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Kolumnen

Commerzbank - Börsencompass: 20. Juli 2010

20.07.2010 - Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Konjunktur / Rentenmärkte
Bundesanleihen erlitten zum Wochenstart Kursverluste. Die Kursgewinne vom Freitag wurden damit größtenteils wieder aufgezehrt. Nur kurzzeitig profitierten Bunds im frühen Handel von der Ratingherabstufung Irlands durch Moody’s von Aa2 auf Aa1. Auch der Streit Ungarns mit dem IWF beflügelte die Bunds nur vorübergehend. Ungarn weigert sich weitere geforderte Sparmaßnahmen umzusetzen. Der IWF brach daraufhin die Verhandlungen über die Auszahlung der nächsten Kredittranche ab. Der ungarische Forint gab daraufhin deutlich nach. Diesen Nachrichten wurde jedoch nur wenig Bedeutung beigemessen, zumal sich mehr Zuversicht breit machte, dass die Ergebnisse der Bankenstresstests im Euroraum am Freitag eher positiv auf die Kapitalmärkte wirken dürften.

Die Risikoaufschläge der EWU-Länder konnten sich gestern meist zurückbilden, insbesondere die spanischer Staatsanleihen. US-Treasuries zeigten Stärke zu Bunds. Aufgrund der schwachen US-Daten erwartet man zunehmend eine länger anhaltende lockere Geldpolitik der Fed. Am Mittwoch spricht Fed-Chef Bernanke vor dem Haushaltsausschuss des Senats. Die Rendite 2-jähriger US-Treasuries verharrte nahe dem Rekordtief. Dies stützte erneut den Euro, der nach einem schwächeren Start wegen der Ratingherabstufung Irlands im Tagesverlauf kräftig zulegen konnte.

Nachdem der NAHB-Index (Stimmungsindex für den US-Immobilienmarkt) kräftiger als erwartet zurückgegangen ist (von 16 auf 14 Punkte), könnten heute die US-Daten (Hausbaubeginne, und -genehmigungen) ebenfalls schwächer ausfallen.

Aktienmarkt
Die europäischen Börsen konnten sich am gestrigen Handelstag nicht von den deutlichen Kursverlusten am Freitag erholen. Dabei hatte es im Handelsverlauf so ausgesehen, als könnte sich der DAX mit der Erholung der Versorger stabilisieren, doch mit der Handelseröffnung in den USA und der Meldung des schwachen NAHB-Hausmarktindex setzte ein Kursrutsch ein, der den DAX fast auf die 6.000-Punktemarke zurückführte.

Im Umfeld rückläufiger Konjunkturdynamik, negativer Meldungen zu Staatsfinanzen und nicht vollends erfüllter Erwartungen bei den Unternehmensgewinnen war wieder einmal die Deutsche Telekom (+0,8%) einer der wenigen Kursgewinner. ThyssenKrupp (+0,7%) profitierte von einer Hochstufung durch ein Analysehaus. Dagegen verloren die Versorger E.ON und RWE ihre frühen Kursgewinne. Im EuroSTOXX war mit Telecom Italia (+2,4%) ebenfalls ein Telekommunikationstitel der Kursgewinner. Telekoms waren neben Pharma und Versorgern, die von den Übernahmegesprächen zwischen GDF Suez und International Power profitierten, die einzigen Branchen, die leicht im Plus lagen. Philips (-3,6%) war nach Zahlen der schwächste Wert im Index.

In den USA konnten sich die Indizes hingegen im Handelsverlauf steigern, alle Branchen lagen dabei im Plus. Im Vorfeld der nachbörslichen Zahlen von IBM und Texas Instruments (die nach der Vorlage deutlich unter Druck gerieten) waren vor allem IT-Titel gesucht.

In Asien ist die Stimmung vor allem in Festlandchina heute Morgen sehr gut, der Nikkei tendiert nach dem Feiertag vor allem durch Technologiewerte schwächer. In Europa dürften wir fester eröffnen. Highlights sind neben US-Baudaten Zahlen von Pepsi, J&J und vor allem Goldman Sachs.

Topthema des Tages
Während die Achterbahnfahrt am Aktienmarkt in eine neue Runde geht, sind die Kurse und damit die Renditen im Segment Unternehmensanleihen in diesem Jahr sehr stabil geblieben. Die Anleger sollten sich davon aber nicht einschläfern lassen: Sollte es zu einer Neubewertung der Staatsanleihen und somit zu höheren Renditen kommen, so könnte die Korrektur auch die Unternehmensanleihen erfassen und fallende Anleihenkurse nach sich ziehen.

In der letzten Woche erhielten die Bundesanleihen aber mit den vor allem in den USA enttäuschenden Konjunkturdaten zunächst eine neue Unterstützung – während die aus der Griechenlandkrise resultierenden Sorgen abklingen.

Parallel dazu erreichten die Inflationserwartungen für den Euroraum ein neues Jahrestief. Dennoch sind gerade bei 2-jährigen Bundesanleihen erste Anzeichen für eine Neubewertung erkennbar: Seit Mitte Juni stiegen die Renditen kontinuierlich an. Dies ist auch eine Folge der verringerten Überschussliquidität und ein erster Vorbote für eine – wenn auch nur sehr allmähliche – Straffung der Geldpolitik durch die EZB.

Die als Folge der Griechenlandkrise ausgeweiteten Risikoaufschläge dürften die Kursbewegung zunächst abfedern. Kursverluste bei Unternehmensanleihen dürften sich dort in Grenzen halten, wo die Risikoaufschläge relativ hoch sind: Dies ist bei Emittenten mit einem Rating im Bereich A bis BBB der Fall. Vergleichsweise hoch sind die Aufschläge auch bei den Banken und Versicherungen. Dieses Segment dürfte insgesamt zudem von der Veröffentlichung der Stresstests am kommenden Freitag profitieren, obwohl es hier unbestreitbar auch Einzelwertrisiken gibt.
( extern )

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