Bastei Lübbe: „Wir haben große Erwartungen an BEAM und Daedalic“

Bastei Lübbe Vorstandschef Thomas Schierack im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de.

Bastei Lübbe Vorstandschef Thomas Schierack im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de.

Nachricht vom 01.07.2015 (www.4investors.de) - Bastei Lübbe hat das digitale Wachstumstempo im Geschäftsjahr 2014/15 weiter beschleunigt. Der Umsatzanteil der digitalen Produkte kletterte von 14,4 Prozent im Vorjahr auf 21,1 Prozent – und soll bis 2018/19 auf mindestens 50 Prozent steigen. Maßgeblichen Anteil daran sollen die Beteiligungen an der Streaming-Plattform BEAM und dem Spiele-Publisher Daedalic haben.

Nach der Präsentation der Zahlen spricht die Redaktion von www.4investors.de mit Vorstandschef Thomas Schierack über die Weiterentwicklung zum internationalen digitalen Multimedienunternehmen, die anstehende Refinanzierung der im kommenden Jahr fälligen Unternehmensanleihe und die jüngsten Veränderungen im Aktionärskreis.


www.4investors.de: Herr Schierack, obwohl das Geschäftsjahr 2014/2015 wie angekündigt ein Übergangs- und Aufbaugeschäftsjahr war, hat Bastei Lübbe ein Zahlenwerk vorgelegt, das von Beobachtern als erfreulich gewertet wird. Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights des letzten Jahres?

Schierack: Wir sind insgesamt wirklich sehr zufrieden mit unserem starken Ergebnis. Aus meiner Sicht ist das Highlight ganz klar, dass sich die die digitalen Umsätze erneut sehr stark entwickelt haben. Sie sind im vergangenen Geschäftsjahr um 50,3 Prozent auf 23,3 Millionen Euro gestiegen. Das unterstreicht den Erfolg unserer Strategie, den wachstumsstarken Digitalbereich konsequent auszubauen. Darauf soll auch in den nächsten Jahren der Fokus liegen.

www.4investors.de: Die Ergebnissituation im Geschäftsjahr 2014/2015 war auch geprägt durch zahlreiche außerordentliche Erträge und Aufwendungen. Könnten Sie diese bitte kurz beschreiben?

Schierack: In der Tat ist unser Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Konzern-EBITDA) überproportional um 9,3 Prozent auf 17,7 Millionen Euro (Vorjahr: 16,2 Millionen Euro) angestiegen. Das Geschäftsjahr 2014/2015 war dabei insgesamt geprägt durch außerplanmäßige Erträge, aber auch außerplanmäßige Aufwendungen – beides übrigens insbesondere im Zusammenhang mit dem konsequenten Ausbau unserer Digitalisierung und Internationalisierung. Zunächst sorgte der Verkauf eines 55prozetigen Anteils an BEAM inklusive der Höherbewertung der verbliebenen Anteile bei Bastei Lübbe (45 Prozent) für einen außerordentlichen Ertrag. Dieser wurde allerdings nahezu vollständig durch signifikante außerplanmäßige Aufwendungen, wie Kosten für die Integration der Beteiligungen, außerplanmäßige Abschreibungen, Aufwendungen der Künstlersozialkasse und mehr kompensiert. Am Ende stand jedoch unterm Stich mit Blick auf das Übergangsjahr ein wirklich attraktives Ergebnis.

„Haben stark in die weitere Digitalisierung investiert“


www.4investors.de: Sie haben das digitale Wachstumstempo bereits angesprochen. Sehen Sie sich damit in Ihrer Strategie der Weiterentwicklung von Bastei Lübbe zum internationalen digitalen Multimedienunternehmen bestätigt?

Schierack: Hundertprozentig. Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr stark in die weitere Digitalisierung investiert und wir sehen, dass unsere angestammten und neuen Digitalbereiche allesamt unser Wachstum unterstützen können. Egal ob die Streaming-Plattform BEAM, die Selfpublishing-Plattform BookRix oder Daedalic als Top-Game-Publisher – alle entwickeln sich positiv und bringen die Bastei Lübbe AG weiter nach vorne. Und übrigens: Ich finde, dass wir gerade im Digitalbereich schon heute beeindruckende Volumina zeigen: Der Umsatzanteil der digitalen Produkte am Gesamtumsatz der Bastei Lübbe AG hat sich in den letzten Jahren signifikant erhöht und betrug im Geschäftsjahr 2014/2015 inklusive der digitalen Audioumsätze sowie der Umsätze der Tochtergesellschaften Daedalic Entertainment, BEAM und BookRix 21,1 Prozent (Vorjahr: 14,4 Prozent).

www.4investors.de: Dieser Umsatzanteil soll innerhalb von vier Jahren auf mindestens 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausgebaut werden. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie dies erreichen?

