Ergomed: „Evotecs fantastischer Erfolg ist ein positives Signal“

Dan Weng, CEO des britischen Biotechunternehmens Ergomed, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Ergomed.

Dan Weng, CEO des britischen Biotechunternehmens Ergomed, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Ergomed.

Nachricht vom 21.11.2017 21.11.2017 (www.4investors.de) - Profitables Wachstum durch Zukäufe und im operativen Geschäft, eine starke Bilanz und interessante Medikamentenprojekte: Bei Experten steht die Ergomed Aktie hoch im Kurs. Dennoch fällt der britische Biotechwert in der Aufmerksamkeit unter Anlegern hinter vergleichbaren Unternehmen wie Evotec zurück. Zurecht? Im 4investors Interview steht Dan Weng, CEO von Ergomed, Rede und Antwort zu den weiteren operativen Plänen und Übernahme-Ideen des Konzerns, den Parallelen zu Evotec und den kommenden Haemostatix-News.


www.4investors.de: In der ersten Jahreshälfte konnte Ergomed auch um Zukäufe bereinigt deutlich wachsen. Lässt sich das organische Wachstum in der Servicesparte in diesem Tempo weiter fortführen, oder werden sich die Wachstumsraten in der nächsten Zeit abflachen?

Weng:
Wir sind immer noch ein kleiner bis mittelgroßer Akteur in einem Markt, der 30 Milliarden US-Dollar und mehr groß ist, und haben daher sehr viel Spielraum für Wachstum. Unsere Service-Umsätze resultieren aus unseren Dienstleistungen, die wir in den Bereichen Pharmakovigilanz und klinische Entwicklung erbringen. Die Einnahmen im Bereich Pharmakovigilanz erfolgen kontinuierlich, während in der klinischen Entwicklung projektbasiert abgerechnet wird und die Umsätze entsprechend verbucht werden. Wir sehen keinen Grund, warum sich unser Wachstum kurz- bis mittelfristig verlangsamen sollte, und sind auf Kurs, die von unseren Analysten prognostizierten Ziele zu erreichen.

www.4investors.de: Sie profitieren bisher vom Trend in der Medikamentenentwicklung, dass die Arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung an spezialisierte Dienstleister ausgelagert werden. Wie wird sich dies in den kommenden Jahren entwickeln und was sind die Gründe für diesen Trend?

Weng:
Teile der Forschung und Entwicklung auszulagern, wird für viele Pharma- und Biotech-Unternehmen aufgrund der Kosten- und Zeitersparnis sowie der Expertise und Erfahrung, die die CROs mitbringen, immer attraktiver. CROs werden als „verlängerter Arm“ für die Forschung und Entwicklung in dieser Branche immer wertvoller. In unserem Fall zum Beispiel nutzen Pharma- und Biotech-Unternehmen die Expertise eines spezialisierten Anbieters wie Ergomed, um komplexe klinische Studien in verschiedenen Indikationen effizient zu managen und durchzuführen. Wir sind bereits seit 20 Jahren im Geschäft und haben einen breiten Erfahrungsschatz, konzentrieren uns dabei aber auf einige spezialisierte Bereiche. Ein Beispiel dafür wäre die Entwicklung von Orphan-Arzneimitteln - mit der Akquisition der PSR Group haben wir unsere Expertise auf diesem Gebiet weiter deutlich verstärkt. Orphan Drugs erfordern aufgrund der geringen Anzahl verfügbarer Patienten, der Schwere der Erkrankung und der oft akuten Symptomatik besondere Entwicklungskompetenzen. Wir bieten unser spezielles Site-Management-Modell an, das eine reibungslose Interaktion zwischen den klinischen Zentren, Patientenorganisationen und Interessengruppen und unserem Study Physician Team ermöglicht. Das Study Physician Team interagiert regelmäßig mit den Studienärzten, um Best-Practices in allen Zentren zu entwickeln und zu implementieren. Auch Krebstherapien werden zunehmend spezialisierter und auf den individuellen Patienten zugeschnitten. Daher erfordern diese ebenfalls spezialisierte Fähigkeiten, um einen möglichst effizienten Ablauf der Studien zu gewährleisten.

www.4investors.de: In Deutschland hat das Geschäftsmodell von Evotec diverse Ähnlichkeiten mit Ergomed. Evotecs Aktienkurs hat sich seit 2016 vervielfacht, Ergomeds Performance bleibt weit dahinter zurück. Wo sehen sie die Gründe und wird Ergomed aufholen können?

