Nach dem Referendum in Italien: Entspannung auf breiter Front - Commerzbank-Kolumne

Nachricht vom 08.12.2016 (www.4investors.de) - Nach dem deutlichen Nein beim Verfassungsreferendum in Italien hätte man eigentlich mit einem Anstieg der Risikoaufschläge bei den Staatsanleihen in der Euro-Peripherie rechnen können. Stattdessen setzte eine breite Erholung ein und die Spreads gingen deutlich zurück. Grund dürfte u.a. sein, dass Ministerpräsident Renzi mit seinem Rücktritt erst die Abstimmung über den Haushalt 2017 abgewartet hat. Gestern gab es zudem Spekulationen, dass eine Rettung der Banca Monte die Paschi vorbereitet wird. Es wird auch davon ausgegangen, dass auf der heutigen EZB-Ratssitzung eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms verkündet wird.

Zinsen und Anleihen


Euroraum: Ergebnis EZB-Ratssitzung, 13.45 Uhr
USA: Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe 14.30 Uhr

Der gestrige Tag war vom Abwarten auf die heutige EZB-Ratssitzung geprägt. Dem EZB-Rat liegen heute die neuen Projektionen seines Stabes zu Wachstum und Inflation vor, die bis ins Jahr 2019 reichen und als Grundlage für die geldpolitische Ausrichtung dienen. Wie schnell oder langsam sieht die EZB ihr Ziel einer Inflation von „unter, aber nahe 2%“ näherrücken? Und welche Schlüsse zieht sie daraus? Nach unserer Einschätzung dürfte die EZB heute beschließen, ihr Anleihekaufprogramm über März 2017 hinaus um weitere 6 Monate bei unverändertem Monatsvolumen (80 Mrd. Euro) zu verlängern. Dazu müssten allerdings einige „technische“ Details verändert werden, denn bei unveränderten Programmparametern stieße die EZB bei Bundesanleihen bereits im Sommer an ihre selbstgesetzten Grenzen. Schon dies zeigt, wie ausgereizt der geldpolitische Spielraum ist. Für die EZB wird es schwer sein, in dieser Situation die Märkte positiv zu überraschen und ihnen glauben zu machen, dass die Handlungsoptionen der Geldpolitik auch danach noch lange nicht erschöpft sind. Doch warten wir die Pressekonferenz und die Ausführungen von Mario Draghi ab. Konjunkturdaten waren gestern dünn gesät. Die deutsche Industrieproduktion legte im Oktober um 0,3% M/M bzw. +1,2% J/J zu. Aus technischer Sicht ein guter Start ins Schlussquartal, liegt sie damit doch 0,5% über ihrem Vorquartaldurchschnitt, was für sich genommen für eine Beschleunigung des BIP-Wachstums spricht. Bemerkenswert war der deutliche Rückgang der chinesischen Währungsreserven im November. Der stärkere US-Dollar löst offenbar Kapitalabflüsse aus China aus; ihnen ist die Regierung zuletzt durch eine Verschärfung der Kapitalverkehrskontrollen begegnet. Es scheint noch nicht auszureichen.

Aktien


Axel Springer und Rheinmetall, Kapitalmarkttag
Aegon, Investorentag

Die europäischen Aktienmärkte konnten gestern weiter zulegen und schafften es damit, die seit Monaten aufgebaute Seitwärtsrange zu verlassen. Auch der Dax konnte seinen Widerstandsbereich, der bei rd. 10.800 Punkten lag, durchbrechen und ein neues Jahreshoch erzielen. Der charttechnische Durchbruch zog neues Kaufinteresse auf sich, so dass die Kursgewinne bei hohen Umsätzen recht deutlich ausfielen. Das typische Muster nach einem derartigen Ausbruch sieht allerdings vor, dass die Kurse wieder nahe an ihr Ausbruchniveau zurückkommen, um dann einen weiteren Anstieg zu vollziehen. Im Wesentlichen wirkten zwei Themen kurstreibend. Zum einen wird erwartet, dass die EZB heute eine Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms bekannt geben wird, zum anderen verstärken sich die Spekulationen, dass der italienische Staat seinen angeschlagenen Banken unter die Arme greift. Auch wurde über eine mögliche Rolle des europäischen Rettungsfonds ESM spekuliert. Der italienische Finanzsektor legte daraufhin um über 5% zu und verhalf dem MIB30 (+2,1%) zur Pole Position in Europa, gefolgt vom Dax. Letzterer profitierte von Kurgewinnen bei Finanzwerten (+2,2%) und Autos (+3,7%). ThyssenKrupp (+6,7%) war der Tagesgewinner im Dax. Es gab neue Hoffnung auf ein Joint Venture mit Tata Steel. An den US-Märkten setzte sich der positive Trend aus Europa mit neuen Allzeit-Hochs fort. Telecoms (+2,4%) profitierten von der unter Trump möglichen Steuerreform, Übernahmespekulationen und rückläufigen Renditen, während der Healthcaresektor (-0,8%) unter Äußerungen des künftigen Präsidenten litt, in denen er die hohen Medikamentenpreise beklagte. In Asien überwiegen heute Morgen klare Kursgewinne. Lediglich der chinesische Markt leidet darunter, dass Auflagen des Regulierers Versicherern Beteiligungen am Aktienmarkt erschweren könnten.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Aktie: Commerzbank | WKN: CBK100 | ISIN: DE000CBK1001 | Aktienindex: DAX | Homepage: http://www.commerzbank.de/ | Branche: Finanzdienstleister - Großbank

Die Commerzbank gehört zu den größten Bankengruppen Deutschlands. Ein einschneidendes Ereignis in der Commerzbank-Historie ist die Übernahme der Dresdner Bank, die das Unternehmen von der Allianz gekauft hat. 2009 wurden die Gesellschaften verschmolzen. Der Zukauf hat die Commerzbank stark belastet und als eine Folge der US-Finanzmarktkrise musste die Gesellschaft mit milliardenschwerer Unterstützung des Bundes durch eine Teilverstaatlichung gerettet werden. Nach der Finanzmarktkrise hat die Commerzbank einen groß angelegten Konzernumbau eingeleitet, man will sich wieder vor allem auf die Geschäfte im Bereich der Privatkunden und Firmenkunden konzentrieren. Zum Commerzbank-Konzern gehört unter anderem auch die Comdirect Bank. An der SDAX-notierten Direktbank ist der Konzern mit mehr als 81 Prozent der Anteile beteiligt.

Die Commerzbank-Aktie gehört nach Marktkapitalisierung zu den wichtigsten Aktien am Frankfurter Aktienmarkt und ist unter anderem im DAX 30 notiert. Im DAX 30 ist sie neben der Aktie der Deutsche Bank der einzige Vertreter der Bankbranche.






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