Commerzbank: EZB gibt Vollgas

Nachricht vom 11.03.2016 (www.4investors.de) - Die EZB hat die Märkte mit einer umfangreichen Liste an Lockerungsmaßnahmen positiv überraschen können. Sie senkte nicht nur wie erwartet den Einlagezinssatz um 10 Bp. sondern auch den Reposatz um 5 Bp. auf 0,00% und den Refinanzierungssatz um 5 Bp. auf 0,25%. Flankiert wurden die Zinsentscheidungen mit einer Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. EUR, was weitgehend erwartet wurde. Damit erhöht die Notenbank ihr Kaufvolumen um 240 Mrd. EUR auf insgesamt rund 18% des BIP. Gleichzeitig erweitert sie das Kaufuniversum auf Unternehmensanleihen und kann künftig bis zu 50% einer Emission erwerben. Nicht erwartet worden war die Ankündigung von zielgerichteten Langzeittendern mit negativen Zinsen.

Das umfassende Maßnahmenpaket sei eine Reaktion auf die niedrige Wachstums- und Preisentwicklung. Seit Dezember hätten sich die Bedingungen signifikant geändert. In diesem Umfeld würden weitere Maßnahmen notwendig. Der EZB-Rat stimmte laut Draghi mit einer überwältigenden Mehrheit dafür, das Rotationsprinzip hatte keine Auswirkungen auf die Diskussion. Die EZB senkte wie erwartet die Projektionen für das BIP-Wachstum im Euroraum leicht (von 1,7% auf 1,4%) und für die Inflation deutlich (von 1,0% auf 0,1%). Die niedrigen Zinssätze sollen für längere Zeit gelten, auch über das Ende der Wertpapierkäufe hinaus. EZB-Chef Draghi betonte, dass keine Untergrenze der Zinsen genannt werden sollte. Die Kapitalmärkte reagierten zunächst euphorisch auf die Maßnahmen. Die Aktienkurse stiegen kräftig an, der EUR schwächte sich ab. Aber schon während der Sitzung setzte Ernüchterung ein. Der EUR schloss höher ggü. dem USD, der DAX geriet sogar deutlich ins Minus und die Staatsanleiherenditen stiegen per Saldo an. Viele Marktteilnehmer sehen offenbar keine Fantasie mehr für eine weitere Lockerung.

Zinsen und Anleihen


Italien: Industrieproduktion (Januar), 10:00 Uhr

Im Kampf gegen die andauernde niedrige Inflation beschloss die EZB gestern eine Reihe von Maßnahmen: Sie legte den Leitzins auf 0% fest (nach 0,05%) und senkte den Einlagensatz von -0,3% auf -0,4%; damit müssen Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank einen höheren Zins zahlen. Des Weiteren werden die monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro angehoben. Erstmals werden Euro-Unternehmensanleihen aus dem Investmentgradebereich in das Kauf-Universum aufgenommen (siehe auch „Im Blickpunkt“). Der Rentenmarkt reagierte zunächst mit Kursgewinnen, verlor dann aber im Nachmittagshandel kräftig. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erhöhte sich auf bis zu 0,33%. Die Risikoaufschläge italienischer, spanischer und portugiesischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen engten sich per Saldo leicht ein. Es mehren sich aber zunehmend Stimmen, die die ultralockere Geldpolitik kritisieren: Zum Beispiel sind die Spielräume für Strukturreformen und Haushaltskonsolidierungen, die durch das niedrige Zinsniveau erkauft wurden, in vielen Ländern bisher kaum genutzt worden. Die deutschen Warenausfuhren sind im Januar überraschend zum zweiten Mal in Folge gefallen. Nach -0,7% im Dezember gingen sie im Januar um 0,5 % im Monatsvergleich zurück. Volkswirte hatten einen Anstieg von 0,8% prognostiziert. Die Importe nahmen dagegen um 1,2% zu. Die Wirtschaftsschwäche vieler Schwellenländer macht sich inzwischen bemerkbar: Im Jahresvergleich sanken die Ausfuhren in Länder außerhalb der Europäischen Union um 5%. Dazu kommt, dass der Effekt des schwachen Euros, der letztes Jahr die Exporte beflügelt hatte, nun nicht mehr wirkt. In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der letzten Woche überraschend stark um 18.000 auf 259.000 gesunken, eine Zahl, die auf einen hohen Stellenzuwachs hinweist.

