China stellt die Weichen - Weberbank-Kolumne

Bild und Copyright: kikujungboy / shutterstock.com

Bild und Copyright: kikujungboy / shutterstock.com

Nachricht vom 20.10.2017 20.10.2017 (www.4investors.de) - Nach dem Brexit und der Trump-Wahl 2016 ging das Jahr 2017 aus politischer Sicht ähnlich spannend weiter: Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und in Deutschland. Doch wer glaubt, damit sei der politische Kalender für dieses Jahr abgehakt, hat weit gefehlt. Es lohnt sich der Blick nach Fernost. In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, findet in diesen Tagen der Parteikongress der Kommunistischen Partei statt, dessen Vorsitzender Xi Jinping der Präsident des Landes ist. Die entscheidenden Fragen bei diesem alle fünf Jahre stattfindenden Großereignis sind die nach künftigen Reformen der Wirtschaft und dem neuen Personal an der Parteispitze. Letztere ist mittelbar auch die Frage danach, wie gestärkt Präsident Xi hervorgeht. Denn traditionell bietet der Parteitag nach der ersten Amtszeit des Präsidenten die Möglichkeit zur Stärkung der eigenen Machtbasis durch Besetzung wichtiger Posten mit treuen Gefolgsleuten. Xi wird diese Stärke benötigen. Denn das Land hat Reformen dringend nötig, beispielsweise um das Problem der hohen Unternehmensverschuldung zu bewältigen. Ein anderes Problem ist die Blase am dortigen Immobilienmarkt. Zumindest der Zeitpunkt, um diese Themen anzugehen, ist aktuell günstig. Die Weltwirtschaft befindet sich in einem synchronisierten Aufschwung, von dem gerade auch China als Exportnation stark profitiert. Trotzdem sollte mit Blick in die Zukunft und auf die erwartete Eindämmung der Verschuldung eine moderate Verlangsamung der chinesischen Wirtschaftswachstumsdynamik nicht verwundern. Unter der Annahme eines anhaltenden globalen Aufschwungs und einer vorsichtigen Herangehensweise sollte dies aber nicht zu einem Schock, ähnlich wie Anfang 2016, auf den internationalen Kapitalmärkten führen. Somit ist der Parteitag eher ein Thema, das die Märkte und Investoren hauptsächlich in der langen Frist beeinflussen wird.

Die EZB am Zug


Was die Märkte dagegen auch kurzfristig beeinflussen wird, sind die aktuellen Entwicklungen seitens der Notenbanken. Die amerikanische Notenbank Fed startet ab diesem Monat als erste der großen Zentralbanken mit der Reduzierung ihrer Bilanz. Das reiht sich, zusammen mit den Zinserhöhungen der letzten Monate, in die Bestrebungen der Fed ein, ihren expansiven Kurs zu beenden. So weit ist die EZB noch nicht. Auf der kommenden Sitzung am 26. Oktober wird von Beobachtern zunächst erwartet, dass die EZB ihre Anleihekäufe graduell zurückfährt, also ihre Bilanz langsamer anwachsen lässt. Bevor diese Anleihekäufe aber nicht komplett gestoppt sind, gehen wir auch nicht davon aus, dass die EZB ihren Leitzins von ihrem historisch niedrigen Niveau anhebt. Dies wird sie unserer Einschätzung nach frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres vollziehen. Wann sie, wie derzeit die Fed, tatsächlich ihre Bilanz reduziert, steht dagegen noch gar nicht zur Debatte. Somit bleibt die Geldpolitik in der Eurozone nach wie vor expansiv, und es kann dementsprechend noch nicht von einer „Zinswende“ gesprochen werden. Mit Blick auf die Fed ist neben der Bilanzreduzierung ein weiteres Thema von hoher Relevanz: die Besetzung des Vorsitzes. Die Amtszeit der bisherigen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen endet Anfang nächsten Jahres. Potentielle Nachfolger werden derzeit vom US-Präsidenten unter die Lupe genommen. Mit einer Entscheidung wird in den kommenden Wochen gerechnet. Wie die Märkte auf den neuen Fed-Präsidenten (oder die neue Präsidentin) reagieren werden, hängt maßgeblich davon ab, ob es eine „Taube“ oder ein „Falke“ wird. Oder anders ausgedrückt: Ob derjenige eher für eine expansive (Taube) oder restriktive (Falke) Geldpolitik bekannt ist.

Aktienmärkte - die Musik spielt weiter


Die Aktienmärkte laufen zurzeit äußerst positiv. Der DAX hat in der vergangenen Woche die Marke von 13.000 Punkten geknackt, und in dieser Woche hat der amerikanische Dow Jones Index die Marke von 23.000 Punkten genommen. Dazu kommt, dass die Aktienmärkte eine außergewöhnlich niedrige zukünftige Schwankungsbreite einpreisen, was man als eine gewisse Sorglosigkeit interpretieren kann. Einerseits ist diese Sorglosigkeit selbst besorgniserregend, denn bei derartiger Gelassenheit besteht Enttäuschungspotential. Eine solche Enttäuschung wäre beispielsweise eine unerwartete „Zinswende“ in Europa. Doch wie bereits oben argumentiert, halten wir das für unwahrscheinlich. Aber auch der von uns erwartete graduelle Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sollte zu erhöhten Schwankungen bei den Zinsen führen, was auch immer wieder für Schwankungen an den Aktienmärkten sorgen kann. Andererseits ist diese Sorglosigkeit der Märkte auch Ausdruck des guten Konjunkturumfelds. Die wichtigen Volkswirtschaften entwickeln sich alle mit guten Zuwachsraten. Das schlägt sich natürlich auch in den Gewinnen der Unternehmen nieder, so dass diese eine positive Dynamik aufweisen. Das ist auch ein Grund, weswegen wir nach wie vor positiv für die Aktienmärkte gestimmt sind.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Pfeilbuttonmic AG: „Wir wollen Industrie 4.0 und Blockchain verbinden“ - Exklusiv-Interview
PfeilbuttonAURELIUS: „2017 wird das beste Jahr in unserer Unternehmensgeschichte” - Exklusiv-Interview
PfeilbuttonHanseYachts: „Unser Verkaufsapparat läuft inzwischen wie eine geölte Maschine“ - Exklusiv-Interview




Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Deutscher Aktien Index
comments powered by Disqus

+++ Exklusive Interviews und Analysen - gratis in Ihre Mailbox! +++

Tragen Sie sich jetzt für unseren kostenlosen 4investors Newsletter ein.


Bestätigungslink nicht per Mail bekommen? Bitte kontrollieren Sie Ihren Spamordner!

Der 4investors Newsletter erscheint unregelmäßig, i.d.R. 2 bis 6 Mal pro Monat. Wir geben ihre Mailadresse an keinen Dritten weiter! Sie können den kostenlosen 4investors Newsletter jederzeit problemlos wieder abbestellen.




Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

19.11.2017 - Volkswagen will 22 Milliarden Euro investieren - Elektromobilität im Fokus
19.11.2017 - Evotec Aktie: Wichtige Infos für die nächsten Tage
17.11.2017 - tick Trading Software kündigt Dividende an
17.11.2017 - mybet Holding will Wandelanleihe ausgeben - Unterstützung von Investoren
17.11.2017 - Nordex Aktie: Kursziel heftig gesenkt, dennoch kaufen
17.11.2017 - USU Software muss Prognosen für 2017 senken - Aktie im Minus
17.11.2017 - Agrarius: Gewinnwarnung
17.11.2017 - PNE Wind erhält Millionenkredit von der IKB
17.11.2017 - FinTech Group Aktie: Achtung Kaufsignal, aber…
17.11.2017 - Euroboden: Anleihe gekündigt


Chartanalysen

19.11.2017 - Evotec Aktie: Wichtige Infos für die nächsten Tage
17.11.2017 - FinTech Group Aktie: Achtung Kaufsignal, aber…
17.11.2017 - Geely Aktie: Die nächste Woche könnte spannend werden!
17.11.2017 - BYD Aktie: Mit Sorgen ins Wochenende!
17.11.2017 - Aumann Aktie: Startet jetzt eine Erholungsrallye?
17.11.2017 - Wirecard Aktie: Experten erwarten nächsten Kurssprung!
17.11.2017 - Adva Aktie: Dank Cisco aus dem Keller - und nun?
17.11.2017 - Deutsche Bank Aktie: Sehr deutliche Signale! Jetzt zum Jahreshoch?
17.11.2017 - Evotec Aktie: Der Nebel lichtet sich langsam!
16.11.2017 - Nordex Aktie: Das könnte jetzt was werden!


Analystenschätzungen

17.11.2017 - Infineon Aktie: Kommen gute oder schlechte Nachrichten?
17.11.2017 - SAP Aktie: Sehr optimistischer Ausblick
17.11.2017 - Siemens Aktie: Gelassenheit bei Analysten
17.11.2017 - Deutsche Telekom: Kaufempfehlung bleibt bestehen
17.11.2017 - Zumtobel: Noch mehr schlechte Nachrichten
17.11.2017 - Siemens: Der Zeitpunkt überrascht
17.11.2017 - Lufthansa: Auf Wachstumskurs
17.11.2017 - Gerry Weber: Personalie sorgt für Kursdruck
17.11.2017 - Patrizia Immobilien: Aktie verliert die Kaufempfehlung
17.11.2017 - Wirecard: Dreistelliges Kursziel


Kolumnen

17.11.2017 - Jamaika-Verhandlungen vorerst ohne Durchbruch - National-Bank Kolumne
17.11.2017 - Gute US-Berichtssaison, aber nicht so stark wie im ersten Halbjahr - Commerzbank Kolumne
17.11.2017 - Volkswagen Aktie: Pullback bestätigt mittelfristig intakten Aufwärtstrend - UBS Kolumne
17.11.2017 - DAX: Wichtige 13.000-Punkte-Marke zurückerobert - UBS Kolumne
16.11.2017 - Rentenmarkt erfordert aktives Management - Hansainvest Kolumne
16.11.2017 - Philadelphia Fed Index weiterhin auf hohem Niveau - National-Bank Kolumne
16.11.2017 - Die US-Inflation bleibt im Oktober verhalten - Commerzbank Kolumne
16.11.2017 - SAP Aktie: Der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt - UBS Kolumne
16.11.2017 - DAX: Erholung zum Handelsende sorgt für Entspannung - UBS Kolumne
15.11.2017 - USA: Inflation geht – nur kurzfristig – wieder auf die Marke von 2% zurück - Nord LB Kolumne

Werbung

All Right Reserved by minimalthemes - ©2014 Stoffels & Barck GbR