02.07.2010 - Der anstehende Börsengang von Chamartin Meermann (CMI) aus Berlin ist spannend. Das Unternehmen agiert in der gehobenen Immobilienbranche. Spätestens seit dem zunächst
gescheiterten Börsengang von GSW im Mai ist diese Branche ein nicht immer sicheres Pflaster für IPO-Kandidaten.
CMI bezeichnet sich selber als den Immobilienentwickler mit dem größten Projektvolumen in Berlin. Man habe ein Projektvolumen von rund 600 Millionen Euro, die zu entwickelnde Fläche liegt bei rund 200.000 Quadratmetern. Untermauert wird dies mit Kunden wie Steigenberger und Sheraton. Auch die Adressen der verwirklichten Wohnprojekte sind meist erstklassig. Häufig tauchen Adressen in Berlin-Mitte in der Referenzliste auf.
Andererseits weist das Börsenprospekt auf eine Reihe von Risiken hin, die mögliche Investoren bei ihrer Entscheidung nicht unberücksichtigt lassen sollten. So schreiben die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner beim Konzernabschluss 2009, dass der Fortbestand des Konzerns von der Aufrechterhaltung und der Verlängerung der im Geschäftsjahr 2010 auslaufenden Kredite abhängig ist. Derzeit ist jedoch nicht bekannt, wie weit die Verhandlungen mit den Banken gediehen sind. Allerdings hat das Unternehmen selber mitgeteilt, dass man mit einem Teil des frischen Geldes die Eigenkapitalbasis stützen will.
Bekannt ist dagegen, dass CMI bis Ende Juli ein Darlehen von 5 Millionen Euro zurückzahlen muss. Insgesamt belaufen sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten, die innerhalb eines Jahres fällig sind, auf 90 Millionen Euro. Ende 2009 betrugen die liquiden Mittel rund 7,6 Millionen Euro, zum Zeitpunkt der Prospekterstellung verfügte CMI nach eigenen Angaben über rund 3 Millionen Euro an liquiden Mitteln.
Gleichzeitig positiv und negativ ist, dass die Berliner ausgerechnet in der heißen Phase des IPO ein Objekt im polnischen Posen
verkauft haben. Dies zeigt einerseits, dass sie ihr Geschäft verstehen und wie es das Geschäftsmodell vorsieht, fertig gestellte Immobilien an den Mann bringen. Andererseits wird nicht bekannt, wie hoch der Verkaufspreis ist. Dies wird nur sehr allgemein und im Zusammenhang mit einem weiteren Verkauf angedeutet. Dies wiederum erschwert die Bewertung der Transaktion.
Große Unstimmigkeiten gibt es bei der Projektgesellschaft MI Nr. 20. Hier könnten Rechtsstreitigkeiten drohen, die finanziellen Folgen sind noch unklar. Für diese Gesellschaft hat CMI im April eine Patronatserklärung abgegeben, nachdem dort eine Überschuldung festgestellt worden ist.
Ein weiteres Risiko beim Börsengang sind fehlende behördliche Zulassungen nach der Gewerbeordnung bei einigen Projektgesellschaften. Dies könnte, so ist im Wertpapierprospekt zu lesen, zu Bußgeldern und zur Unwirksamkeit zivilrechtlicher Bauträgerverträge führen.
Investoren werden durch ihren möglichen Zeichnungsauftrag zu erkennen geben, ob die Chancen die Risiken letztlich überwiegen. Leider hat die Unternehmensspitze die entsprechenden Fragen bisher nicht beantwortet. Spätestens am 7. Juli, dem anvisierten Tag der Erstnotiz, macht der Markt deutlich, wie erfolgreich der Börsengang von CMI sein wird.
Mehr Informationen zum Börsengang von CMI erhalten Sie
hier.
( js )