28.07.2010 -
Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Konjunktur / Rentenmärkte
Die Renditen von Bundesanleihen und US-Treasuries sind gestern gestiegen. Den Hintergrund bildete eine sinkende Risikoaversion. Dazu passte das GfK-Konsumklima, das die Serie besser als erwarteter Konjunkturdaten aus Deutschland fortsetzte. Der vom GfK ermittelte Prognosewert stieg von revidierten 3,6 im Juli auf 3,9 Punkte im August.
Deutlich gedämpfter ist die Stimmung indes bei den US-Konsumenten; das Verbrauchervertrauen ist im Juli weiter abgebröckelt, es liegt jetzt bei nur noch 50,4 Punkten; im Mai - bei seinem „Höchststand“ in diesem Zyklus - waren es immerhin noch 62,7 Punkte. Hier fällt auf, dass die aktuelle Lageeinschätzung noch immer sehr schlecht ist, doch auch die Erwartungen erlitten zuletzt einen deutlichen Dämpfer. Vor allem die Lage am Arbeitsmarkt und damit verbunden die verhaltenen Einkommensperspektiven drückten auf die Stimmung. Aber immerhin ist die Anschaffungsneigung etwas gestiegen. Bessere Nachrichten kamen vom US-Wohnungsmarkt; dort geht die Bodenbildung der Preise weiter. Der Case-Shiller-Index für 20 Großstadtregionen wies im Mai einen Anstieg von 1,3% M/M bzw. 4,6% J/J aus. Damit liegt er gut 5% über seinem im April 2009 erreichten Zyklustief.
Heute steht mit den US-Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter ein schwergewichtiger Indikator an; es wird mit einem deutlichen Zuwachs gerechnet.
Aktienmärkte
Die europäischen Aktienmärkte verzeichneten gestern Kursgewinne, schlossen aber deutlich unter den Tageshochs. Die guten Vorgaben aus den USA und ein über den Erwartungen liegender GfK-Konsumklimaindex brachten die Investoren in Kauflaune. Im Wesentlichen sorgten allerdings Unternehmensdaten für Bewegung. Während u.a. SAP (-2,1%), Daimler (-4,7%) und Danone (-4,7%) nach ihren Quartalszahlen unter Abgaben litten, waren insbesondere Banken (+4,7%) gefragt, die auf Branchenebene (Stoxx) die Gewinnerliste vor den Versicherungen (+2,1%) anführten. Den Finanzwerten halfen Hoffnungen auf weniger restriktiv als bisher erwartet ausfallende Eigenkapitalregeln im Zuge von Basel III. Zweiter Positivfaktor waren die Zahlen der UBS (+11,2%), die deutlich über den Erwartungen lagen. Auch die Dt. Bank (+4,5%) konnte überzeugen. Mit den schwachen US-Makrozahlen (Konsumentenvertrauen) setzten dann allerdings Gewinnmitnahmen ein, die einen Großteil der Gewinne zunichte machten. An den US-Märkten ging es angesichts der gemischt ausgefallenen Makrodaten relativ verhalten zu und die Indizes schlossen wenig verändert. Gute Unternehmensdaten wie z.B. von Du Pont (+3,6%) und Lexmark (+8,5%) konnten keinen größeren Schwung in den Markt bringen. Während zyklische Sektoren im Minus schlossen ging es für defensive Branchen wie Versorger (+1,6%) und Verbrauchsgüter (+0,4%) aufwärts. An den asiatischen Märkten dominieren nach verhaltenem Start die Pluszeichen. Am stärksten ging es in Japan aufwärts. Hier sorgten u.a. gute Zahlen von Canon (+5,7%) für eine positive Stimmung. In China (+1,5%) halfen zudem positive Aussagen der Notenbank zur chinesischen Konjunktur.
Topthema des Tages
Die Kreditvergabe im Euroraum ist weiterhin schwach, insbesondere an Unternehmen, doch zeigt sich in den neuesten Zahlen der EZB für Juni, dass es Anzeichen einer allmählichen Belebung gibt.
So nahmen die Kredite an den Privaten Sektor um 0,3% J/J (nach +0,2% J/J im Mai) zu. Innerhalb des Privaten Sektors gingen die Kredite an Unternehmen außerhalb der Finanzbranche ggü. Vorjahr zwar noch um 1,9% zurück, im Mai war der Rückgang mit 2,1% aber größer. Deutlicher zugelegt hat die Kreditvergabe an Private Haushalte (+2,8% J/J nach +2,6% J/J). Darunter gingen zwar die Konsumentenkredite zurück (-1,6% J/J nach -0,3% J/J), die Immobilienkredite, die ein ungleich höheres Volumen haben, nahmen aber deutlich zu (+3,4% J/J nach +3,1% J/J).
Daraus kann konstatiert werden, dass es Anzeichen einer Belebung der Kreditvergabe im Euroraum gibt. Am deutlichsten ist sie bei den Privaten Haushalten. In der Vergangenheit hat sich die Kreditvergabe an private Haushalt früh im Konjunkturzyklus erholt. Der Zuwachs an Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen folgt in der Regel mit einer zeitlichen Verzögerung von fast einem Jahr. Im Juli-Bericht stellt die EZB fest, dass die Kreditvergabe an die Privaten Haushalte bereits in 2009 gedreht hätte, für eine Wende bei den Unternehmenskrediten gebe es aber noch keine Belege.
Anzeichen für eine Wende gibt auch das M3-Wachstum, das erstmals seit September 2010 wieder positiv war (+0,2% J/J). Der kräftige Anstieg der Geldmenge M1 ging dagegen zurück (+9,2% J/J nach +10,3% J/J), was auf einen Rückgang der Liquiditätspräferenz der Anleger hindeutet.
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