National-Bank: Die EZB überraschte und enttäuschte die Märkte zugleich

Nachricht vom 11.03.2016 (www.4investors.de) - Mit den Beschlüssen zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik konnte die EZB gestern wieder einmal überraschen. Sie gingen nämlich weit über die Erwartungen der Marktteilnehmer hinaus. Der ersten Freude und den teils ungläubigen Blicken auf die Absenkung des Hauptrefinanzierungssatzes auf 0%, der Ausweitung des QE-Volumens um 20 Mrd. Euro pro Monat und dem neuen Programm, das ab Ende Q2 2016 den Ankauf von in Euro denominierten Non Financial Corporates aus dem Investment Grade-Bereich von Unternehmen mit Sitz im Euroraum erlaubt, folgte im Laufe der Pressekonferenz Ernüchterung. Allmählich wurde den Marktteilnehmern bewusst, dass es das für einen längeren Zeitraum mit Lockerungsmaßnahmen gewesen sein wird. Nun geht es erst einmal darum, die Auswirkungen der neuerlichen Lockerung abzuwarten und dazu sollten „eigentlich“ einige Quartale ins Land gehen.

Dass Mario Draghi im Rahmen der Frage- und Antwortrunde andeutete, dass bei der Absenkung der Zinsen nun eher Schluss sei, sollte man nicht auf die Goldwaage legen. Ähnliches hatte er bereits vor vielen Monaten nach der letzten Absenkung des Satzes für das Hauptrefinanzierungsgeschäft gesagt. Daher hatte es auch niemand auf der Rechnung, dass die europäischen Notenbanker dieses Instrument noch einmal anfassen würden. Deutlich wurde in seinen Aussagen, dass er hinsichtlich potenzieller weitere geldpolitischer Lockerungsschritte die unkonventionellen Maßnahmen präferiere, denn es dürften nicht verborgen geblieben sein, dass zu negative Leitzinssätze erhebliche Nebenwirkungen haben. Das kann man bspw. in der Schweiz oder Dänemark beobachten. Ob diese Maßnahmen jedoch tatsächlich die von der EZB gewünschte Wirkung entfalten können, muss bezweifelt werden. Draghi und sein Vize waren zwar bemüht, die Erfolge ihrer Politik darzustellen. Doch überzeugend wirkte das nicht, schließlich lässt sich der Preis für die lockere Geldpolitik erst bemessen, wenn der gesamte Zyklus vorbei ist und in der Retrospektive betrachtet werden kann.

Eines ist jedoch klar: Trotz der Reaktion der Märkte – Gewinnmitnahmen in alles Assetklassen – ist der Anreiz für die Regierungen im Euroraum, die dringend notwendigen strukturellen Maßnahmen durchzuführen, noch geringer geworden, denn das niedrige Zinsniveau dürfte über eine lange Zeit zementiert sein. Ohne diese strukturellen Reformen wird der zyklische Aufschwung nur mehr oder weniger durch die Geldpolitik aufrecht gehalten. Da die EZB auf die Euroländer kaum Druck ausüben kann und wird, endlich aktiver zu werden, ist das Risiko hoch, dass das Wachstum hierzulande sich in nicht allzu fernere Zukunft abschwächen wird und die EZB hat dann kaum noch Mittel, um wirksam gegenzusteuern und fiskalisch ist angesichts der Verschuldungssituation im Euroraum kaum etwas möglich.

Der heutige und wahrscheinlich auch die kommenden Tage stehen im Zeichen der Verarbeitung der Entscheidungen der EZB und allmählich der Tagung des FOMC am Dienstag und Mittwoch. Die Marktreaktionen sowie die US-Konjunkturdaten vom aktuellen Rand geben der Fed durch-aus die Möglichkeit, Mittwoch an der Zinsschraube zu drehen. Mit Rücksicht auf die wenig vorbereiteten Märkte wird sie davon aber absehen. Die Konjunkturdaten spielen heute eine untergeordnete Rolle. Die deutschen Konsumentenpreise und die Zahlen zur italienischen Industrieproduktion dürften wenig Einfluss haben.

Der Bund Future dürfte mit der Verarbeitung der EZB-Entscheidung beschäftig sein und kaum verändert in den Tag starten. Die italienischen Staatsanleihen sollten sich gut platzieren lassen. Der Bund Future sollte sich zwischen 160,50 und 162,00 bewegen. Die Rendite 10jähriger US-Treasuries sollte zwischen 1,88 und 2,04% schwanken.


Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der National-Bank AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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