Outdoor Poland. Darüber hinaus investieren wir in neue, innovative Produkte, allen voran in die Markteinführung des „Outdoor Channel“ und des „Scroller 5000 Premium Billboard“. Beim „Outdoor Channel“ handelt es sich um ein nationales Netzwerk freistehender digitaler Werbeträger zur Darstellung von Bewegtbildern, der im Indoor-Bereich zum Einsatz kommen soll. „Scroller 5000 Premium Billboard“ ist ein Produkt mit Wechsler-Technik, in dem großflächige Plakate in Glasvitrinen von hinten beleuchtet werden. Dieser Werbeträger soll hauptsächlich an Verkehrsknotenpunkten eingesetzt werden.
www.4investors.de: Neben Deutschland liegt Ihr Fokus vor allem auf Polen und der Türkei. In welchen weiteren Ländern wollen sie mittelfristig aktiv auftreten?
Müller: Außenwerbung ist ein nationales Geschäft, das heißt jedes Land ist individuell zu betrachten. Synergie-Effekte zwischen den einzelnen Märkten sind gering. Wir konzentrieren uns auf Märkte, bei denen wir der Meinung sind, eine marktführende Position erreichen zu können. Höchste Priorität haben dabei zunächst unsere Kernmärkte Deutschland, Türkei und Polen. Darüber hinaus sind wir über unser Riesenpostergeschäft blowUP media auch in Großbritannien, Spanien, Belgien und den Niederlanden tätig. Konkrete Pläne für den Eintritt in andere Länder bestehen derzeit nicht.
www.4investors.de: Welche Umsatzanteile streben Sie in der Türkei und Polen an? Derzeit liegen diese dort bei 7 bzw. 6 Prozent ihres Gesamtumsatzes.
Müller: Wir versprechen uns ein hohes Wachstumspotenzial in der Türkei und in Polen, beide Länder gehören zu den größten Wachstumsmärkten in Zentral- und Osteuropa. Wie hoch der Anteil am Gesamtumsatz ausfallen wird, dürfen wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht konkretisieren. Durch unsere Anteilserhöhung an Ströer Kentvizyon und die Akquisition von News Outdoor Poland wird sich der Anteil des Geschäfts in diesen beiden Ländern an unserem Gruppenumsatz jedoch spürbar erhöhen.
www.4investors.de: Mit ihrem Engagement in der Türkei und in Polen sind sie abhängig vom Kurs der dortigen Währungen. Welche Schutzmechanismen gibt es, damit sie Währungsschwankungen ausgleichen können?
Müller: Gegenwärtig sichern wir uns nicht gegen Währungsschwankungen ab. Dies ist aber in der Regel auch nicht notwendig: Wir erzielen nicht nur unsere Einnahmen in lokaler Währung, sondern haben auch den Großteil unserer Ausgaben in lokaler Währung. Insofern treffen uns Währungsschwankungen nicht so stark wie beispielsweise Unternehmen, die ihre Produkte in einem anderen Währungsraum verkaufen als demjenigen, in dem sie produzieren.
www.4investors.de: Aus Frankreich haben sie sich einst auch wegen des Wettbewerbers JC Decaux zurückgezogen. Bietet das frische Kapital hier neue Chancen?
Müller: Frankreich ist eine Außenwerbemarkt, der bereits vollständig konsolidiert ist, und in konsolidierten Märkten sind die Markteintrittsbarrieren hoch. Wir konzentrieren uns eher auf Märkte, bei denen wir der Meinung sind, eine marktführende Position erreichen zu können. Die Wachstumsmärkte Türkei und Polen sind hierfür ein gutes Beispiel.
www.4investors.de: Würden sie neue Großaktionäre begrüßen oder soll der Streubesitz wirklich weit gestreut sein?
Müller: Wir begrüßen langfristig orientierte Anleger, die von unserem Wachstumspotenzial genauso überzeugt sind, wie wir selbst. Ziel unseres Börsengangs ist eine breit gestreute Aktionärsbasis.
www.4investors.de: Sie wollen 275 Millionen Euro brutto in die Kasse bekommen, entsprechend wird eine gewisse Anzahl an Aktien veräußert werden. Das ist ein etwas ungewöhnlicher Weg. Ebnet er gleichzeitig die Möglichkeit für spätere, weitere Kapitalerhöhungen oder warum agieren sie in dieser Form?