Schierack: Wir werden uns konsequent in diese Richtung weiterbewegen. Die Weichen haben wir längst gestellt, um die Digitalisierung unseres Unternehmens auf nationaler sowie internationaler Ebene zeitnah deutlich auszubauen. Gerade in diesem Übergangs- und Aufbaugeschäftsjahr 2014/2015 konnten wir das digitale Wachstumstempo erneut steigern. Den nächsten Meilenstein werden wir im nächsten Geschäftsjahr erreichen, wenn unsere auf Kurzinhalte und Serien spezialisierte, internationale Streaming-Plattform BEAM an den Start geht. Und natürlich wird die Erweiterung des Produktportfolios des Spieleherstellers Daedalic Entertainment eine entscheidende Rolle spielen.

www.4investors.de: BEAM soll 2016 starten – welche konkreten Erwartungen haben Sie an diese Streaming-Plattform?

Schierack: Es ist das mit Abstand ambitionierteste Einzelprojekt unseres Hauses, und wir haben wirklich große Erwartungen an BEAM. Wir werden 2016 den „Roll out“ schaffen und unsere Inhalte – Serienformate und Kurzinhalte – im gesamten deutschsprachigen und englischsprachigen Raum, also auch in den USA und Großbritannien, anbieten. Schon 2017/2018 folgen dann im zweiten Schritt die Sprachen Spanisch, Portugiesisch und Chinesisch (Mandarin). Damit können wir dann Kunden in allen großen Weltsprachen anlocken. Unser Streamingdienst ist als „mobile-first“-Entertainment konzipiert. Er ist auf Smartphones und Tablets nutzbar. Insbesondere von Smartphones versprechen wir uns eine massive Nutzung.

www.4investors.de: Sie haben schon skizziert, dass BEAM für große Wachstumsimpulse bei Bastei Lübbe sorgen könnte. Sie haben insbesondere im Digitalbereich aber noch mehr zugekauft, beispielsweise die Spieleschmiede Daedelic Entertainment. Welche Pläne haben Sie damit?

Schierack: Daedalic wird in den nächsten Jahren neben BEAM eine sehr entscheidende Rolle und Funktion bei der digitalen Entwicklung unseres gesamten Hauses einnehmen. Das Unternehmen gehört zu den angesehensten Spielepublishern in Deutschland. Was Daedalic stets ausgezeichnet hat und vom Wettbewerb unterscheidet, ist die starke Fokussierung auf Eigenentwicklungen im hauseigenen Writers Room. Hier liegt ein gewaltiges Synergiepotenzial durch die Vernetzung innerhalb der Lübbe-Gruppe. Bastei Lübbe hat ebenfalls sehr starke und seit Jahrzehnten etablierte eigene Marken und Produkte. Die können jetzt von Daedalic auf völlig neue Art genutzt und weiterentwickelt werden – und umgekehrt.

Daedalic soll sich „ verstärkt auf internationale Brands fokussieren“


www.4investors.de: Wie wird sich dies nach Ihren Erwartungen auf den Output bei Daedalic auswirken?

Schierack: Das Ergebnis wird sein, dass in den kommenden Jahren der Output an eigenentwickelten und damit lizenzfreien Games für alle Geräte vom Smartphone über Konsolen bis zum PC stark steigen wird. Neben den Eigenproduktionen wollen wir uns bei Daedalic verstärkt auf internationale Brands fokussieren - hier insbesondere auch Brands im Bereich von Serieninhalten. Dies ist eine Entwicklung, die allgemein am Spielemarkt international seit Jahren zu sehen ist. Auch Bastei Lübbe ist verstärkt in diesem Bereich mit eBooks, Büchern etc. vertreten. Mit dieser Fokussierung auf internationale Brands wollen wir den Umsatz in den nächsten vier Jahren vervielfachen. Für das Geschäftsjahr 2018/2019 erwarten wir hier einen Umsatz allein mit Daedalic von über 65 Millionen Euro.

www.4investors.de: Kommen wir auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen, in dem Sie weder einen neuen Roman von Dan Brown noch von Ken Follett auf den Markt bringen können. Wie wollen Sie diese Lücke kompensieren?

