ElringKlinger spürt keinen Druck aus der VW-Affäre – Interview

Stefan Wolf, Vorstandschef von ElringKlinger, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: ElringKlinger.

Stefan Wolf, Vorstandschef von ElringKlinger, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: ElringKlinger.

Nachricht vom 02.02.2016 (www.4investors.de) - Die Probleme in der Schweiz werden auch 2016 noch zu Sonderkosten führen. Dies sagt Stefan Wolf, Vorstandschef von ElringKlinger, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Man hat aus der Situation gelernt und Veränderungen angestoßen. Wolf zeigt sich bei der Prognose zuversichtlich, auch zur Krise bei Volkswagen äußert sich der CEO. Ausführlich geht Wolf auf die Situation in China, Brasilien und Russland ein. Das Thema Innovationen nimmt einen breiten Raum im Gespräch mit dem Chef von ElringKlinger ein.


www.4investors.de: Seit Anfang des Jahres gibt es im Vorstand von ElringKlinger mit Thomas Jessulat einen Verantwortlichen für die Finanzen. Es wird spekuliert, dass der Schritt auf Druck von Großaktionären zustande gekommen sein könnte. Ist dies zutreffend?

Wolf:
Der Schritt vor allem der Tatsache geschuldet, dass ElringKlinger in den letzten Jahren stark gewachsen ist: vom kleinen Mittelständler mit knapp 500 Millionen Euro Umsatz zu einem Konzern, der 2015 rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Das ist eine Verdreifachung innerhalb von zehn Jahren, eine absolut rasante Entwicklung, die entsprechende Managementkapazitäten erfordert. Bei einem Unternehmen unserer Größenordnung ist es auch durchaus üblich, einen vierköpfigen Vorstand zu haben – im MDAX finden Sie kaum ein Unternehmen ohne CFO.

www.4investors.de: Die Analysten der Deutschen Bank hoffen auf steigende Dividendenrenditen aus der Neuaufstellung im Management, mehr als 4 Prozent sollen es für 2017 werden. Entspricht das auch den Plänen von ElringKlinger?

Wolf:
Unsere Dividendenpolitik sieht vor, dass wir zwischen 40 Prozent und 60 Prozent des Jahresüberschusses der Muttergesellschaft ElringKlinger AG ausschütten, daran halten wir prinzipiell fest. Sollten künftig mehr freie Mittel zur Verfügung stehen, werden wir uns zu gegebener Zeit überlegen, wie wir diese einsetzen.

www.4investors.de: Das Jahr 2015 war bei ihnen unter anderem durch Gewinnwarnungen geprägt. Zuletzt haben sie bis zu 145 Millionen Euro als operatives Gewinnziel ausgegeben, ohne M+W sollte der Umsatz zwischen 5 Prozent und 7 Prozent zulegen. Ist davon auszugehen, dass diese Ziele im vergangenen Jahr erreicht wurden?

Wolf:
Die finalen Ergebnisse für 2015 liegen noch nicht vor. Wir sind jedoch zuversichtlich, unsere Ziele für 2015 zu erreichen, das bedeutet, den Umsatz organisch um 5 Prozent bis 7 Prozent gesteigert und ein bereinigtes EBIT vor Kaufpreisallokation zwischen 135 Millionen Euro und 145 Millionen Euro erzielt zu haben.

www.4investors.de: Mit welchen Belastungen müssen Ihre Aktionäre 2016 aus den Kapazitätsproblemen in der Sparte Abschirmtechnik rechnen? Bis wann wird diese Situation an dem Schweizer Standort anhalten?

Wolf:
Wir wollen den Schweizer Standort bis Ende des ersten Quartals 2016 wieder im Normalbetrieb haben. Nach voraussichtlichen Sonderbelastungen aus den Kapazitätsengpässen zwischen 29 Millionen Euro und 39 Millionen Euro im Jahr 2015 gehen wir für 2016 nochmals von Sonderkosten von rund 10 Millionen Euro aus.

www.4investors.de: Hat das neue Management des Schweizer Standortes die Geschäfte besser im Griff als die Vorgänger? Welche Konsequenzen haben sie in der Konzernzentrale aus den Vorgängen gezogen?

