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RZB: Tageskommentar 06. August 2012

06.08.2012 - Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB). Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Etablierte Markte:
Der Ausklang der vergangenen Woche verlief sowohl an den Märkten als auch im Hinblick auf die Datenveröffentlichungen erfreulich. Denn während EUR/USD deutlich zulegte, gingen die Renditeaufschläge (10J) Spaniens und Italiens zurück. Die größten Bewegungen waren jedoch am kurzen Ende der Renditekurve dieser beiden Länder zu beobachten, was besonders bei Spanien zu einer deutlichen Versteilerung der Kurve führte. Offenbar interpretierten manche Marktteilnehmer die Kommentare Draghis nun etwas positiver als noch am Vortag (Do), als die Enttäuschung über das Ausbleiben unmittelbarer Aktionen der EZB überwog. Beigetragen zum Höhenflug des Euro haben auch die überraschend gut ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. Denn nach drei schwachen Monaten in Folge legte die Beschäftigung im Juli wieder kräftig zu (+163 Tsd.). Insbesondere in der Privatwirtschaft stellten die Unternehmen wieder vermehrt ein (+172 Tsd.).

Unterdessen wird in Madrid nun nicht mehr kategorisch ausgeschlossen, ein Hilfsprogramm (Voraussetzung für Sekundärmarktinterventionen der EZB) zu beantragen. Der spanische Ministerpräsident Rajoy sagte am Freitag, eine Entscheidung könne erst nach Vorlage aller Details der geplanten Anleihenkäufe durch die EZB erfolgen.

In Griechenland, das am 20. August eine von der EZB gehaltene, fällig werdende Anleihe (EUR 3,2 Mrd.) bedienen muss, jedoch erst im September mit der nächsten Tranche aus dem Hilfspaket rechnen kann (positiver Evaluierungsbericht der Troika vorausgesetzt), wird die entstandene Lücke offenbar über die Begebung von Geldmarktpapieren überbrücken. Denn wie „Die Welt“ am Wochenende berichtete, habe der EZB-Rat am Donnerstag zugestimmt, dass der Maximalbetrag an Geldmarktpapieren, den griechische Banken bei der griechischen Notenbank im Rahmen der ELA hinterlegen dürfen, von EUR 3 Mrd. auf EUR 7 Mrd. angehoben wird. Nach Abzug von im August abreifenden Geldmarktpapieren (über EUR 2,6 Mrd.) könnte die griechische Regierung also mehr als EUR 4 Mrd. kurzfristig aufbringen.

Aktienmarkte:
Mit dem äußerst starken Freitag ging eine weitere freundliche Börsenwoche zu Ende. Europaische Aktien gemessen am breit gefassten Stoxx Europe 600 legten damit die neunte Woche in Folge zu. Vom Jahrestief von Anfang Juni stieg der Index um mehr als 13 % an. Auch an der Wall Street sorgten Entspannungstendenzen in der Staatsschuldenkrise und vor allem der starke Arbeitsmarktbericht für steigende Kursnotizen. In der Sektorentabelle hatten Finanztitel die Nase vorne. Unter den Tagesgewinnern zu finden waren aber auch die Sektoren Energie, Industrie und IT.

Japanische Aktien starteten angesichts der guten Vorgaben stark in die neue Handelswoche. Kräftig nach oben ging es u.a. bei Mazda Motor und Isuzu Motors. Nachrichten zufolge plant man hier seine Aktivitäten in Europa zu reduzieren. Futures-Indikationen deuten auf leicht steigende Kurse zu Handelsbeginn an Europas Borsen hin. Diese Woche sollte mangels konjunktureller Schwergewichte und der nun geringer werdenden Unternehmensberichte deutlich ruhiger verlaufen.

Emerging Markets:
Die chinesische Regulierungsbehörde veröffentlichte gestern einen Entwurf von Regeln, wonach börsennotierte Unternehmen 30 % der Löhne in Aktien auszahlen könnten. Arbeitnehmer müssten diese Aktien mindestens 36 Monate halten. Dies dürfte eine weitere Maßnahme sein, um den chinesischen Aktienmarkt zu stützen. In Brasilien dürften heute die Autoverkaufszahlen etwas Aufschluss über die Erholung der Industrie bieten. Asiatische Aktienmärkte notierten bis dato im Plus.

CEE:
Während die meisten CEE-Märkte aufgrund der neuesten Euphorie-Welle aus der Eurozone zu Wochenschluss verstärkte Nachfrage erfuhren, sorgten die Märkte in Serbien, Rumänien und Slowenien für Negativschlagzeilen. Der Abwertungsdruck auf den Dinar wird derzeit durch die mit dem Rücktritt von Notenbankgouverneur Soskic verbundenen Unsicherheiten verschärft, während in Rumänien die Unberechenbarkeit der Politik den Leu in Nähe seiner jüngsten Höchststände zurückkatapultierte. Das Verfassungsgericht in Bukarest kündigte an, sich zur Gültigkeit des Referendums 11 Tage früher als gestern angekündigt, am 1. September zu äußern. Die Rating-Herabstufungen Sloweniens durch Moody’s und S&P erreichten uns nicht unvorbereitet: Moody’s degradierte das Eurozonenmitglied um drei Stufen (von A2 auf Baa2), S&P um eine Stufe (von A+ auf A). Datenseitig erwartet uns heute die Industrieproduktion in Tschechien: Mit -4,6 % auf Jahresbasis sind wir am untersten Ende der Markterwartungen angesiedelt und möchten so der durch andere Vorlaufindikatoren bereits angedeuteten zunehmend rückläufigen Auslandsnachfrage Rechnung tragen. Abgesehen von den Inflationsdaten in Russland, Tschechien und Rumänien interessiert uns diese Woche vor allem, ob die aktuellen Hochs an den mitteleuropäischen Renten- und Devisenmärkten Bestand haben.

( Autor: extern )

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