16.07.2010 -
Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Börsen Hamburg-Hannover. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
von Dirk Müller
Das Thema „Oktopus“ ist jetzt also endgültig gegessen – sorry für die Formulierung, Paul – und wir können uns wieder den Märkten widmen. Bei den Bocksprüngen dieser Tage weiß man nicht so genau, woran es liegt. Sind da einige Marktteilnehmer zu lange ICE gefahren oder liegt es an den widersprüchlichen Wirtschaftsdaten? Man weiß es nicht. Vermutlich ist einfach wieder Urlaubszeit. Die Umsätze sind außergewöhnlich dünn und ebenso dünnhäutig sind die wenigen verbliebenen Marktteilnehmer. Das sind meist keine langfristigen und besonnen Investoren, sondern lediglich ultrakurzfristige Zocker mit vor Koffein und Adrenalin zittrigen Händen. „Ha, die Eurokrise bringt den Markt unter Druck. Ich verkaufe leer, die 6.140 wird schon halten… Uups, die 6.140 hat nicht gehalten, die Quartalszahlen sind positiv, ich muss meinen Short eindecken und wenn wir schon dabei sind, gehen wir gleich richtig long, jetzt kommt die 6.350 und danach der Himmel! Uups, wo kommt denn der Kursrückgang her?! Die amerikanische Wirtschaft kriegt den Hintern nicht hoch und China kühlt ab… Schnell den Long zu machen… Soll ich gleich short gehen? Ne, mal schauen ob die 6.140 hält…“
So in etwa geht es in diesen Tagen vor den Händlerschirmen zu. Muss man da mitmachen? Ich bitte Sie: Jahrhundertsommer, der heißeste Juli und Juni seit vielen Jahren und die Börsen im Hitzewahn. Schalten Sie ab, machen Sie´s wie die meisten Marktteilnehmer und gehen Sie in Urlaub, an den Baggersee oder wenigstens in den kühlen Weinkeller.
Auf der einen Seite stützen die (relativ) guten Unternehmensdaten, auf der anderen Seite drücken eine nicht gelöste Strukturkrise und jede Menge nicht geräumte Minenfelder. Warten wir ab, welche Seite in den nächsten Monaten eher im Fokus stehen wird, denn nur darum geht es. Eine gute Meldung ebenso wie ein Problem wird erst dadurch börsenwirksam, dass einer mit dem Finger darauf zeigt und alle hinschauen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein problemloses Wochenende – besonders wenn Sie Bahnchef sind. Ansonsten halten Sie sich ab 32 Grad von ICEs fern und fahren Sie lieber Regionalexpress, da kann man wenigstens die Fenster öffnen. So einfach war die Welt mal vor der Erfindung der Klimaanlage.
( extern )