Weng:
Wir sind der festen Überzeugung, dass Evotecs fantastischer Erfolg ein positives Signal für Ergomed ist. Er ist ein Zeichen dafür, dass das hybride Geschäftsmodell zunehmend akzeptiert und als Motor angesehen wird, um nachhaltigen Wert für die Aktionäre zu schaffen. Seit ihrer Gründung war ein zentraler Aspekt der Tätigkeit beider Gesellschaften als Dienstleister Unternehmen aus dem Pharma- und Biotech-Sektor in der Arzneimittelentwicklung zu unterstützen. Basierend auf diesem profitablen Geschäft haben sich die Unternehmen durch sorgfältig ausgewählte Partnerschaften an der Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten beteiligt und nutzen einen Teil ihrer Marge, um dies zu ermöglichen. In dieser Hinsicht sind diese „hybriden Geschäftsmodelle“ daher ähnlich. Während Evotec sich mit seinen Dienstleistungen jedoch auf die präklinischen Phasen konzentriert, konzentriert sich Ergomed auf die klinische Entwicklung ab Phase I. Wir verfolgen eine ähnliche Wachstumsstrategie, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen.

www.4investors.de: Sorgt Sie der Brexit in Zusammenhang mit ihrem operativen Geschäft und dem Aktienkurs?

Weng:
Obwohl wir in der UK an der Börse gelistet sind, sind die meisten unserer Kunden und Mitarbeiter außerhalb der UK ansässig. Wir sind ein globales Unternehmen – daher erwarten wir keine negativen Auswirkungen durch den Brexit.

www.4investors.de: Die Übernahme der PSR Group ist mittlerweile perfekt und verstärkt die Servicesparte weiter. Was hat Ergomed bewogen, den Kauf zu tätigen, und wie wird sich der Zukauf auf die Umsatz- und Ertragslage auswirken?

Weng:
Die Akquisition entspricht genau unserer Strategie – der Zukauf von Unternehmen in Spezialgebieten und geographischen Regionen zur Verstärkung unseres Serviceangebots. Ergomed evaluiert fortlaufend aktiv potenzielle Käufe weiterer Service-Unternehmen, um die Profitabilität weiter zu erhöhen, das aktuelle Dienstleistungsangebot zu ergänzen und/oder die geographische Reichweite von Ergomed zu erweitern. Durch PSR verstärkt die Unternehmensgruppe ihre Präsenz in Westeuropa und vertieft ihre Erfahrung und Expertise in der Entwicklung von Arzneimitteln für seltene Erkrankungen (Orphan Drugs). Analysten haben ihre Umsatzprognosen für dieses Jahr erhöht, und wir erwarten ein gutes Wachstum in diesem neuen Bereich unseres Geschäfts.

www.4investors.de: GBC Research nannte zuletzt ohne Berücksichtigung möglicher Erlöse aus ihren Development-Projekten einen Umsatz von 48,75 Millionen GBP als Schätzung, dazu ein EBITDA von 2,8 Millionen GBP. Fühlen sie sich mit diesen Prognosen wohl? Mit welchen Zahlen ist nun für 2017 nach der PSR-Übernahme zu rechnen?

Weng:
Die Zahlen, die Sie ansprechen, beruhen auf den aktualisierten Schätzungen von GBC nach der PSR-Akquisition. Ich möchte hervorheben, dass wir unser Wachstum kontinuierlich durch Akquisitionen vorantreiben wollen. Wir werden den Kapitalmarkt informieren, sobald sich diesbezüglich weitere Gelegenheiten materialisieren. Wir planen unser „Trading Update“ zum laufenden Geschäftsjahr Ende Januar bekannt zu geben.

www.4investors.de: Welche Synergiepotenziale entstehen durch die Übernahme? Lassen sich diese in einer Summe quantifizieren?

