Aktueller Bericht
Euro Asia: Auslandsnotierung bringt Reputationsgewinn21.05.2010 - Mit Euro Asia Premier Real Estate will in der kommenden Woche ein Unternehmen aus China an die Frankfurter Börse gehen. Vor dem anstehenden Börsengang erläutert Vorstand Patrick Chan der Redaktion von www.4investors.de, was sein Unternehmen für Investoren interessant macht. Er spricht über anstehende Projekte, Gewinnperspektiven und Verbindlichkeiten. Themen sind auch mögliche Zukäufe und die Wachstumspläne nach dem Börsengang.
www.4investors.de: Der Börsengang der Immobiliengesellschaft GSW ist jüngst gescheitert. Dennoch gehen sie nun an den Markt. Was macht sie dabei so optimistisch, dass ihr Börsengang gelingt?
Chan: Nun, ich denke, wir haben für den deutschen Kapitalmarkt eine einmalige Story, welche für die Investoren sehr spannend sein sollte: Euro Asia ist ein Immobilienentwickler, der über ein hohes Eigenkapital, kaum Verbindlichkeiten und laufende Einnahmen verfügt. Wir haben vier fertige Objekte im Bestand und weitere fünf in der Entwicklung bzw. konkreten Planung. Darüber hinaus besitzen wir rund 450.000 Quadratmeter Fläche und haben durch unseren Joint Venture Partner SNI Zugriff auf ein Vielfaches davon. Und das alles in einer Region mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 10 Prozent in den letzten zehn Jahren. Das Tempo dürfte die chinesische Wirtschaft auch in den kommenden vier bis fünf Jahren halten. Obwohl unser Standort Weifang geographisch sehr günstig gelegen ist, liegen wir weit außerhalb des Fokus internationaler Immobilienfirmen und sind so von spekulativen getriebenen Preisentwicklungen wie in Beijing oder Shanghai verschont geblieben.
www.4investors.de: Ihr Streubesitz liegt nach einem erfolgreichen IPO bei unter 10 Prozent. Für Investoren ist dies nicht sonderlich attraktiv, da die Liquidität gering ist. Gibt es Pläne, dies zu verändern?
Chan: Für unser Unternehmen ist es wichtig, an der Börse gelistet zu sein. Wir gewinnen dadurch an Reputation gegenüber unseren regionalen Wettbewerbern. Das hilft uns auf dem Weg, die Nr. 1 in Weifang zu werden. Immerhin eine Region mit 8,5 Millionen Einwohnern. Unser Ziel ist es gleichzeitig, den europäischen Investoren zu zeigen, welches Potenzial in Euro Asia steckt. Wenn wir wie versprochen liefern, werden diese dann sicher auch Interesse an weiteren Kapitalrunden haben.
www.4investors.de: Sehen sie ihre Aktie als einen Dividendenwert an?
Chan: Wir sehen uns als einen Wachstumswert mit der Substanz eines Immobilienunternehmens. Wir agieren in einem relativ jungen Markt und sehen zunächst bessere Rendite-Chancen, wenn wir unsere Cash-flows in künftige Projekte investieren.
www.4investors.de: Welche Unterstützung erhalten sie in China von den dortigen lokalen und regionalen Behörden?
Chan: Der Kontakt zur regionalen Verwaltung ist extrem wichtig. Wir entwickeln nicht spekulativ, sondern bei existierendem Bedarf. In der Regel fordert die Verwaltung die führenden Unternehmen auf, für gewünschte Projekte ein Angebot abzugeben. Sowie bei unserem landwirtschaftlichen Trainingszentrum mit angeschlossenem Hotel. Aber auch in der Makro-Entwicklung spielt die Verwaltung eine wichtige Rolle. Es ist das erklärte Ziel, die Lebensqualität der Gesamtbevölkerung zu verbessern. Die Regierung fördert daher die Umsiedlung der Landbevölkerung in urbane Zentren wie Weifang. Das ist für den hiesigen Immobilienmarkt ein wichtiger Faktor.
www.4investors.de: Für verschiedene Projekte benötigen sie noch entsprechende Baugenehmigungen. Kann es dabei Probleme geben?
Chan: Da wir ja in der Regel Projekte in Kooperation mit den Behörden entwickeln, sollte das eigentlich nicht vorkommen. Die Zeitspanne von der Konzeption bis zur Fertigstellung ist mit 18 bis 24 Monaten deutlich schneller, als Sie das sicher in Deutschland gewöhnt sind.
www.4investors.de: Kommen sie in den Genuss von Steuervergünstigungen?
Chan: Nein, derzeit nicht. Aber es gibt andere Anreizsysteme der Verwaltung, von denen wir profitieren können.
www.4investors.de: Sie arbeiten operativ in China, ihr Hauptsitz ist auf den britischen Jungferninseln (BVI) und ihre Börsennotierung erfolgt in Deutschland. Warum sind sie derart international aufgestellt?
