GECAM: Aktienmärkte werden vom günstigen Ölpreis profitieren

Nachricht vom 01.02.2016 (www.4investors.de) - Chinas Wirtschaft schwächt sich ab, deshalb braucht sie weniger Öl und andere Rohstoffe. Das meinen zumindest die Weltuntergangs-Propheten, denen die Märkte aktuell nur zu gerne folgen. Dadurch fallen die Rohstoffpreise, allen voran der Ölpreis, so drastisch, was wiederum Unternehmen aus diesem Sektor in die Pleite treibt, die wiederum ihre kreditgebenden Banken mit in den Abgrund ziehen. Wir sind aber der Meinung, das stimmt nicht.

Veränderte Perspektiven zum Ölpreis
Zunächst einmal ist es schon verblüffend wie schnell sich ganz grundlegende Überzeugungen in der Welt wandeln. War noch vor zwei Jahren die Peak-Oil-Erwartung, also die Gewissheit, dass der Welt wohl bald das Öl ausgehe, vorherrschend, so ertrinkt die globale Wirtschaft aktuell geradezu in Öl. Öllager sind voll, Tankerkapazitäten werden zu Speichern umgewidmet, der Ölpreis stürzt ins Bodenlose. Prognosen von 20, 10 und sogar Null US-Dollar pro Barrel machen die Runde. Die angeblich schwache Konjunktur und die neue Überzeugung, dass die Welt in Zukunft nicht mehr so viel Öl brauche, seien die Ursachen.

Aus unserer Sicht sind solche Prognosen Ausdruck einer Übertreibung in der Endphase des sich dynamisierenden Abwärtstrends. Der Ölpreis rutschte in diesem noch jungen Jahr bereits knapp 28% ab, Rohstoffe im Allgemeinen um rund 13%. Ist das gerechtfertigt?

Betrachten wir die möglichen Gründe: China ist weiterhin der größte Rohstoff-Käufer der Welt. In Tonnen gerechnet sind die Rohstoffimporte bisher nicht zurückgegangen. Viele Betrachter machen den Fehler Rohstoffhandelszahlen in US-Dollar zu messen, der vermeintlich besseren Vergleichbarkeit wegen. Steigt dieser jedoch im Vergleich zur heimischen Währung an, so steigt ebenfalls die Summe, die man für Importe aufwenden muss bzw. fällt die Summe, die Exporteure dafür in der lokalen Währung bekommen. Genauso wirken die fallenden Rohstoffpreise unmittelbar. Importiert zum Beispiel Deutschland rund 2,4 Mio. Barrel pro Tag, so entspricht dies bei einem Ölpreis von 100 Dollar einer Ölimportrechnung von 240 Mio. Dollar. Fällt nun der Barrel-Preis auf 30 Dollar, so geht die Ölimportrechnung auf 72 Mio. Dollar zurück. Crash-Gurus würden jetzt die große Wirtschaftskrise in Deutschland ausrufen, da wir ja anscheinend viel weniger Öl brauchen. Umgekehrt wird jedoch ein Schuh daraus: Die deutschen Unternehmen und Verbraucher sparen nun 168 Mio. Dollar pro Tag! Ein echtes Konjunkturprogramm in Höhe von 61 Mrd. Dollar pro Jahr!

Für China gilt natürlich die gleiche Rechnung. Sie geht sogar noch besser auf, da der chinesische Yuan viel weniger zum Dollar schwankt, ja bis vor kurzer Zeit sogar noch an diesen gekoppelt war. Aber kauft China denn in absoluten Maßeinheiten gerechnet nun weniger oder mehr Rohöl in der Welt? Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Ölimporte um rund 9% auf 6,7 Mio. Barrel pro Tag an. Im Dezember wurde sogar ein Rekordniveau von 7,8 Mio. Barrel erreicht. Wahrlich kein Zeichen einer schwächelnden Konjunktur. 