Schierack: Internationale Top-Autoren wie Dan Brown und Ken Follett sorgen bei den Verkaufs- und Umsatzzahlen immer für Peaks, wenn sie ein neues Buch veröffentlichen. Wir haben aber in den vergangenen Jahren auch im Buchbereich neben unseren großen deutschen Namen Rebecca Gablé und Sebastian Fitzek viele neue und junge Autoren aufgebaut, die schon jetzt für eine viel gleichmäßigere Umsatzkurve als früher sorgen. Daher: selbst wenn wir im laufenden Geschäftsjahr keinen neuen Bestseller von Brown oder Follett im Programm haben, erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 einen Anstieg des Konzernumsatzes auf knapp 115 Millionen Euro. In den beiden Folgejahren soll nach aktueller Planung der Umsatz jeweils um mindestens 10 Prozent steigen.

www.4investors.de: Das operative Ergebnis wird 2015/2016 bedingt durch die weiterhin notwendigen Investitionen in die digitale Offensive leicht unterhalb des Vorjahres erwartet. Müssen sich Bastei-Lübbe-Aktionäre damit auch auf eine niedrigere Dividende einstellen?

Schierack: Unser Ziel war es stets und ist es weiterhin, unseren Aktionären eine attraktive Dividende zu zahlen. Dieses Ziel hat Bestand. Insofern werden wir alles tun, um die Dividende konstant zu halten oder sogar zu erhöhen. Dass sich Aktionäre bereits heute auf eine niedrigere Dividende einstellen müssen, sehe ich nicht. Und auch beim operativen Ergebnis bin ich optimistisch.

www.4investors.de: Im kommenden Jahr steht die Refinanzierung der Unternehmensanleihe an. Haben Sie schon einen konkreten Plan für die Anschlussfinanzierung in der Tasche?

Schierack: Es ist richtig, dass die Unternehmensanleihe im nächsten Jahr, das heißt konkret im Oktober 2016, zurückgezahlt werden muss. Die Gespräche für eine Umfinanzierung in gleicher Höhe laufen. Wir werden aller Voraussicht nach einen Konsortialkredit mit unseren Hausbanken abschließen. Die Laufzeit wird dann fünf Jahre betragen. Die Konditionen sind aufgrund der aktuellen Zinslage erheblich besser, als bei der Anleihe (Coupon 6,75 Prozent) und liegen voraussichtlich zwischen 1,5 Prozent und 2,0 Prozent. Die jährliche Ersparnis an Zinsen dürfte bei ca. 1,3 Millionen Euro bis 1,5 Millionen Euro liegen. Die entsprechenden Verträge wollen wir noch in diesem Jahr abschließen, um hier auch eine Finanzierungssicherheit zu haben.

www.4investors.de: Unruhe gab es in den vergangenen Monaten im Aktionärskreis. Obwohl Sie die Allianz Global Investors als neuen Großaktionär präsentieren konnten, ist der Aktienkurs zuletzt wieder unter Druck geraten. Gibt es weiteren Umplatzierungsbedarf unter den Altaktionären?

Schierack: Mit der Kursentwicklung sind wir nicht wirklich zufrieden. Nach dem Tod von Stefan Lübbe sind Aktien durch Frau Lübbe veräußert worden. Dies ist allerdings seit Monaten abgeschlossen. Einen weiteren Umplatzierungsbedarf unter den Aktionären gibt es nicht. Es hat uns sehr gefreut, dass die Allianz Global Investors als neuer Aktionär zu uns gestoßen ist. Das hatte dann zunächst auch einmal einen positiven Effekt auf den Kurs. Die Verwerfungen in dieser Woche sind sicherlich auf die Griechenlandkrise zurückzuführen, allerdings hat der Kurs sich auch in den letzten Wochen wenig erfreulich entwickelt. Die Hintergründe sind für uns nicht nachvollziehbar. Wir haben unsere eigenen Erwartungen für das Geschäftsjahr 2014/2015 übertroffen und ein super Ergebnis hingelegt. Die aktuellen Geschäfte laufen ebenfalls gut. Der digitale Anteil hat sich auf 21 Prozent erhöht. Hier liegen wir weit über dem Branchendurchschnitt. Und mit BEAM und Daedalic haben wir zwei „Pfeile im Köcher“, die uns in den nächsten Jahren hohe Umsätze und EBITDAs im digitalen Bereich versprechen.

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