Wolf:
Wir konnten die Produktionsprozesse in der Schweiz in den letzten Monaten deutlich verbessern und haben dort spürbare Fortschritte gemacht. Eine der Konsequenzen, die wir hieraus gezogen haben, ist eine stringente Trennung der Funktion von Geschäftsbereichsleitung mit globaler Verantwortung und lokaler Werk- bzw. Standortleitung. Das handhaben wir in unseren anderen Bereichen und Standorten übrigens auch so. Daneben treiben wir die Anbindung der weltweiten Standorte an die zentralen Strukturen weiter voran.

Volkswagen-Krise macht sich nicht bemerkbar


www.4investors.de: Haben sich bei Ihnen die Krisen bei Volkswagen und in den BRIC-Märkten, insbesondere in China, im Geschäft bisher bemerkbar gemacht?

Wolf:
Zu Volkswagen ein klares Nein: unsere Abhängigkeit ist hier aufgrund unserer breiten Kundenstruktur sehr gering. In China sehen wir eine Normalisierung der Wachstumsraten, was uns aber aktuell keine größeren Sorgen macht. Brasilien und Russland entwickeln sich absolut enttäuschend, wobei wir in Russland glücklicherweise nicht vertreten sind – der dortige Automarkt ist überschaubar bzw. wird hauptsächlich über Importe bedient.

www.4investors.de: Bieten die Krisen in einzelnen Ländern ElringKlinger auch Chancen, zum Beispiel im Bereich der Akquisitionen?

Wolf:
Generell ja. Die Zuliefererbranche ist weiter auf Konsolidierungskurs – aber wir schauen jedes Angebot sehr genau an, ob es zu unserem Produktportfolio passt und mittelfristig auch unsere überdurchschnittliche EBIT-Marge erzielen kann. Aktuell haben wir nichts Konkretes im Blick.

www.4investors.de: Fürchten Sie, dass Volkswagen den Druck nun zum Teil auf die Zulieferer abwälzt und die Einkaufsmacht nutzt, um weitere Preiszugeständnisse zu verlangen?

Wolf:
Preisverhandlungen gehören nicht erst seit der Abgasaffäre zum Tagesgeschäft. Wir sehen hier noch keine Verschärfung.

Staatliche Förderung bei Elektroautos nötig, um Ziele zu erreichen


www.4investors.de: Vor einigen Wochen haben Sie mit einem ersten Auftrag Ihren Fuß in die Tür des Marktes für Karosserie- und Fahrwerkskomponenten in Leichtbauweise gesetzt. Sind in dieser Sparte für dieses Jahr Folgeaufträge weiterer Hersteller in Aussicht?

Wolf:
Wir sind mit mehreren interessierten Herstellern zu dieser neuen Metall-Polymer-Hybrid-Technologie in Gesprächen und haben erste Entwicklungsprojekte gestartet. Ich bin optimistisch, dass wir neue Aufträge an Land ziehen werden. Das Thema Leichtbau steht aktuell sehr weit oben auf der Agenda vieler Autohersteller – nicht zuletzt aufgrund der verschärften CO2-Gesetzgebung ab 2020.

www.4investors.de: Die „Wirtschaftswoche“ hat unter anderem ElringKlinger vor einiger Zeit fehlende Innovationen vorgeworfen und Ihre Sparte Elektromobilität angesichts geringer Umsätze als Feigenblatt bezeichnet. Ist das eine zutreffende Einschätzung der Kollegen? Wird in Deutschlands Automobilindustrie zu wenig in Richtung innovativer Antriebe getan?

