Aktueller Bericht
Tonkens Agrar befürwortet Einstellung der EU-Prämienzahlungen29.06.2010 - Am 7. Juli kommt das Agraruntennehmen Tonkens Agrar an die Börse. Im Vorfeld spricht Vorstandschef Gerrit Tonkens über seine künftigen Pläne. Diese reichen von der Milchproduktion über die Hähnchenmast bis zur Biogasproduktion. Hohe Margen verspricht er sich von Veredelungsprozessen.
www.4investors.de: Wie wichtig sind die EU-Subventionen für Tonkens Agrar? Immerhin haben sie 2009 rund 0,4 Millionen Euro erhalten.
Tonkens: Bei Umsatzerlösen von 19,9 Millionen Euro entsprechen die 0,4 Millionen Euro lediglich ca. 2 Prozent der Umsatzerlöse. Die EU-Betriebsprämien sind somit weniger bedeutend für uns.
www.4investors.de: Sie wollen weiter wachsen. Dabei scheint auch eine Expansion ins Ausland nicht ganz ausgeschlossen. Welche Ziele haben sie dabei vor Augen?
Tonkens: Gegenwärtig bestehen keine Pläne, ins Ausland zu expandieren.
www.4investors.de: Betriebsübernahmen stehen bei ihnen auf dem Programm. An welche Betriebsgrößen und Investitionssummen denken sie dabei?
Tonkens: Aktuell schauen wir uns nicht aktiv nach Betriebsübernahmen um. Falls sich einmal eine Möglichkeit ergeben sollte, werden wir uns natürlich mit dem Thema beschäftigen. Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass Betriebsübernahmen nur an den Standorten vorstellbar sind, an den wir bereits heute aktiv sind.
www.4investors.de: Einen Großteil ihrer Ackerflächen haben sie nur gepachtet. Ist das wirtschaftlich sinnvoll?
Tonkens: Pachtflächen sind im Vergleich zu Eigentumsflächen an unseren Standorten deutlich wirtschaftlicher zu bewirtschaften.
www.4investors.de: Momentan bewirtschaften sie 3.000 Hektar Land. Welches Ziel setzen sie sich für 2011?
Tonkens: Das Ziel, die Flächenstruktur zu erweitern, kann heute noch nicht auf den letzten Hektar festgelegt werden. Hauptziel ist jedoch, die Flächen um die heutigen Standorte zu wirtschaftlich vernünftigen Preisen zu erweitern. Entscheidend wird das Flächenangebot an den einzelnen Standorten sein.
www.4investors.de: Wäre für sie ein biologischer Anbau oder ein genveränderter Anbau eine Alternative zu den bisher konventionellen Anbaumethoden?
Tonkens: Gegenwärtig kommt ein biologischer Anbau nicht in Frage. Genveränderter Anbau kommt für uns überhaupt nicht in Betracht.
www.4investors.de: Bleibt es bei einem Vorstand oder werden sie einen weiteren Manager in den Vorstand berufen?
Tonkens: Die Bestellung eines Vorstandsmitgliedes obliegt ja grundsätzlich dem Aufsichtsrat. Allerdings ist es denkbar, bei weiterem Wachstum ein weiteres Vorstandsmitglied zu bestellen.
www.4investors.de: Viele Bauern klagen bei der Milchproduktion über die geringen Preise. Ab welchem Preis können sie profitabel Milch erzeugen?
Tonkens: Entscheiden ist die produzierte Milchmenge und die darauf entfallenden Kosten, insbesondere die Futterkosten. Gegenwärtig betragen die Produktionskosten 23 bis 23,5 ct/kg Milch.
www.4investors.de: Sie wollen künftig auch im Bereich Hähnchenmast einsteigen. Dort werden jedoch erst 2011 oder 2012 Umsätze fließen. Mit welchen Investitionen ist bis dahin dort zu rechnen?
Tonkens: Noch haben wir keine Genehmigung von den Behörden. Sobald diese vorliegt, können wir uns die Hähnchenmast an zwei Standorten vorstellen. Für die insgesamt geplanten 650.000 Masthähnchenplätze sind Investitionskosten im oberen einstelligen Millionenbereich realistisch.
www.4investors.de: Welche Investitionen müssen sie 2010 und 2011 tätigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Tonkens: Die Wettbewerbsfähigkeit ist auch ohne weitere Investitionen gegeben.
www.4investors.de: Die Veredelung von Kartoffeln und Zwiebeln bringt mehr Geld als der eigentliche Anbau. Werden sie daher dort die Arbeiten intensivieren?
Tonkens: Um die Margen wesentlich verbessern zu können, sind die Ausweitung der Verarbeitungskapazitäten durch Errichtung einer neuen Schäl- und Abpacklinie für Kartoffeln und Zwiebeln sowie einer zusätzlichen Trocknungsanlage für Zwiebeln geplant.
www.4investors.de: Ab 2013 sind ihre Prämienzahlungen aus Brüssel unsicher. Wo liegt bei ihnen die Schmerzgrenze, welchen Prämienrückgänge können sie verkraften?
Tonkens: Wir befürworten die komplette Einstellung der EU-Prämienzahlungen. Wir würden dadurch eine bessere Marktwirkung auf die Preise erwarten und von einer gestärkten Marktposition ausgehen.
www.4investors.de: Ihr Umsatz stagnierte zuletzt, die Margen gehen sogar klar zurück. Sie erklären dies mit niedrigeren Preisen für Milch und Kartoffeln bei gleichzeitig höheren Pachtkosten. Welche Möglichkeiten haben sie, dem entgegenzusteuern?
Tonkens: Die Auszahlungspreise für die einzelnen Produkte sind durch uns wenig beeinflussbar. Die Margen können durch unseren direkten Einfluss durch weitere Optimierungen auf der Kostenseite verbessert werden. Allein die Futterkosten in der Milchproduktion konnten wir in den vergangenen Monaten von 17 auf 13 ct/kg deutlich reduzieren.
www.4investors.de: Ein hoher Kostenfaktor ist Kali. Der Kalipreis ist derzeit sehr niedrig, das wird nach Ansicht von Experten jedoch nicht so bleiben. Welche Relation gibt es zwischen Kalipreis und Gewinn bei ihnen?
Tonkens: Pro Jahr benötigen wir ca. 400 Tonnen Kali. Ein Anstieg der Kalipreise um 20 Euro/Tonne beeinflusst das Ergebnis um 80.000 Euro. Allerdings ist zu beachten, dass bei dem Einsatz der geplanten vier Biogasanlagen (2 MW) ein deutliches Einsparungspotenzial bei allen zugekauften Düngemitteln entstehen wird, da Reststoffe der Biogasanlage hochwertiger Dünger sind.
( js )
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