Nord LB – PMI: Trübes Fahrwasser für Chinas Industrieunternehmen

Nachricht vom 01.02.2016 (www.4investors.de) - Die konjunkturelle Verfassung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft hat den Marktteilnehmern zuletzt sicherlich mehr Sorgen als Freude bereitet. Und daran dürften auch die heute früh vorgelegten Ergebnisse zu den Stimmungsumfragen im Industriesektor kaum etwas ändern.

So deutet der – auch als offizielle Einkaufsmanagerumfrage bezeichnete – CFLP PMI Manufacturing auf einen unerwartet schwachen Start in das neue Jahr hin: Für den Berichtmonat Januar steht nach 49,7 Punkten im Vormonat nur noch ein Indexstand von 49,4 Zählern zu Buche (unsere Prognose: 49,9; Bloomberg: 49,6). Immerhin konnte sich der gemeinsam mit Markit erhobene Caixin PMI für das verarbeitende Gewerbe auf niedrigem Niveau stabilisieren. Beide Umfragen rangieren aber auch im Januar unterhalb der wichtigen 50-Punkte-Marke und signalisieren damit erwartungsgemäß eine rückläufige Dynamik in der Industrie. Insbesondere für die offizielle Umfrage waren wir – auch aufgrund der bisherigen Lockerungsschritte von Zentralbank und Zentralregierung – allerdings schon von einer Stabilisierung ausgegangen und sind entsprechend enttäuscht.

In Verbindung mit den anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf die derzeitige Renminbi-Schwäche und der sich scheinbar ungebremst fortsetzenden Verkaufsstimmung an den Festlandbörsen wird die am aktuellen Rand vorherrschende China-Angst sicherlich noch einmal angeheizt. Gleichwohl dürfen bei aller gebotenen Vorsicht die Implikationen hinsichtlich der mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten nicht außer Acht werden. Und hier muss klargestellt werden, dass die derzeitige Problemlage im chinesischen Industriesektor keinesfalls neu ist. Das gilt insbesondere für die Überkapazitäten in den alten Industriezweigen wie zum Beispiel dem Bergbau oder auch der Zementindustrie. Peking hat hier jüngst schon als drastisch zu bezeichnende Maßnahmen angekündigt: Unter anderem soll im Verlauf der kommenden Monate und Jahre der Betrieb in weit mehr als 4.000 Minen eingestellt werden.

So spiegeln die Zahlen zu den Einkaufsmanagerumfragen für das verarbeitende Gewerbe nicht nur die sich stetig fortsetzende Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik wider, sondern auch die zunehmende Gewissheit, dass die Zentralregierung die bestehenden Ungleichgewichte angehen will. Eine spürbare Erholung wird dies allerdings erst deutlich zeitverzögert auslösen. Die Rahmenbedingungen für Chinas Industrie sind am aktuellen Rand weiterhin mehr als herausfordernd. Dies wird auch durch den Rückgang nahezu aller Subkomponenten zum CFLP PMI Manufacturing angezeigt. Als überraschend freundlich stechen aber immerhin der anhaltende Anstieg der Inputpreise (+2,7 Punkte nach +1,3 im Vormonat) sowie eine weniger trübe Stimmung bei den Kleinunternehmen (46,1 Zähler nach 44,9 im Dezember) heraus.

Der ebenfalls heute früh veröffentlichte CFLP PMI Non-Manufacturing konnte sich mit 53,5 Punkten nicht auf dem starken Vormonatsniveau halten. Tatsächlich weist die Umfrage aber auf eine anhaltend hohe Dynamik im an Bedeutung gewinnenden Dienstleistungssektor hin. Für ein abgerundetes Bild der Stimmungslage wird nun auf die Markit/Caixin-Variante zur Einkaufsmanagerumfrage im Servicesektor zu warten sein, deren Ergebnisse am Mittwoch vorgelegt werden.

Fazit: Chinas Industriesektor bleibt im trüben Fahrwasser. Insbesondere mit Blick auf die offizielle CFLP PMI Umfrage deutet sich ein anhaltend schwieriges Umfeld für die Industrieunternehmen im Reich der Mitte an. Auf die Stimmung drücken auch die Ankündigungen Pekings, einschneidende Eingriffe vorzunehmen. Die weiche Landung der chinesischen Volkswirtschaft setzt sich entsprechend genauso fort wie der Umbau des Wachstumsmodells mit allen seinen Vor- und Nachteilen.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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