Wolf:
ElringKlinger bietet zum einen Zellverbinder für Lithium-Ionen-Batterien an – die können in reinen Elektroautos als auch Hybriden eingesetzt werden. Wir statten damit zum Beispiel den BMW i3 aus. Zum anderen bieten wir Komponenten für die Brennstoffzelle an. Erst auf der IAA 2015 haben wir ein neues System präsentiert, das in Fahrzeugen als Brennstoffzellen-Batterie-Hybridsystem oder Range-Extender integriert werden kann. Sie sehen, es liegt weniger am Angebot als an der Nachfrage. Was Elektromobilität angeht, sind Themen wie Reichweite, Infrastruktur und nicht zuletzt der Anschaffungspreis die KO-Kriterien bei den Endverbrauchern. Ohne staatliche Förderung wird das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 nicht zu erreichen sein.

www.4investors.de: Wo wird ElringKlinger im Bereich innovativer Antriebe und Fahrzeuge die Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung legen?

Wolf:
Wir konzentrieren uns weiter auf einen der Megatrends der Branche, wobei der Leichtbau dabei eine immer wichtigere Rolle spielt. Unsere neue Hybrid-Metall-Polymer-Technologie bietet erhebliches Potenzial für weitere Strukturbauteile im Fahrzeug, was uns künftig unabhängiger von der Antriebstechnologie macht.

www.4investors.de: Was erwarten sie für 2016?

Wolf:
Wir sind verhalten optimistisch. Die Automärkte werden 2016 weiter wachsen – aber voraussichtlich schwächer als 2015. Wir haben auch 2016 zahlreiche Produktneuanläufe geplant und streben damit an, wieder deutlich stärker als der Markt zu wachsen. ElringKlinger wird Rückenwind aus verschiedenen Richtungen haben – unser größtes Thema, die Kapazitätsengpässe in der Schweiz, werden wir 2016 lösen, unsere jüngste Akquisition in den USA wird vollständig integriert sein und sich positiv niederschlagen, ebenso wie das Hochlaufen der neuen Hybrid-Metall-Polymer-Teile.

(Ads)

PfeilbuttonBerentzen-CEO Frank Schübel: „Ein gesunder Blick von außen ist immer gut“
PfeilbuttonCLIQ Digital: „Wir sehen uns in unserer Strategie bestätigt“ - Interview mit CLIQ-Vorstand Ben Bos
PfeilbuttonNanoFocus: „Zeitenwende in der Messtechnik“ - Interview mit Vorstandssprecher Jü̈rgen Valentin


+++ Exklusive Interviews und Analysen - gratis in Ihre Mailbox! +++

Tragen Sie sich jetzt für unseren kostenlosen 4investors Newsletter ein.


Bestätigungslink nicht per Mail bekommen? Bitte kontrollieren Sie Ihren Spamordner!

Der 4investors Newsletter erscheint unregelmäßig, i.d.R. 2 bis 6 Mal pro Monat. Wir geben ihre Mailadresse an keinen Dritten weiter! Sie können den kostenlosen 4investors Newsletter jederzeit problemlos wieder abbestellen.
comments powered by Disqus

News und Informationen zur ElringKlinger Aktie

30.11.2016 - ElringKlinger meldet Großauftrag – Aktie im Plus
24.11.2016 - ElringKlinger: Kurs bleibt unbeeindruckt
15.11.2016 - ElringKlinger: Nach den Zahlen kommt das Kursziel unter Druck
09.11.2016 - ElringKlinger Aktie: Kursziel gesenkt
09.11.2016 - ElringKlinger: Ambitionierte Zielsetzung
08.11.2016 - ElringKlinger: Analysten bleiben bei Kaufempfehlung
08.11.2016 - ElringKlinger wird etwas pessimistischer für das Ergebnis
22.09.2016 - ElringKlinger: Leichte Zurückhaltung
26.08.2016 - ElringKlinger: Klare Abstufung
08.08.2016 - ElringKlinger: Verlorenes Vertrauen und Unsicherheiten

