30.07.2010 -
Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Börsen Hamburg-Hannover. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
von Dirk Müller
Eine Woche voller Unternehmenszahlen liegt hinter uns und 80 Prozent der Unternehmen haben Zahlen über den Erwartungen der ominösen Analysten vorgelegt. Wow. Die Wirtschaft brummt, die Krise ist Vergangenheit, die Unternehmen können vor Kraft kaum laufen. Bosch kommt mit der Produktion nicht weiter, weil die Zulieferer dank vorgeschaltetem Stellenabbau nicht schnell genug produzieren können. Alles klar, Vollgas voraus, auf zu neuen Rekorden!
…oder doch nicht?! Die Aktienkurse blieben von den so „überraschend“ starken Zahlen merkwürdig unbeeindruckt. Die Wirtschaftsdaten aus den USA waren wie gewohnt grottig und einige Volkswirte erklären die US-Wirtschaftsentwicklung kurzerhand für bedeutungslos, da sie nur 18 Prozent der Weltwirtschaft ausmacht. Doch noch ist es das Geld der US-Börsen und Investoren, die die Märkte bestimmen und ich bin gespannt zu sehen, wie es mit der ach so selbstständigen Weltkonjunktur aussieht, wenn die US-Investoren ihr Geld abziehen, weil zu Hause die Probleme zu groß werden. Kalifornien schickt seine Beamten ab sofort drei Tage im Monat in unbezahlten Urlaub, um eine sofortige Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Alle US-Stellen und Daten schlagen Alarm und warnen vor dem „Doppel-Dip“. Eine US-Wirtschaft, die in die Rezession zurückfallen würde, würde den Immobilien – und hier besonders den Gewerbeimmobilien – kräftig zusetzen. Große Abschreibungen hier sorgen für einen nachhaltigen Kapitalbedarf, um die oft mit Krediten gehebelten Investitionen auszugleichen. Das hatten wir alles Ende 2008, Anfang 2009 schon einmal. Dann würden diese US-Investoren ihr Geld als erstes im Ausland abziehen, um daheim die Löcher auf dem Konto zu stopfen. Diese „Repatriierung“ war es, die die Aktienmärkte der Emerging Markets Ende 2008 in den freien Fall getrieben hat. Wenn Milliarden aus Asien, Russland und Lateinamerika abgezogen würden, würde das sicherlich keine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums hervorrufen.
Es ist schon richtig, dass die US-Wirtschaft nur noch einen überschaubaren Teil der Weltwirtschaft ausmacht, aber man sollte nicht die Macht der Wall Street-Gelder unterschätzen. Noch immer sind sie es, die die weltweiten Kapital- und somit Wirtschaftsmärkte dominieren. Wer das nicht glaubt, soll sich mal einen Tag lang am Frankfurter Parkett umsehen, wenn die Wall Street Feiertag hat. Aber der nehme sich bitte viel Lesestoff gegen die Langeweile mit…
Bei aller Freude über ein – mit Staatsbillionen erkauftes – Strohfeuer sollte man die Dimensionen nicht vergessen. Selbst wenn Deutschland mit einem Haushaltsdefizit von vier Prozent des BIP vielleicht zwei Prozent Wachstum dieses BIPs erzielt, ist das doch mehr als bedenklich. Wenn ich vier Euro reinstecke, um zwei Euro rauszubekommen, ist das sicherlich kein Grund für große Euphorie. Insbesondere, wenn ich bereits weiß, dass ich mir das ab sofort nicht mehr leisten kann und künftig eher nichts mehr reinstecken kann. Jetzt ist Deutschland noch das Musterbeispiel. Die USA stecken aktuell dreizehn Prozent rein, um drei Prozent rauszubekommen, wobei selbst diese Zahlen fragwürdig sind
Ich glaube, ich verstehe langsam, warum die Aktien auch bei aktuell guten Unternehmensdaten nicht von einer Kursexplosion heimgesucht werden…
Doch genug der Heimsuchungen, jetzt erst einmal ein schönes Wochenende mit Zeit zum Nachdenken!
( extern )