National-Bank: Tagung des EZB-Rats im Fokus

Nachricht vom 21.01.2016 21.01.2016 (www.4investors.de) - Der Ton wurde am gestrigen Handelstag erneut von den „üblichen“ Themen angegeben: Die nachgebenden Ölpreise tragen zur Sorge vor einem Einbruch der weltwirtschaftlichen Aktivität bei, was wiederum seinen Niederschlag in den Aktienmärkten findet, zumal die US-Unternehmen bislang kaum mit guten Nachrichten über das abgelaufene vierte Quartal 2015 aufwarten konnten. Gesucht sind in diesem Umfeld vor allem Bundesanleihen und US-Treasuries. Während der Bund Future zwischenzeitlich die Marke von 161 überschreiten konnte, tauschte die Rendite von 10jährigen US-Treasuries bis auf rund 1,94% ab.

Die Stimmen, die davon ausgehen, dass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus weiter nach hinten schiebt, werden bereits jetzt deutlich vernehmbar lauter. Die US-Konjunkturdaten vom gestrigen Handelstag fielen nicht unbedingt ermutigend aus, denn sie blieben hinter den Schätzungen zurück. Die Kernrate der Konsumentenpreise liegt auf Jahresbasis aber immer noch bei rund 2%. Das ist zwar nicht das von der Fed präferierte Maß, ignorieren kann sie es jedoch nicht. Deflationäre Tendenzen sind jedenfalls nicht zu erkennen.

Einen Einblick in die Stimmungslage der Marktakteure zum Thema Inflation dürfte es heute geben: Es geht dabei um die Aufnahme der 10jährigen TIPS, die das US-amerikanische Schatzamt heute im Angebot hat. Wenn die Marktteilnehmer nicht daran glauben, dass die Preisdynamik nicht in absehbarer Zeit wieder anzieht, dürfte es schwierig werden, die TIPS zu platzieren. Man darf also gespannt sein, wie groß die Zugeständnisse bei der Emission aussehen. Auch einer anderen Information dürfte heute viel Aufmerksamkeit gewidmet werden: Der Höhe des US-Öllagerbestände. Der Ölpreis wird nämlich weiterhin im Fokus bleiben. Auch wenn den Marktteilnehmern bewusst ist, dass es ein „Angebotsproblem“ gibt, dürften niedrige bzw. sinkende Ölpreise immer wieder als Auslöser für Wachstumsängste herhalten.

Zentrales Ereignis des Tages ist jedoch ohne Zweifel die Tagung des EZB-Rats. In der anschließenden Pressekonferenz wird Mario Draghi, wie immer, die Handlungsbereitschaft der EZB signalisieren und der Sorge Ausdruck verleihen, dass die Teuerungsdynamik so gering ist. Für weitere geldpolitische Entscheidungen wird er auf die aktualisierten Projektionen der EZB im März verweisen. Nach den „Kommunikationsproblemen“ im Vorfeld der Dezember-Tagung wird er sich jedoch hinsichtlich der aus den Projektionen abzuleitenden Maßnahmen zurückhalten. Dementsprechend könnte sich die Pressekonferenz als „non-event“ erweisen.

Am Nachmittag werden einige US-Konjunkturdaten veröffentlicht. Hier ist der Phili Fed Indikator am meisten zu beachten. Ob die Aktivität in der Industrie sich tatsächlich belebt haben könnte, wie es die Konsensschätzung vermuten lässt, ist zu bezweifeln.

Der Bund Future dürfte aufgrund der Vorgaben aus Asien wenig verändert in den Handelstag starten. Die Emissionen aus Frankreich und Spanien werden sich sehr gut platzieren lassen. Danach ist Warten auf die EZB-Pressekonferenz angesagt. Danach kann es zu einigen Gewinnmitnahmen kommen. Der Bund Future sollte sich zwischen 160,10 und 161,70 bewegen. Die Rendite der 10jährigen US-Treasuries sollte zwischen 1,93 und 2,10% schwanken.


Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der National-Bank AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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