Aktueller Bericht
Twintec reizt Bewertung nicht aus20.03.2007 - Vorstandschef Edmund Schnürer bringt Twintec am 22. März an die Börse. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über Umwelttechnologien und einen zu erwartenden Nachfrageschub. Strategische Entscheidungen beim IPO sind ebenso ein Thema wie künftige Einsatzgebiete seiner Produkte.
www.4investors.de: Sie stellen Rußfilter und Katalysatoren her, um den Schadstoffausstoß bei Kraftwagen zu verringern. Andere setzen auf Additive zur Schadstoffreduktion, die man zum Beispiel dem Kraftstoff beimischt. Was ist besser, wo liegt die Zukunft?
Schnürer: Sofern Sie die so genannten „Fuel Born Catalysts“, FBC ansprechen, wird unter anderem Platin dem Kraftstoff als Additiv beigemischt. Das Edelmetall soll dabei mit den Schadstoffen reagieren. Die in der Literatur bekannten Systeme werden jedoch nicht ausschließlich, sondern in Verbindung mit Katalysatoren bzw. Rußfiltern eingesetzt und sollen deren Wirkung unterstützen. Die Idee an sich ist hinlänglich bekannt, hat sich jedoch am Markt bisher nicht durchsetzen können, da möglicherweise der Nutzen zu gering ist. Uns ist nicht bekannt, dass Fahrzeughersteller mit solchen Systemen arbeiten bzw. dies zukünftig beabsichtigen.
www.4investors.de: Sie beliefern sieben Autohersteller mit ihren Produkten. Diese Branche ist sehr preissensibel. Merken sie das? Oder können sie gute Preise durchdrücken, da sie ein besonders wichtiges Produkt liefern? Wo ergeben sich für sie besonders gute Margen?
Schnürer: Wir haben ein breites Produktspektrum für die Abgasnachbehandlung, nicht nur für die besagten sieben Autohersteller. Zum einen handelt es sich um Ersatzteile, wie beispielsweise Austausch-Abgaskrümmer und -Katalysatoren, zum anderen um Lösungen zur Auf- oder Nachrüstung von Fahrzeugen auf bessere Emissionsstandards, z.B. ganz aktuell den Rußpartikelfilter. Mit dem TWINTEC-Rußfilterkat beliefern wir erstmals nicht nur den Fahrzeugteile-Großhandel und große Werkstattketten, also den so genannten After-Sales-Markt, sondern wir liefern unter anderem auch die Nachrüstlösungen für sieben namhafte Automobil-Hersteller. Diese z.T. in Zusammenarbeit mit den Herstellern entwickelten und von uns zertifizierten Systeme werden über deren Vertragshändler-Netz angeboten. Die Qualität unserer Arbeit, insbesondere unsere Engineering-Kompetenz und Flexibilität finden breite Anerkennung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt offensichtlich.
www.4investors.de: Ihr Umsatz lag zuletzt bei rund 45 Millionen Euro. Die Marktkapitalisierung kommt nach dem Börsengang auf 60 bis 65 Millionen Euro. Damit sind sie am Markt mit höchstens dem 1,45fachen Umsatz bewertet. Andere Unternehmen haben da ganz andere Zahlen aufzubieten. Verkaufen sie sich zu billig?
Schnürer: Unser Börsengang zeigt, dass der Kapitalmarkt nach wie vor an attraktiven Unternehmen und Geschäftsmodellen interessiert ist. Obwohl wir offensichtlich mit unseren Produkten den Nerv der Zeit treffen, haben wir von Beginn an die Strategie verfolgt, die Bewertung nicht auszureizen. Mittel- oder langfristig orientierte Anleger können davon profitieren, dass unsere Aktie vielfach als günstig bewertet wird. Gleichwohl schaffen wir mit dem Börsengang den finanziellen Spielraum, um unsere gute Marktposition weiter auszubauen. Die Anleger sollen sich mit uns wohl fühlen.
www.4investors.de: In welchen Industriezweigen soll ihr Know-how in der katalytischen Beschichtungstechnologie zukünftig auch eingesetzt werden? Was sind dort für Möglichkeiten vorhanden?
Schnürer: Katalysatoren kommen in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz: vom Block-Heizkraftwerk über fast jede Form von Verbrennungsmotor, seien es Schiffs-Diesel oder Motorsägen, ferner in stationären Anlagen wie in der Lebensmittelindustrie oder beispielsweise auch in katalytischen Brennern für gasbetriebene Lockenstäbe. Hauptanwendungsgebiet ist jedoch der Automotive-Sektor.
www.4investors.de: Rußpartikelfilter, wie von ihnen produziert, sollen bald nachträglich in viele Wagen eingebaut werden. Daher könnte es bei ihnen zu einem deutlichen Nachfrageschub kommen. Inwieweit sind sie darauf gerüstet? Wie groß sind die Kapazitäten und welche Planungen gibt es zur Expansion? Welche Wachstumsraten halten sie für realistisch?
Schnürer: Umweltverbände, Industrie und Politik erwarten, dass alleine in Deutschland von den rund neun Millionen filterlosen Pkw bis zu zwei Millionen nachgerüstet werden. Wir sind gut gerüstet und können mit den vorhandenen Kapazitäten flexibel auf den Nachfrageschub reagieren.
www.4investors.de: Ihre Hauptaktivitäten liegen in Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz, Italien und den Niederlanden. Gibt es weitere Expansionspläne?
Schnürer: Emissionsreduzierung ist ein weltweiter Trend. In Europa haben wir die EU-Luftqualitätsrichtlinie, die stufenweise die Standards für alle Mitgliedstaaten verschärft. Es ist also absehbar, dass immer mehr Länder etwas für die Umwelt tun müssen. Die Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen auf neuere Emissionsstandards hat sich als Mittel zur Reduzierung von Schadstoffen bewährt.
www.4investors.de: 2005 lag der Umsatz bei 36,7 Millionen Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 7,6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr erreichte der Umsatz 45,0 Millionen Euro, das Ergebnis reduzierte sich dagegen auf 4,8 Millionen Euro. Woran lag das?
Schnürer: Das Ergebnis 2006 hat sich vollkommen erwartungsgemäß entwickelt. Wir haben im Jahr 2006 mit dem Rußfilterkat eine ganz neue Produktpalette breitflächig im Markt eingeführt. Noch vor Beginn einer steuerlichen Förderung in Deutschland hat der Partikelfilter bereits die vergleichsweise kostengünstigeren und seit Jahren im Markt befindlichen Kaltlaufregler-Systeme als Hauptumsatzträger abgelöst.
Wir bilanzieren ferner nach deutschem HGB. Anders als nach den IFRS belasten unsere Forschungs- und Entwicklungskosten, unter anderem für die erhebliche Ausweitung des Rußfilter-Lieferprogramms, zur Gänze unsere laufende Erfolgsrechnung. Wir aktivieren also keine Entwicklungskosten.
Ferner haben wir zum Jahreswechsel 2006/2007 unsere Lagerbestände an Partikelfiltern massiv ausgebaut, um bei einer erhöhten Nachfrage die Lieferfähigkeit gewährleisten zu können. Diese wurden zu handelsrechtlichen Herstellungskosten aktiviert.
www.4investors.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!
( js )
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