Weng:
Es gibt klare Synergien zwischen unserer Position im Markt und der Expertise von PSR. Geografisch wollen wir die Marke PSR internationalisieren, indem wir die globale Reichweite von Ergomed nutzen. Wir freuen wir uns darauf, die Fachkompetenz von PSR und die globale Infrastruktur von Ergomed zu kombinieren, um dieses Geschäft schnell zu entwickeln und ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung von Orphan Drugs zu werden. Kurz gesagt, gemeinsam sind wir stärker. Darüber hinaus erwarten wir operative Synergien wie die Zentralisierung einiger Projektmanagementfunktionen, Effizienz im Marketing, sowie Synergie hinsichtlich der Back-Office-Aktivitäten etc.

www.4investors.de: Wo sehen sie die Stärken der neuen Ergomed-Tochter und an welchen Stellen müssen sie noch ansetzen, um Schwächen zu beheben?

Weng:
Bei jedem neuen Angebot geht es darum, die richtige Größe / Expertise / Kosten für den jeweiligen Kunden zu finden. Vor der Fusion hatte PSR gelegentlich das Gefühl aufgrund ihrer zuvor fehlenden internationalen Reichweite bei neuen Projekten nicht zum Zuge zu kommen. Die Kombination von Ergomeds etablierter Position im Markt und PSRs Expertise sollte das lösen. Dennoch müssen wir natürlich weitere Entwicklungen vornehmen, um unsere Chancen in bestimmten Gebieten zu verstärken und die Gelegenheit voll auszuschöpfen zu können – dies ist bereits in Planung.

www.4investors.de: Analysten bezeichnen ihre Bilanz als äußerst solide mit einer hohen Eigenkapitalquote, die Zinsen sind zugleich extrem niedrig, dennoch haben sie zur Finanzierung der PSR-Übernahme eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Was sprach für diesen Weg?

Weng:
Zum Zeitpunkt der Akquisition war eine Kapitalerhöhung die beste Option, einen schnellstmöglichen Abschluss der Vereinbarung zu ermöglichen. Das Interesse seitens der Investoren war vorhanden, und damit bot sich die Gelegenheit. Wir werden in Zukunft jedoch weiterhin auch Fremdkapitalfinanzierungen als Möglichkeit in Betracht ziehen.

www.4investors.de: Sind weitere, ähnlich strukturierte Übernahmen in Planung?

Weng:
Ergomed verfolgt eine aktive M+A-Strategie und zieht Akquisitionsmöglichkeiten in Betracht, die die geografische Expansion weiter vorantreiben und/oder das Dienstleistungsangebot erweitern – sowohl im CRO- als auch im Pharmakovigilanz-Bereich. Wir verfolgen zu jedem Zeitpunkt eine Reihe von Projekten. Kurz gesagt, ja, unsere Strategie besteht darin, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen zu wachsen.

www.4investors.de: Zuletzt konnten sie einen viel beachteten Vermarktungsdeal für Haemostatix-Produkte in Südkorea melden. An der Börse dürfte man nun gespannt sein, was aus ihrer Ankündigung weiterer solcher Deals für die Blutgerinnungsmittel wird. Wann können Investoren mit Neuigkeiten rechnen, auch was die detaillierten Daten der Phase-IIb-Studie mit PeproStat in fünf europäischen Ländern angeht?

Weng:
Derzeit gehen wir davon aus, die Ergebnisse im Jahr 2018 in geeigneten medizinischen Fachjournalen sowie auf Konferenzen veröffentlichen bzw. präsentieren zu können. Neben der für Südkorea bekannt gegebenen Vereinbarung prüfen wir aktiv weitere mögliche Entwicklungs- und Kommerzialisierungsvereinbarungen rund um die Haemostatix-Plattform und führen Gespräche bezüglich einer Reihe von Ländern.

www.4investors.de: Vorausgesetzt, PeproStat und ReadyFlow erhalten Marktzulassungen: Mit welchen Spitzenumsätzen ist bei den Produkten zu rechnen und wann könnten diese erreicht werden?

Weng:
Der Markt für Hämostatika / Produkte zur Blutungskontrolle bei Operationen ist groß und wird auf insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Für Peprostat und ReadyFlow prognostizieren wir ein Umsatzpotenzial von bis zu 500 Millionen US-Dollar pro Jahr. Ein Hinweis: führende Thrombin-Marken erreichen einen Umsatz von jeweils bis zu 350 Millionen US-Dollar.


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Aktie: Ergomed
WKN: A117XM
ISIN: GB00BN7ZCY67
Branche: Biotechnologie
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