Donald Trump der Regisseur: Jerome Powell neuer Hauptdarsteller der Fed - Weberbank-Kolumne

Nachricht vom 03.11.2017 03.11.2017 (www.4investors.de) - Die Börse: Spannend wie ein guter Krimi – der DAX stürmt weit über 13.000 Punkte, Jerome Powell wird neuer Vorsitzender der Fed und Mario Draghi ebnet den Weg der EZB. Doch das ist nicht alles; die Spannungskurve steigt weiter. Die Berichtssaison ist sowohl in den USA als auch in Europa im vollen Gange, der Senat in den USA diskutiert eine neue Steuerreform und für Donald Trump wird die Luft nach den neuesten Ereignissen um die Russlandaffäre etwas dünner. Gemeinsam schauen wir in der heutigen „Finanzmarkt aktuell“ hinter die Kulissen dieser Ereignisse.

In den USA werden gerade verschiedene Blockbuster gedreht, die die Kapitalmärkte in Zukunft sichtlich beeinflussen könnten. Neben der robusten US-Wirtschaft, die im dritten Quartal 2017 etwas stärker als erwartet um 3 Prozent gewachsen ist, sind viele Augen auf die Entwicklung der Steuerreform gerichtet. Nach dem US-Senat hat auch das Repräsentantenhaus den Haushaltbeschluss für das Jahr 2018 gebilligt. Das bedeutet, dass sich die Wahrscheinlichkeit, die Steuerreform mit einer einfachen Mehrheit im Senat verabschieden zu können, erhöht hat. Der Höhepunkt dieser Woche war allerdings die Verkündung des neuen Fed Vorsitzenden Jerome Powell. Wir sind der Meinung, dass der Notenbanker den bisherigen Kurs von Janet Yellen fortführen wird und somit den Märkten Stabilität vermittelt. Außerdem sollte seine offene Einstellung gegenüber der Deregulierung des Bankensektors positiv Impulse für den Kapitalmarkt geben. Ob und wie lange Donald Trump aber überhaupt noch Regisseur ist, scheint besonders von den neuesten Entwicklungen im Zuge der Ermittlungen zur Russlandaffäre abzuhängen. So wurde am Montag der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, aufgefordert, sich den US-Behörden zu stellen. Im Extremfall könnten am Ende belastende Aussagen oder Beweise für Kapitalverbrechen und Fehlverhalten seitens des US-Präsidenten Grundlage für ein Amtsenthebungsverfahren bieten und die Kapitalmärkte durcheinanderbringen.

Mario Draghi schreibt das Drehbuch: Reduzierung der Anleihekäufe in einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld
Die Stimmung der Wirtschaft ist gut – weltweit. Doch schauen wir uns den Kinofilm Europa genau an. Das BIP der Eurozone stieg überraschender Weise von Juli bis September um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Auch auf der Ebene der einzelnen europäischen Länder erkennen wir eine gesamtheitliche Verbesserung der Konjunktur. In Deutschland blicken die Unternehmen sehr optimistisch auf die kommenden Monate. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Oktober überraschend auf 116,7 Punkte gestiegen und in Frankreich ist die inländische Wirtschaft im dritten Quartal so kräftig wie seit 2011 nicht mehr gewachsen. Doch damit nicht genug. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der gesamten Eurozone ist im Oktober entgegen den Erwartungen auf ein neues Hoch von 58,6 geklettert. Dennoch ist das Wachstum laut EZB Präsident Mario Draghi in der Eurozone noch nicht selbsttragend. Er kündigte in der letzten Woche eine weiterhin lockere Geldpolitik an. Eine Zinserhöhung noch vor dem Ende der Anleihekäufe gilt als sehr unwahrscheinlich und das derzeitige Anleihekaufprogramm wird bis mindestens September 2018 verlängert. Allerdings wird zukünftig das Volumen der monatlichen Anleihekäufe der EZB von 60 auf 30 Milliarden Euro reduziert. Diese Informationen wurden allgemein positiv aufgenommen, lasteten aber auf dem Euro, der derzeit um die 1,16 €/USD notiert. Wir erwarten für die deutschen Bundesanleihen in diesem Zusammenhang weiterhin keine nachhaltigen Renditeanstiege, solange keine Impulse von der Inflationsseite erfolgen.

Der Oscar geht an den globalen Höhenflug der Aktienmärkte
Aufgeregt schauen die Marktteilnehmer derzeit auf die weltweiten Wirtschafts- und Unternehmensdaten sowie die Entscheidungen der Zentralbanken. Politische Ereignisse, wie die in Spanien, sind für die Aktienmärkte aktuell eher eine Randnotiz. In den USA dominiert die Berichtssaison die Nachrichtenlage und ist etwas weiter fortgeschritten als in Europa und daher aussagekräftiger. Mehr als die Hälfte der Unternehmen haben dort bereits berichtet; zumeist überraschend positiv. Historisch gesehen ist der Markt in den USA allerdings teuer und im Vergleich zu Europa teurer. Aber der Bewertungsfaktor scheint derzeit keine wichtige Rolle einzunehmen, denn wir sehen fast täglich neue Rekordstände am dortigen Aktienmarkt. Und auch in Deutschland: Der DAX konnte die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten nachhaltig überwinden, obwohl die bisher eher durchwachsenen Unternehmensdaten (noch) keine weiteren Impulse für den Kapitalmarkt liefern. Neben den entwickelten Ländern beeindrucken derzeit auch die Schwellenländer. So markierte z.B. der indische Leitindex aufgrund der Re-Kapitalisierung des Bankensektors ein neues Rekordhoch. Aufgrund der weltweit stabilen Konjunktur und den allgemein positiven Gewinntrends der Unternehmen sind wir der Meinung, dass sich für Aktieninvestments weiterhin ein attraktives Bild ergibt.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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