Die Welt wird energieeffizienter


Auch weltweit gehen die Ölverbrauchsraten nicht zurück, sie stagnieren höchstens. Gründe für ein Wirtschaftswachstum, ohne stärkeren Ölverbrauch, sind die stark auf Energieeffizienz ausgerichteten Volkswirtschaften des Westens. Um eine Einheit Wirtschaftswachstum zu erzielen, ist beispielsweise in Deutschland nur noch die Hälfte der Energiemenge notwendig, wie noch in den 80er Jahren. Gleichzeitig wandeln sich die Volkswirtschaften weg von der energiefressenden Industrie und Produktionswirtschaft, hin zur Dienstleistungsindustrie. In den USA trägt der sogenannte Tertiäre Sektor mittlerweile rund 80% zur Wertschöpfung bei. Aber auch in Deutschland und Japan machen Dienstleister zwei Drittel der Wirtschaft aus. Und sogar in China, dem Inbegriff von Schwerindustrie, Bauindustrie und verarbeitendem Gewerbe, tragen Dienstleistungen fast die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei. Es gäbe also genügend Gründe, warum die Volkswirtschaften weniger Öl verbrauchen könnten, trotzdem steigen die Ölimporte. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Verdrängungswettbewerb und Spekulation sorgen für Kursstürze
Wieso fragt man sich, stellen sich die Rohstoff- und Öl-Produzenten nicht einfach hin und verkünden Förderkürzungen, um dem Preisverfall Einhalt zu gebieten? Natürlich, manchen Unternehmen und Staaten, wie Venezuela, steht das Wasser bis zum Hals und es wird jeder Dollar gebraucht, um die Staatshaushalte einigermaßen zu stützen. Kürzungen sind hier nicht möglich. Andere jedoch, wie zum Beispiel die arabischen Staaten oder Russland, haben zwar auch mit den niedrigen Preisen zu kämpfen, könnten aber temporäre Förderkürzungen verkraften. Warum also tun sie das nicht einfach, als Signal an die Märkte, dass die Preise nicht ins Bodenlose fallen? Die Antwort ist, es findet ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb zwischen den Rohstoffproduzenten statt, in der Hoffnung, schwache Marktteilnehmer aus dem Markt zu drängen, um in Zukunft höhere Marktanteile auf sich zu vereinen. Dass Saudi-Arabien solche Absichten verfolgt, ist gemeinhin bekannt. Erster Gegner ist die US-Fracking-Industrie, die sich jedoch robuster und flexibler zeigt, als die Araber dies wohl erwartet haben. Ein Beispiel aus dem Minen-Sektor ist jedoch vielleicht weniger bekannt. So kämpft Rio Tinto, einer der größten Bergbaukonzerne der Welt, zwar mit dem Preisverfall von Eisenerz, weitet aber die Produktion immer weiter aus. Im vierten Quartal wurden mit 87,2 Mio. Tonnen rund 10% mehr produziert als im Vorjahreszeitraum. Im laufenden Jahr will Rio Tinto sogar die Produktion auf 350 Mio. Tonnen ausweiten, nach 327,6 Mio. im letzten Jahr. Dieser Markt leidet unter Überkapazitäten und es geht um die Verteilung der Marktanteile von Übermorgen. Schwache und kleinere Minenbetreiber halten diese Preisschlacht nicht lange aus und werden ausscheiden.

Die Spekulanten dieser Welt springen natürlich auf solch eindeutige und lange Trends auf und verstärken diese. Aktuell ist die Anzahl der Short-Spekulationen im Bereich Rohstoffe, Energie und Emerging Markets so hoch wie noch nie - mit ein Grund für die Beschleunigung der Abwärtsbewegung in den letzten Wochen.