Chan: Für den Unternehmenssitz sind zum einen steuerliche Gründe ausschlaggebend, darüber hinaus ist es für die Investoren sicherlich vorteilhaft, wenn sich die Gesellschaft in einem europäischen Rechtssystem bewegt. Eine BVI-Konstruktion ist unter Immobilien-Entwicklern eine gebräuchliche Rechtsform. Für die Börsen in Shanghai, Hong Kong oder Singapur wäre Euro Asia zu klein, dort sind keine vergleichbaren Immobilienunternehmen gelistet. Eine Notierung im Ausland bedeutet zugleich einen erheblichen Reputationsgewinn für ein chinesisches Unternehmen. Die Deutsche Börse AG bemüht sich sehr, chinesische Unternehmen nach Frankfurt zu bringen. Die Konditionen sind aus unserer Sicht attraktiver als an anderen Standorten. Nicht zuletzt gibt es eine enge historische Verbindung zwischen Deutschland und der Provinz Shandong, die vor rund 100 Jahren deutsche Konzession war. Diese Verbindung lebt heute in vielen wirtschaftlichen Punkten fort.
www.4investors.de: Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf Weifang. Wird sich dies künftig ändern?
Chan: In den nächsten vier bis fünf Jahren eher nicht. Wir haben so viele Flächen, die wir in Weifang entwickeln können, dass wir hier genug Potenzial haben. Sollten wir einen Marktanteil von 40 Prozent erreichen, würden wir unseren Fokus jedoch erweitern.
www.4investors.de: Ende 2014 laufen die Mietverträge von vier Immobilien, die derzeit in ihrem Portfolio sind und jährlich rund 2 Millionen Euro Mieteinnahmen bringen, aus. Wollen sie die Gebäude danach verkaufen?
Chan: Wir sehen nach Ablauf der Mietverträge zum Teil erhebliches Mietsteigerungspotenzial, wir werden diese deshalb nicht zwingend verkaufen. Ob wir verkaufen oder nicht, hängt letztlich immer von der Abwägung zwischen laufender Rendite der bestehenden Objekte und potenzieller Rendite neuer Projekte und deren Finanzierungsbedarf ab.
www.4investors.de: Aktuell haben sie nicht genutzte Kreditlinien von rund 17 Millionen Euro. Damit könnten sie einige Investitionen tätigen. Es scheint jedoch so, dass sie bei ihrer Tätigkeit gar nicht auf Kredite setzen, sondern alles mit eigenen Mitteln finanzieren wollen. Täuscht dieser Eindruck?
Chan: Natürlich ist es unser Ziel, die Eigenkapitalrendite zu steigern. Wir werden daher die Fremdfinanzierung künftig stärker als Hebel einsetzen. Als öffentlich notiertes Unternehmen werden wir auch hier künftig deutlich bessere Voraussetzungen haben. In China müssen sie als Privatunternehmen Bargeld auf den Tisch legen. Auch das ist ein wichtiger Grund für unseren Börsengang.
www.4investors.de: Analysten erwarten, dass sie sowohl 2011 als auch 2012 einen Gewinn von rund 25 Millionen Euro machen. Beim Umsatz soll es in den kommenden beiden Jahren ebenfalls wenig Wachstum geben. Wo steckt dann die Attraktivität für ein Investment?
Chan: Die Prognosen von Umsatz und Gewinn zielen nur auf die aktuellen Projekte. Und für ein Unternehmen, das zum Börsengang mit 55 Millionen Euro bis 66 Millionen Euro bewertet wird, halten wir die genannte Zahl sogar für einen recht ordentlichen Gewinn. Was die Analysten noch nicht in ihrer Kalkulation berücksichtigt haben, ist das Potenzial, das in den zur Entwicklung bereit stehenden Flächen steckt. 450.000 Quadratmeter ist eine beachtliche Größenordnung. Der Aspekt, auf den Anleger in Immobilieaktien am meisten achten werden, ist jedoch, dass der Wert unseres bestehenden Portfolios sich durch Entwicklung der laufenden Projekte schnell vervierfachen kann, so ein unabhängiges Bewertungsgutachten.
www.4investors.de: Auf dem Immobilienmarkt in Weifang gibt es noch etwa zehn größere Mitbewerber. Planen sie dort Zukäufe, auch um ihren Marktanteil zu erhöhen?
Chan: Wir haben über unseren Joint Venture Partner SNI Zugriff auf ausreichend Fläche. Wir sind auf Zukäufe nicht angewiesen. Einen Zukauf würden wir nur machen, wenn wir durch den Erwerb einen einzigartigen Vorteil erreichen können.
( js )
|