30.07.2010 -
Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Einschätzung
Vor wenigen Minuten wurden in den USA erste Angaben zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im II. Quartal 2010 gemacht. Diesen – noch revisionsanfälligen – aktuellen Wachstumszahlen folgend lag die annualisierte Veränderungsrate bei nur 2,4% Q/Q. Der BIP-Preisdeflator legte im II. Quartal überraschend um 1,8% zu. Bemerkenswert ist die Aufwärtsrevision der Wachstumsrate im I. Quartal; statt einer 2,7% steht hier nun eine 3,7%!
Revisionen prägen ohnehin das Bild; so hat sich der Charakter der Zeitreihe zum BIP mit den heute vorgenommenen Anpassung der ursprünglich endgültigen Zahlen, die aber natürlich mittelfristig wieder revidiert werden können, eindeutig geändert. Beispielsweise ist der Rückgang der Wirtschaftsleistung im IV. Quartal 2008 nun größer als im I. Quartal 2009.
Mit Blick auf den aktuellen Rand mag man kritisch auf den nicht mehr „so starken“ privaten Konsum (was auch immer das meint) oder auf den „defizitären“ Außenhandel verweisen, der heutige Report zeigt aber auch, dass die Unternehmensinvestitionen anziehen. Dies ist ein eindeutig erfreuliches Signal, welches offenbart, dass die Firmen mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft blicken. Zu bedenken ist zudem, dass das ausgeprägte Defizit im US-Außenhandel zunächst zwar zu einer Belastung des Wachstums in den USA führen mag, aber hilft, den globalen Konjunkturaufschwung zu stützen und damit mittelfristig auch der Wirtschaft der Vereinigten Staaten nutzt.
Fazit:
Es bleibt festzuhalten, dass die schwächeren Zahlen am aktuellen Rand durch die Revision des Vorquartals relativiert werden. Zudem sieht die ganze Historie der Zeitreihe nun etwas anders aus – und passt inzwischen vom Timing her besser zum Bauchgefühl des interessierten Beobachters. Die weiteren Aussichten bleiben unserer Auffassung nach eher erfreulich. Zwar zeigen sich die in monatlicher Periodizität gemeldeten Konjunkturdaten am aktuellen Rand nicht mehr ganz so stark – und der in der nächsten Woche zu veröffentlichende ISM Einkaufsmanagerindex könnte unserer Auffassung nach mit einem eher deutlicheren Rückgang Diskussionen um die Nachhaltigkeit des Aufschwungs auslösen – dennoch gibt es keine Signale, die in Richtung eines drohend „Double-Dips“ deuten; eher im Gegenteil, denn wir haben soeben Hinweise darauf erhalten, dass sich die Finanzsituation der privaten Haushalte positiver präsentiert, als bisher gedacht wurde. Zudem existieren – zum Beispiel mit den jüngst veröffentlichten Angaben zu den Auftragseingängen – klare Fingerzeige in Richtung einer weiterhin vorhandenen Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Dafür spricht auch der im 2. Quartal zu beobachtende signifikante Anstieg der Ausgaben für Ausrüstung und Software. Der Aufschwung ist also robust. Vor allem aufgrund der heute vorgenommenen Revisionen werden wir unsere BIP-Prognosen zwar in den Details anpassen müssen, unser grundsätzliches Bild von der Lage der US-Wirtschaft dabei aber nicht ändern.
( extern )