Die Welt profitiert von fallenden Rohstoffpreisen


Dass Rohstoffproduzenten unter den schwachen Rohstoffpreisen leiden, ist keine Frage. Doch die Profiteure überwiegen im Verhältnis von mindestens 3:1. Das bedeutet, es gibt viel mehr Länder, die Rohstoffe importieren als exportieren. Es gibt viel mehr Menschen auf der Welt, die Rohstoffe konsumieren als solche, die von der Förderung und dem Export derselben leben. Der Rückgang des Ölpreises von 100 auf 50 US-Dollar entlastet die Weltwirtschaft unter dem Strich rechnerisch um rund 2,2 % an Kosten. Das entspricht rund 1,6 Billionen US-Dollar pro Jahr! Dieser Effekt wirkt natürlich weiter, wenn der Ölpreis bei 30 Dollar notiert, selbst wenn dann negative Effekte, wie weniger Nachfrage aus den Schwellenländern, Verkäufe von Aktien aus den Beständen der Ölförderländer, um Staatshaushalte auszugleichen, usw. bremsend wirken. Der Effekt, dass jeder Verbraucher und jedes Unternehmen kräftig spart und dieses Geld, wenn auch zeitverzögert, für Konsum und Investitionen oder vielleicht auch für Aktienkäufe zur Verfügung steht, kann nicht negiert werden! Am Rande sei erwähnt, besonders stark vom billigen Öl profitiert China, das so heftig unter internationalem Beschuss steht.

Nachrichten passen immer zu den Kursen
Aktienmärkte sind kurzfristig stimmungs- und mediengetrieben. Wenn also zu Jahresbeginn der chinesische Aktienmarkt einbricht und die westlichen Märkte mitzieht, die dortige Regierung mit unglücklichen planwirtschaftlichen Maßnahmen agiert und die Rohstoffpreise einbrechen sowie die Risikobudgets institutioneller Anleger gleich zum Jahresanfang von Kursverlusten aufgezehrt werden, durch die steigende Volatilität selbst strategische Anleger zu Verkäufen gezwungen werden, dann passt natürlich die Nachrichtenlage zu diesem wenig objektiven Bild. Die Geschichte der schwachen Weltwirtschaft ausgehend von China und den Rohstoffländern wird erzählt, die nächste Finanzkrise ausgerufen, ein globaler Deflationsschock an die Wand gemalt, da China seine Währung etwas abwerten lässt (-8% zum US-Dollar) nachdem sie aber zuvor 27% aufgewertet hat.

Bewertungsdifferenzen weiten sich weiter aus
Folgt man dem Mainstream, sollte man wohl alles verkaufen und am besten auf Staatsanleihen setzen.  Damit wäre man in guter Gesellschaft mit der Europäischen Zentralbank, die genau diese Anleihen der Euroländer aufkauft. Übrigens meist zu negativen Renditen. Bei Anlagen in deutschen Staatsanleihen zahlt man bis zu 8-jährigen Laufzeiten drauf, sogar bei italienischen Staatsanleihen bekommt man erst ab 4 Jahren Laufzeit eine positive Rendite. Ganz im Gegensatz zu Aktien. Der deutsche Leitindex preist auf aktuellem Niveau einen Gewinneinbruch der Unternehmen von über 20% ein. Davon ist jedoch aus heutiger Sicht nichts zu sehen. Im Gegenteil, Analysten, welche die Geschäftsaussichten der einzelnen Konzerne analysieren, kommen auf Gewinnsteigerungen in diesem Jahr von knapp 10%. Dabei gehören die heimischen Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,9 zu den günstigsten in der westlichen Welt.

Fazit
Unser Eindruck ist, dass der Markt immer stärker kurzfristigen Themen hinterherjagt, diese verstärkt und lange in die Zukunft fortschreibt. Die zunehmende Volatilität sowie die mediale Begleitmusik tun ein Übriges, um die Verunsicherung zu befeuern, was die Investmenthorizonte der Anleger gezwungenermaßen verkürzt. Eine längerfristige Strategie und Analyse der Sachlage wird kaum mehr erwogen bzw. umgesetzt. Doch genau solche Phasen schaffen Opportunitäten, strategische Investments zu Ausverkaufskursen zu erwerben. Mitunter weiter starke Schwankungen nach ersten Käufen müssen jedoch in einem solchen Umfeld eingeplant werden.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der GECAM. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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