14.07.2010 -
Disclaimer: Der nachfolgende Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Einschätzung
Vor einigen Minuten wurden in den USA Zahlen zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze gemeldet. Im Berichtsmonat Juni kam es zu dem zweiten Rückgang in Folge um diesmal 0,5% M/M. Exklusive Automobile lag das Minus bei moderateren 0,1% M/M.
Die Zahlen sind noch etwas schlechter als erwartet ausgefallen. Zwei Faktoren deuteten bereits im Vorfeld auf eine insgesamt wenig erfreuliche Entwicklung der Einzelhandelsumsätze hin: Auf der einen Seite konnte nach dem deutlichen Rückgang im Mai zwar mit einer Gegenbewegung im Juni gerechnet werden, auf der anderen Seite wiesen die bereits veröffentlichten nachgegebenen Fahrzeugabsatzzahlen und die Umsatzzahlen großer Einzelhandelsketten auf wenig Potential nach oben hin. Auch das etwas pessimistischer ausgefallene Konsumentenvertrauen signalisierte eine Zurückhaltung bei der Konsumfreude. Insgesamt sind diese heutigen Zahlen aber als enttäuschend zu bezeichnen.
Ein Blick auf die Details des aktuellen Reports zeigt entsprechend eine ausgeprägte Schwäche im Kraftfahrzeugbereich. Auch bei Baumaterialien gab es nach dem Einbruch im Vormonat eine nur geringer als erwartete statistisch bedingte Gegenbewegung, was ein Ausdruck der Schwäche im Rahmen des Auslaufens der Steuervergünstigungen für Immobilienerwerbe ist. Schwach fielen auch die Umsätze bei Möbeln und Sportausrüstungen aus. Mit einem größeren Plus fielen nur Elektroartikel auf.
Ein Grund für die schwachen Zahlen des Headline-Index waren neben dem Automobilsektor der Tankstellenbereich: Leicht nachgebende Benzinpreise dürften zu Umsatzrückgängen an den Zapfsäulen geführt und damit auf die gesamten Einzelhandelsumsätze gedrückt haben. Letztendlich ist dies natürlich kein Ausdruck einer Kaufzurückhaltung. Exklusive dieser beiden Faktoren Fahrzeuge und Tankstellen gab es immerhin ein minimales Monatsplus von 0,1%.
Eine gewisse Vorsicht bei den Konsumenten ist klar erkennbar. Angesichts des noch nicht brummenden Arbeitsmarktes, den Diskussionen um die europäische Schuldenkrise und einem in den Medien immer wieder diskutierten „Double Dip“ ist eine Verunsicherung spürbar. Allerdings sehen wir es in dieser Phase der Konjunkturerholung als normal an, dass auch mal schwächere Daten gemeldet werden. Angesichts eines unverändert generell positiven Konjunkturausblicks werden wir uns allerdings nicht daran beteiligen, nun das „Abschwungsgespenst“ an die Wand zu malen. Wir halten es eher wie der Fed-Präsident von Kansas City, Thomas Hoenig, der anmahnt, nicht „nach jeder Zahl überzureagieren“ und „gemischte Daten als Normalität jeder Erholung“ anzusehen.
Fazit:
Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Berichtsmonat Juni schlechter als erwartet ausgefallen. Dem starken Vormonatsrückgang folgte ein erneutes Minus. Im wesentlichen trugen schwache Autoabsatzzahlen und der Baubereich dazu bei. Die Umsatzrückgänge bei Tankstellen im Zuge eines niedrigeren Benzinpreises, was kein Ausdruck einer Kaufzurückhaltung ist, relativieren die Zahlen nur zum Teil. Die bisherige Aufwärtsdynamik ist vorbei, allerdings notiert die Jahresrate noch bei 4,8%. Letztendlich wachsen die Konsumbäume nicht in den Himmel, das Abschwungsgespenst wollen wir aber auch in keinem Fall an die Wand malen. Wir fühlen uns mit der Erwartung, dass die Federal Reserve in diesem Jahr nicht mehr, im kommenden Jahr aber im Zuge einer fortgesetzten Konjunkturerholung reagieren wird, durchaus wohl.
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