Müller: Wir haben die Verwendung dieser neuen Eigenmittel in unserem Börsenprospekt ausführlich beschrieben, was von Seiten des Kapitalmarkts sehr begrüßt wird. Wir wollen damit in die bereits genannten Akquisitionen in der Türkei und in Polen und in andere attraktive Wachstumsprojekte investieren. Daneben optimieren wir unsere Kapitalstruktur und erhöhen unsere finanzielle Flexibilität. Die gewählte Emissionsstruktur, die im europäischen Ausland nicht unüblich ist, fixiert den Bruttomittelzufluss aus der Kapitalerhöhung im Rahmen des IPO und stellt so sicher, dass die geplante Mittelverwendung finanzierbar ist. Auch dies wird von institutionellen Investoren begrüßt. Zukünftige Kapitalmaßnahmen haben bei der Gestaltung unseres Börsengangs keine Rolle gespielt und sind derzeit auch nicht Teil unserer Planung.
www.4investors.de: In der Risikoauflistung betonen sie, dass es aufgrund jüngster Entscheidungen der deutschen Steuerbehörden möglich sein könnte, dass die steuerliche Absetzbarkeit ihrer Zinsaufwendungen für Gewerbe- und Körperschaftssteuern von den Steuerbehörden nicht akzeptiert wird. Von welchen Summen reden wir hier? Wie hoch ist das finanzielle Risiko?
Müller: Der angesprochene Risikofaktor aus unserem Börsenprospekt bezieht sich allgemein auf einige jüngere Entscheidungen der deutschen Steuerbehörden zum Betriebsausgaben¬abzug von Zinsauf¬wendungen. Diese Entscheidungen stehen nicht in einem konkreten Zusammenhang mit unserem Unternehmen. Ob und in welcher Höhe eine Absetzbarkeit für Ströer in Frage gestellt oder nicht akzeptiert werden könnte, lässt sich nicht prognostizieren. Darüber hinaus bitten wir Sie um Verständnis, dass wir zu künftigen Ergebnisentwicklungen derzeit keine Aussagen treffen dürfen.
www.4investors.de: Sie haben vor einigen Jahren die Deutsche Städte Medien gekauft, die damals doppelt so groß war wie ihr Unternehmen. Würden sie ein solches Risiko als börsennotiertes Unternehmen noch einmal eingehen?
Müller: Die Akquisitionen der Deutsche Städte Medien und der Deutschen Eisenbahn Reklame waren sehr erfolgreiche Schritte für uns. Nach Deutschland und der Türkei erwarten wir durch den Zukauf in Polen, auch dort nach Nettoumsatzerlösen die Nr. 1 Position zu erreichen. Unsere weitere Wachstumsstrategie haben wir klar definiert. Sollten sich darüber hinaus neue Wachstumschancen ergeben, werden wir diese kritisch prüfen und sie nur realisieren, wenn wir der Überzeugung sind, dass sie einen nachhaltigen Mehrwert für unser Unternehmen bringen.
www.4investors.de: Welche neuen Formen der Werbung wollen sie künftig am Markt implementieren?
Müller: Wir erwarten, dass die Außenwerbung für Werbetreibende weiter an Attraktivität gewinnen wird und richten unsere Produktinnovation daran aus. Zwei konkrete Innovationen haben wir bereits angekündigt: Mit dem „Outdoor Channel“ wollen wir ein nationales Netzwerk freistehender digitaler Werbeträger für Bewegtbilder im Indoor-Bereich etablieren, das in dieser Form bislang nicht existiert. Im Rahmen unseres Projekts „Scroller 5000 Premium Billboard“ planen wir die Einführung hochwertiger Plakatwerbeträger im Großflächenformat mit Wechslertechnik in von hinten beleuchteten Glasvitrinen. Diese Produkte sollen hauptsächlich an attraktiven und stark nachgefragten Standorten, wie z.B. Verkehrsknotenpunkten, zum Einsatz kommen.
( js )
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