PNE WIND: Zeitenwende nach der Unruhe – Exklusiv-Interview mit Per Hornung Pedersen

Interimschef im Interview: PNE-WIND-Chef Per Hornung Pedersen stellt sich den Fragen der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: PNE WIND.

Interimschef im Interview: PNE-WIND-Chef Per Hornung Pedersen stellt sich den Fragen der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: PNE WIND.

Nachricht vom 25.01.2016 (www.4investors.de) - Bei PNE WIND sind die ersehnte Gelassenheit und der Fokus auf das operative Geschäft zurückgekehrt: „Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand läuft reibungslos und intensiv“, sagt Per Hornung Pedersen, neuer CEO des Windenergiekonzerns im Interview mit www.4investors.de. Der frühere REpower-Chef nimmt zudem Stellung zu den aktuellen Situationen bei der Tochtergesellschaft WKN AG, die 2015 ein Sorgenkind war, und der YieldCo, mit der PNE WIND Neuland betreten hat – Neuland, das einen Wachstumsschub für das Windenergieunternehmen bringen soll und richtungsweisend sein kann.


www.4investors.de: Mit der Neubesetzung des Aufsichtsrates und Teilen des Vorstands sollten die Streitigkeiten bei PNE WIND befriedet werden. Ist das gelungen?

Pedersen:
Der im Oktober neu gewählte Aufsichtsrat hat sich in den vergangenen Wochen zusammengefunden und in die aktuellen Themen eingearbeitet. Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand läuft reibungslos und intensiv.

www.4investors.de: Im Zuge der Neubesetzungen hat Martin Billhardt seinen Posten als Vorstandsvorsitzender geräumt. Sie sind vom Aufsichtsrat in den Vorstand gewechselt, allerdings als Interimsmanager angetreten, was für Investoren weitere Unsicherheit über den zukünftigen Kurs des Managements mit sich bringt. Was hat zu dieser Zwischenlösung geführt?

Pedersen:
Der Vorstand der PNE WIND AG bestand stets aus drei Personen. Das ist angesichts der Vielzahl der im Tagesgeschäft anstehenden Aufgaben auch sinnvoll. Nun ergab sich die Situation, dass der Aufsichtsrat Zeit benötigt, um ein drittes Vorstandsmitglied in einem sauberen Verfahren auszuwählen. Um die Vorstände Markus Lesser und Jörg Klowat in dieser Situation zu entlasten, entschied sich der Aufsichtsrat, mich für den Zeitraum bis zur nächsten Hauptversammlung in den Vorstand zu berufen. Dabei spielten meine Kenntnisse der Windbranche und Führungserfahrungen eine Rolle. Da parallel das Verfahren zur Suche nach einem Vorstandsmitglied läuft, ist dies eine Interimslösung.

www.4investors.de: Können sie sich auch ein Engagement als CEO über die Hauptversammlung Ende Mai hinaus vorstellen?

Pedersen:
Die Entscheidung über den künftigen Vorstandsvorsitzenden muss natürlich der Aufsichtsrat treffen. Das wird bis zur Hauptversammlung im Mai dieses Jahres erfolgen. Ich kann und möchte dem derzeit nicht vorgreifen.

www.4investors.de: Einer der großen Streitpunkte zwischen PNE WIND und Großaktionär Volker Friedrichsen waren Schadenersatzforderungen von PNE gegen Friedrichsen aus dem WKN-Deal. Um diesen Rechtsstreit ist es ruhig geworden. Wie ist der Stand der Dinge?

Pedersen:
Hierzu ist ja ein Schiedsgerichtsverfahren anhängig, das weiter läuft. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich zu einem laufenden Verfahren nicht weiter äußern kann.

www.4investors.de: Verfolgt PNE WIND aus dem „Fall WKN“ weiter auch mögliche Ansprüche gegen Siemens?

Pedersen:
Gegenüber Siemens wurden Garantieansprüche geltend gemacht. Dieses Schiedsverfahren wurde jedoch einvernehmlich aus prozessökonomischen Gründen bis auf Weiteres ausgesetzt. Hier soll zunächst eine Entscheidung in dem anderen Verfahren abgewartet werden.

www.4investors.de: Hat sich die finanzielle Lage der WKN AG mittlerweile wieder stabilisiert?

Pedersen:
Die WKN hat zum Ende 2015 den Windpark Westerengeln verkauft, was ein erfreulicher Abschluss des Geschäftsjahres war. In 2016 konnten Projekte in Frankreich erfolgreich veräußert werden. Operativ geht es also vorwärts. Im Tagesgeschäft finanziert sich die WKN-Gruppe im Wesentlichen aus einem Betriebsmittel-Konsortialkredit, über den es in 2015 Gespräche mit den Kreditgebern gab, die positiv abgeschlossen werden konnten. Der Kredit steht weiterhin zur Verfügung.

www.4investors.de: Wird es nach den personellen Neubesetzungen einen neuen operativen Kurs bei PNE WIND geben?