Aktien


Allianz, Geschäftsbericht
Deutsche Bank, Geschäftsbericht
MAN, Jahresergebnis
Porsche, Bilanz-PK

Was für ein Börsentag! Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins zum ersten Mal auf null Prozent zu senken, die Strafzinsen für Banken zu erhöhen und die Anleihenkäufe aufzustocken reagierten die europäischen Aktienmärkte zunächst mit einem Kursfeuerwerk. Der Dax (-2,3%) schoss nach Bekanntgabe der sehr expansiven geldpolitischen Beschlüsse der EZB kräftig nach oben und verfehlte die Marke von 10.000 Punkten nur knapp. Für Rückenwind sorgte dabei v.a. der für kurze Zeit sehr schwache Euro, der ggü. dem US-Dollar in der Spitze um fast 2% im Vergleich zum Vortagesschluss einbüßte, bevor er während der Pressekonferenz der EZB eine scharfe Kehrtwende vollzog und sogar ggü. dem Greenback um rd. 1,5% aufwertete. Verantwortlich hierfür zeichnete v.a. Draghis Aussage, dass die EZB derzeit keinen Grund für weitere Zinssenkungen sehe. Im deutschen Leitindex notierten bis auf Adidas (+1,3%), Infineon (+0,4%) und Vonovia (+0,7%) alle Werte im Minus. Tagesverlierer war die Aktie von K+S (-10,4%); hier belastete v.a. der vorsichtige Ausblick (positiv: Dividendenanhebung). Auf europäischer Sektorebene erzielte nur der Immobiliensektor (+0,4%) Gewinne. Klare Verlierer des Tages waren Automobil- und Rohstoffwerte, die im Schnitt um 4,1% bzw. um 3,8% einbüßten. Die Börsen in den USA tendierten nach einem Auf und Ab nahezu unverändert. Auf Sektorebene waren insbesondere Rohstofftitel gefragt, die im Schnitt um 0,5% zulegten. Am Ende der Performanceskala rangierten Industrietitel (-0,1%). Die Börsen in Asien tendierten freundlicher. Der Nikkei 225-Index legte nach einem schwachen Start – unterstützt von einem schwächeren Yen – um 0,5% zu. Der Shanghai A-Index gewann 0,2%.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Aktie: Commerzbank
WKN: CBK100
ISIN: DE000CBK1001
Aktienindex: DAX
Homepage: http://www.commerzbank.de/
Branche: Finanzdienstleister - Großbank

Die Commerzbank gehört zu den größten Bankengruppen Deutschlands. Ein einschneidendes Ereignis in der Commerzbank-Historie ist die Übernahme der Dresdner Bank, die das Unternehmen von der Allianz gekauft hat. 2009 wurden die Gesellschaften verschmolzen. Der Zukauf hat die Commerzbank stark belastet und als eine Folge der US-Finanzmarktkrise musste die Gesellschaft mit milliardenschwerer Unterstützung des Bundes durch eine Teilverstaatlichung gerettet werden. Nach der Finanzmarktkrise hat die Commerzbank einen groß angelegten Konzernumbau eingeleitet, man will sich wieder vor allem auf die Geschäfte im Bereich der Privatkunden und Firmenkunden konzentrieren. Zum Commerzbank-Konzern gehört unter anderem auch die Comdirect Bank. An der SDAX-notierten Direktbank ist der Konzern mit mehr als 81 Prozent der Anteile beteiligt.

Die Commerzbank-Aktie gehört nach Marktkapitalisierung zu den wichtigsten Aktien am Frankfurter Aktienmarkt und ist unter anderem im DAX 30 notiert. Im DAX 30 ist sie neben der Aktie der Deutsche Bank der einzige Vertreter der Bankbranche.
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