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Commerzbank – Börsencompass: 2. August 2012

02.08.2012 - Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Konjunktur / Rentenmärkte
Die EZB hat für ihre heutige Ratssitzung hohe Erwartungen aufgebaut. Die Märkte spekulieren darauf, dass die EZB künftig eine größere Rolle in der Bekämpfung der Staatsschuldenkrise übernimmt. Während heute noch nicht mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet wird, erwarten die Marktteilnehmer aber die Wiederaufnahme von Staatsanleihenkäufen durch die EZB oder durch die EWU-Rettungsschirme EFSF und ESM, die möglicherweise eine Banklizenz erhalten sollen. In dieser Erwartungshaltung stiegen die Renditen der Bundesanleihen gestern kräftig an, obwohl der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Euroraum ggü. der ersten Schätzung leicht und ggü. dem Vormonat (44,0 nach 45,1 Punkten) deutlich nachgab. EZB-Chef Draghi muss heute etwas liefern, um die Märkte nicht zu enttäuschen. Möglich ist beispielsweise auch eine weitere Lockerung bei den Anforderungen an die Sicherheiten. So spannend wie heute war eine EZB-Ratssitzung schon lange nicht mehr. In den USA blieben die Daten gemischt. Während der Personaldienstleister ADP für Juli einen größeren Stellenzuwachs (+163.000) als erwartet auswies, enttäuschte der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe mit einem nur geringen Anstieg von 49,7 auf 49,8 Punkte und blieb damit unter der 50-Punktemarke. Damit reicht die Schwächephase der US-Wirtschaft wohl ins 3. Quartal hinein. Die Fed ist gestern aber standhaft geblieben und hat an ihrer Haltung nichts Entscheidendes geändert (siehe Topthema).

Aktienmärkte
Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern uneinheitlich. Die Veränderungsraten der Leitindizes hielten sich zu-meist in Grenzen. Eine Ausnahme bildete der Markt in London, der um 1,4% zulegte. Der Handel war vor den Notenbanksitzungen in den USA und in Europa von Vorsicht geprägt. Die Investoren beäugen vor allem die weitere Vorgehensweise der EZB in Bezug auf die Schuldenkrise. Entscheidend für die weitere Entwicklung an den Börsen wird sein, ob EZB-Chef Draghi nach seinem Treueschwur auf den Euro, der von den Börsianern mit Kursgewinnen bedacht wurde, ein überzeugendes Paket zur nachhaltigen Krisenbewältigung liefern kann oder nicht. Eine Enttäuschung dürfte aller Voraussicht nach erneut Druck auf die Aktienmärkte ausüben. Der Dax büßte gestern 0,3% ein. Während die Notierung von BMW nach Vorlage von Zahlen um 2,9% nachgab, profitierte die Aktie von Bayer u.a. von optimistischen Analystenkommentaren. Nach Gerüchten über eine mögliche Übernahme von Nokia durch Lenovo gewann die finnische Aktie bei hohen Umsätzen nach einem kräftigen Auf und Ab am Ende 6,2%. Auf europäischer Sektorebene stiegen Telekomaktien als Tagesgewinner im Schnitt 1,3% (Autos: -1,1%). Die Börsen in den USA tendierten nach Vorlage gemischter Konjunkturdaten und der Sitzung der US-Notenbank, die zunächst keine neuen stimulierenden Maßnahmen zugunsten der heimischen Konjunktur beschloss, leichter (Dow Jones: -0,3%). Die Aktie von Mastercard büßte nach Verfehlung der Umsatzerwartungen um 2,1% ein. Die Börsen in Asien tendierten in diesem Umfeld zumeist etwas leichter. Unterstützt von einem etwas schwächeren Yen gewann der Nikkei 225 rd. 0,1%.

Topthema des Tages:
Die Fed hat bei ihrer gestrigen FOMC-Sitzung keine neuen geldpolitischen Entscheidungen gefasst. Die Fed Funds Rate bleibt weiterhin zwischen 0 und 0,25%, auch hieß es in der Pressemitteilung unverändert, die niedrige Ressourcenauslastung und eine auf mittlere Sicht gedämpfte Inflation rechtfertigten voraussichtlich mindestens bis spät in 2014 einen außergewöhnlich niedrigen Leitzins. Vor der Sitzung war die Spekulation aufgekommen, die Fed werde die „Niedrigzinsgarantie“ über 2014 hinaus verlängern. In diesem Zuge sind auch die impliziten Zinssätze der einschlägigen Geldmarktfutures in den vergangenen Wochen immer weiter abgebröckelt. In der Lagebeurteilung war der Ton der Fed noch etwas verhaltener als im Juni; sie konzedierte eine Abschwächung im ersten Halbjahr und geht davon aus, dass das Wachstum sich in den kommenden Quartalen nur sehr langsam beschleunigen wird. Die Spannungen an den globalen Finanzmärkten – hier dürfte vor allem der krisengeplagte Euroraum gemeint sein – stellten ein erhebliches Abwärtsrisiko für den Ausblick dar. Eine Nuance entschlossener als im Juni klingt ihre Formulierung zum weiteren geldpolitischen Ausblick: Man werde die Entwicklung weiter scharf beobachten und die notwendige Unterstützung für ein stärkeres Wachstum und eine nachhaltige Erholung am Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Fazit: Die Fed signalisiert steigende Bereitschaft einer nochmaligen Lockerung. So hält sie geldpolitische Phantasie aufrecht, was die Kapitalmarktzinsen niedrig hält, und erreicht dadurch schon ein wesentliches Ziel. Ob die Fed nochmals quantitativ lockert (QE3), ist keineswegs sicher und hängt in hohem Maße von der Entwicklung am Arbeitsmarkt ab.

( Autor: extern )

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