Berentzen-CEO Frank Schübel: „Ein gesunder Blick von außen ist immer gut“

Der scheidende Berentzen-CEO Frank Schübel im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Berentzen.

Der scheidende Berentzen-CEO Frank Schübel im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Berentzen.

Nachricht vom 04.01.2017 (www.4investors.de) - Wie die Berentzen-Gruppe AG gestern mitgeteilt hat, wird CEO Frank Schübel seine am 30. Oktober 2017 endende Vorstandsbestellung aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Im Gegenzug ist Schübel bereit, der Gesellschaft sein Know-how künftig als Mitglied des Aufsichtsrats zur Verfügung zu stellen, auch um strategische Kontinuität und Kompetenz weiter zu gewährleisten. Für das geplante Ausscheiden aus dem Vorstand gibt es weder operative Gründe noch lagen Differenzen mit dem Aufsichtsrat vor, wie Frank Schübel gegenüber der Redaktion von www.4investors.de bestätigt.

Im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de spricht der scheidende Konzernlenker u. a. über die bereits eingeleiteten operativen Maßnahmen für 2017, die Suche nach einem neuen CEO und die Reaktion der Berentzen-Investoren auf die gestrige Meldung.
 

www.4investors.de: Herr Schübel, Sie gehören dem Vorstand der Berentzen-Gruppe AG seit November 2012 an, seit Januar 2013 sind Sie Vorstandssprecher. Jetzt haben Sie überraschend angekündigt, ihren Vorstandsvertrag nicht verlängern zu wollen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
 
Schübel:
Nach mehr als vier sehr intensiven Jahren als CEO der Berentzen-Gruppe nahezu ohne Privatleben stellte sich die Frage nach einer Vertragsverlängerung und damit die Perspektive, ob ich diesen Lebensstil noch vier weitere Jahre so pflegen will. Hier dominierten dann klar die persönlichen Motive.

www.4investors.de: Demnach gibt es keine operativen Gründe für Ihr geplantes Ausscheiden aus dem Vorstand und auch keine Differenzen mit dem Aufsichtsrat?

Schübel:
Absolut nicht. Die Berentzen-Gruppe ist nach der erfolgreichen Sanierung nun strategisch und organisatorisch sehr gut aufgestellt und mein Verhältnis zum Aufsichtsrat, insbesondere zum Vorsitzenden Gert Purkert, ist ausgezeichnet, sowohl inhaltlich wie auch persönlich.

www.4investors.de: Ohne schon konkrete Zahlen nennen zu können, wie zufrieden waren Sie mit dem operativen Abschneiden der Berentzen-Gruppe im Geschäftsjahr 2016?

Schübel:
Mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2016 können wir sehr zufrieden sein. Nach neun Monaten konnten wir ein Umsatzwachstum von 8,0 Prozent und ein EBIT-Plus von 48,9 Prozent ausweisen. Und wir hatten auch ein gutes viertes Quartal und insbesondere einen starken Dezember, der durch die Konstellation der Feiertage schwierig zu prognostizieren war. Von daher ändert sich an unserer Prognose für das Gesamtjahr 2016 nichts.

www.4investors.de: Wie weit ist die strategische Neuaufstellung der Berentzen-Gruppe inzwischen fortgeschritten? Und welche Ziele haben Sie sich für Ihre restliche Amtszeit gesetzt?

Schübel:
Die Strategie läuft weiter gut und wir sind sehr zufrieden mit den Zuwächsen in den frischen, natürlichen Segmenten. Erfreulich ist zudem, dass der langjährige Rückgang bei den Spirituosen gestoppt werden konnte. Das verbleibende Ziel für meine Amtszeit ist es, die Beständigkeit in der positiven Entwicklung sicher zu stellen. Die Maßnahmen für das Jahr 2017 – beispielsweise Preisoptimierungen, Lancierung neuer Innovationen und technische Verbesserungen ­– sind schon voll in der Umsetzung und die Ergebnisse vielversprechend.

www.4investors.de: Sie wären bereit, für eine Wahl in den Aufsichtsrat zu kandidieren. Wovon hängt dies ab?

Schübel:
Mein Wechsel in den Aufsichtsrat ist eine Option mit dem Gedanken –übrigens nicht nur von mir – die strategische Kontinuität und Kompetenz für die Gruppe zu wahren. Formal müssen Aktionäre, die mindestens 25 Prozent der Stimmrechte halten, dies der Hauptversammlung vorschlagen.

www.4investors.de: Inwiefern sind Sie auch in die Suche nach einem geeigneten Nachfolger bzw. einer Nachfolgerin für die Position des CEO involviert?

Schübel:
Die Suche startet erst jetzt und ich denke, dass es im Interesse des Aufsichtsrates und des Kandidaten bzw. der Kandidatin ist, mich zu involvieren. Entscheidend ist aber die Meinung des Aufsichtsrates und der Fit mit meinem geschätzten Vorstandspartner und CFO der Gruppe Ralf Brühöfner. In dieser Situation wäre es falsch und unfair, mich in den Vordergrund zu spielen.

www.4investors.de: Was sind die größten Herausforderungen, die auf den künftigen Berentzen-CEO warten?

Schübel:
In erster Linie ist es gut, dass er oder sie auf ein sehr gut aufgestelltes Team der Bereichsgeschäftsführer und funktionierende Marktstrategien trifft. Herausforderung bleibt, die mittelfristigen Kurskorrekturen oder -alternativen zu finden. Nach mehr als vier Jahren ist ein gesunder Blick von außen immer gut. Positiv wird sein, dass man Dinge nach wohldosierter Abwägung ändern kann, aber nicht muss. Diesen Luxus hätte ich mir am Anfang meiner Zeit bei Berentzen gewünscht, zeugt aber auch davon, wie sich die Gruppe weiterentwickelt hat.

www.4investors.de: Für Außenstehende kam Ihre Entscheidung überraschend. Befürchten Sie nun neue Unruhe im Aktionärskreis?

Schübel:
Ad-hoc-Meldungen sorgen immer für Unruhe, aber die gestrigen Gespräche mit mehreren großen Aktionären hatten alle einen ähnlichen Verlauf: Enttäuschung über die Entscheidung, aber Verständnis für die persönlichen Motive. Am Ende hat keiner dieser Investoren gedroht, seine Aktien zu verkaufen und alle haben mich unterstützt für ein Aufsichtsratsmandat zu kandidieren. Auch meine Frau und ich bleiben investiert.


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