Aktie: ElringKlinger | WKN: 785602 | ISIN: DE0007856023 | Aktienindex: SDAX | Homepage: http://www.elringklinger.de/ | Branche: Zulieferer für die Automobil-Industrie - Dichtungen






Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

17.01.2017 - DF Deutsche Forfait beurlaubt Vorstandschef wegen Krankheit
17.01.2017 - 7C Solarparken platziert Kapitalerhöhung vollständig
17.01.2017 - Mologen: Wandelanleihe komplett platziert
17.01.2017 - Nanogate übernimmt Tochtergesellschaft komplett
17.01.2017 - DF Deutsche Forfait muss 4,9 Millionen Euro auf Restrukturierungsportfolio abschreiben
17.01.2017 - publity: Zukauf in Köln
17.01.2017 - PNE Wind: Fortschritte bei Offshore-Windprojekt
17.01.2017 - Deutz und Putzmeister vereinbaren Motorenlieferungen
17.01.2017 - Lufthansa Aktie: Gerüchte, Gerüchte
17.01.2017 - Ergomed Aktie deutlich im Plus nach ersten Zahlen für 2016


Chartanalysen

17.01.2017 - Nordex Aktie: Viele Sorgen und wichtige Signalmarken
17.01.2017 - Deutsche Bank Aktie: Zitterpartie voraus, oder Ausbruch?
17.01.2017 - Heidelberger Druck Aktie: Kurz vor dem großen Durchbruch?
17.01.2017 - E.On Aktie: Warum sich jetzt alles entscheiden könnte
17.01.2017 - Evotec Aktie: Das sorgt für Hoffnungen, aber...
17.01.2017 - Mologen Aktie: Kommt die Kursrallye zurück?
16.01.2017 - Novo Nordisk Aktie: Gelingen neue Kaufsignale?
16.01.2017 - Apple Aktie: Das wird sehr spannend!
16.01.2017 - Daimler Aktie: Trump sorgt für Nervosität, aber...
16.01.2017 - Ströer Aktie: Alles wartet auf das entscheidende Signal


Analystenschätzungen

17.01.2017 - Wirecard: Man sieht sich bestätigt
17.01.2017 - K+S: Plus 50 Prozent
17.01.2017 - Morphosys: 3 Euro Aufschlag
17.01.2017 - Daimler bekommt viel Lob, Continental und Volkswagen mit Kaufempfehlungen
17.01.2017 - E.On: Uniper lässt das Kursziel steigen
17.01.2017 - Wirecard: Da geht noch was
17.01.2017 - Nordex: Hier lockt ein deutlicher Kurssprung
17.01.2017 - Hugo Boss: Erwartungen werden erfüllt
17.01.2017 - K+S: Deutliches Abwärtspotenzial der Aktie
17.01.2017 - BASF: Favorit der Analysten


Kolumnen

17.01.2017 - Großbritannien: Ein harter Brexit nur auf den ersten Blick – VP Bank Kolumne
17.01.2017 - Trump und die Börse: Die Flitterwochen sind schon vorbei – Bank Sarasin Kolumne
17.01.2017 - ZEW-Konjunkturerwartungen schiessen nach oben – VP Bank Kolumne
17.01.2017 - Edelmetalle kommen zum Jahresauftakt wieder in Mode - Commerzbank-Kolumne
17.01.2017 - Henkel Aktie: Ausbruchspotenzial hoch - UBS Kolumne
17.01.2017 - DAX: Seitwärtstendenz setzt sich fort - UBS Kolumne
16.01.2017 - Ist UK auf dem Weg zum Hard Brexit? - National-Bank Kolumne
16.01.2017 - Linde Aktie: Tiefs werden gekauft - UBS Kolumne
16.01.2017 - DAX: Bereit für Ausbruch - UBS Kolumne
13.01.2017 - US-Einzelhandelsumsätze: Positive Zahlen treffen auf hohe Erwartungen - Nord LB Kolumne

Werbung

All Right Reserved by minimalthemes - ©2014 Stoffels & Barck GbR