Pedersen:
Ich sehe keine Veränderung der Strategie. PNE WIND wird das Kerngeschäft der Windparkprojektierung national und international fortsetzen. Dass es im Tagesgeschäft immer wieder einmal zu Anpassungen kommt, ist normal und angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen auch erforderlich.

www.4investors.de: Einer der Schwerpunkte ihres Geschäfts ist derzeit die YieldCo. Wie sind dort die aktuellen Entwicklungen? Befinden sie sich im Zeitplan und wann wird das Portfolio der YieldCo komplett sein?

Pedersen:
Die YieldCo kommt sehr gut voran. Insgesamt sind dafür Windparks mit rund 150 MW Nennleistung vorgesehen. Bis Ende 2015 waren bereits Windparks mit rund 66,6 MW Nennleistung in der YieldCo gebündelt. Diese Windparks sind in Betrieb und generieren erste Ergebnisse. Weitere Windparks für die YieldCo mit rund 27,3 MW Nennleistung befinden sich im Bau und werden in den kommenden Monaten ans Netz gehen. Damit befinden wir uns im Zeitplan.

www.4investors.de: Offen ist derzeit, wie der Exit von PNE WIND aus dem ersten YieldCo-Projekt vonstatten gehen wird. YieldCos haben in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit an der Börse erfahren, in Nordamerika bläst einigen Unternehmen der Wind aber hart ins Gesicht. Präferieren sie vor diesem Hintergrund einen Verkauf an institutionelle Investoren statt eines Börsengangs?

Pedersen:
Wir bleiben dabei, dass wir die Anteile an der YieldCo ganz oder teilweise veräußern wollen, wenn die Zielgröße von Windparks mit rund 150 MW erreicht ist. Ob dies über einen Börsengang oder direkte Beteiligungen erfolgt, ist noch nicht entschieden. Dies ist auch eine Frage des Marktes. Außerdem gilt es, die langfristig beste Entscheidung für unsere Aktionäre zu finden.

www.4investors.de: Wie stark wird die YieldCo ins Risiko gehen, zum Beispiel mit welchen Fremdkapitalanteilen und Renditen können die zukünftigen Käufer rechnen?

Pedersen:
Alle Windparks, die in der YieldCo gebündelt werden, befinden sich bereits in Betrieb und erhalten langfristig kalkulierbare Vergütungen für den erzeugten Strom. Die Finanzierung der Windparks ist nach marktüblichen Konditionen gestaltet. Die Daten aus dem Betrieb der Windparks sind für potenzielle Investoren eine realistische Grundlage für die Berechnung der möglichen Renditen. Zur genauen Höhe der Renditen möchte ich derzeit mit Rücksicht auf kommende Gespräche allerdings noch nichts sagen.

www.4investors.de: Welche Schwerpunkte wird PNE WIND außerhalb der YieldCo-Aktivitäten in diesem Jahr setzen?

Pedersen:
Wir werden natürlich auch weiterhin genehmigte Projekte und in Betrieb genommene Windparks an Investoren veräußern. Im Offshorebereich sollten wir in diesem Jahr ebenfalls ein weiteres gutes Stück voran kommen. Auf erfreulichem Wachstumskurs befindet sich unsere Tochtergesellschaft „energy consult“, die das kaufmännische und technische Betriebsmanagement für Windparks anbietet.

www.4investors.de: Der Verkauf des UK-Portfolios war für PNE WIND ein großer Meilenstein im vergangenen Jahr, Teile des Verkaufspreises werden dem Unternehmen allerdings als Meilensteinzahlungen erst zukünftig zufließen. In Großbritannien wird in Sachen Windenergie ein neuer politischer Kurs gefahren. Sehen sie hieraus Gefahren, dass die noch anstehenden Zahlungen ausfallen oder kleiner als erwartet ausfallen werden?

Pedersen:
Zunächst einmal war es für die PNE WIND AG ein bemerkenswerter Erfolg, in Großbritannien das Tochterunterunternehmen mit dem gesamten Projektportfolio verkaufen zu können. Wir haben dafür ja auch eine ansehnliche erste Zahlung erhalten. Weitere Milestone-Zahlungen sind an den Fortschritt der Projekte geknüpft, von denen rund 117 MW beim Verkauf bereits genehmigt waren. Die Projekte befinden sich überwiegend in Schottland, wo die Regierung eine positivere Einstellung zu Erneuerbaren Energien hat, als etwa in England. Natürlich muss immer damit gerechnet werden, dass einzelne Projekte nicht genehmigt werden, aber das sind Ausnahmen. Auch wir haben das Ende vergangenen Jahres nicht genehmigte Projekt noch nicht aufgegeben und prüfen neue Lösungen.


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Aktie: PNE WIND | WKN: A0JBPG | ISIN: DE000A0JBPG2 | Branche: Windpark-Projektierung, Komponentenherstellung für Windenergie-Anlagen (Fluegel)




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