Bank J. Safra Sarasin: Unangenehmes Aufwachen der Zentralbanken

Nachricht vom 23.02.2016 23.02.2016 (www.4investors.de) - Seit mindestens acht Jahren kämpfen Zentralbanken an vorderster Front. Sie stemmen sich gegen eine harte Landung ihrer jeweiligen Volkswirtschaften und eine Kernschmelze an den Finanzmärkten. Inzwischen müssen sie allerdings erkennen, dass der Grenznutzen ihrer politischen Instrumente sinkt. Bezeichnend ist, dass im Grunde die einzige Diskussion, die zuletzt von den Notenbanken ausgelöst wurde, die Frage betrifft, ob es sinnvoll ist, Banknoten mit hohem Nennwert, wie die 500-EUR-, 1000-CHF und 100-USD-Scheine, abzuschaffen – eine Maßnahme, die eindeutig nur begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen und eher symbolischen Charakter hätte.

Augenfällig ist derzeit, wie unwirksam oder sogar kontraproduktiv die Einführung negativer Einlagenzinsen durch die Bank of Japan (BoJ) in diesem Jahr gewesen ist. Anstatt abzuwerten, wertete der Yen gegenüber den meisten Haupthandelswährungen auf. Die in diesem Jahr bislang zu beobachtende Underperformance von Banken im Vergleich zu anderen Aktiensektoren und die insgesamt schwache Entwicklung der Aktienmärkte sind zusätzliche Hinweise darauf, dass die Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungsschritte nicht länger der bestimmende Treiber der Finanzmärkte ist. Deren Reaktion auf die in der vergangenen Woche veröffentlichten Protokolle der jüngsten EZB- und Fed-Sitzungen spricht eine deutliche Sprache und hätte drastischer nicht ausfallen können: Gleichgültigkeit nahezu allenthalben. Es ist zwar richtig, dass das EZB-Protokoll nicht über die Aussagen von Präsident Draghi auf der Pressekonferenz hinausging. Detailliertere Informationen über etwaige im März anstehende Maßnahmen fehlten ebenfalls. Und auch die Fed ließ im Hinblick auf ihre Interpretation der jüngsten Konjunkturindikatoren keine klare Tendenz erkennen.

Die wichtigste Erkenntnis ist aber klar: Signaleffekte der Geldpolitik lassen sich nicht endlos wiederholen. Sie greifen nur dann, wenn die Zentralbankmaßnahmen bereits in der Vergangenheit erfolgreich waren. Bei der «Whatever it takes»-Politik und beim OMT-Programm war dies möglicherweise der Fall. Bei der Bekämpfung der Niedriginflation indes nicht.

Bedeutet dies nun, dass die Zentralbanken noch vehementer vorgehen sollten? Nein. Sie sollten sich aber expliziter, transparenter und realistischer in Bezug auf die Kanäle äußern, über die ihrer Meinung nach die Geldpolitik wirkt. Darüber hinaus könnte eine bessere internationale Abstimmung der Maßnahmen ebenfalls hilfreich sein. In einer Zeit, in der alle Industrieländer mit niedrigen Inflationsraten konfrontiert sind und alle Schwellenländer einen tief greifenden Anpassungsprozess durchlaufen, ist der Wechselkurskanal möglicherweise nicht der geeignete Weg, Wachstum zu stimulieren. Es würde lediglich ein unnötiger Währungskrieg ausgelöst, der die Reputation der Zentralbanken schädigt. Das gleiche gilt für den Kreditkanal. Es war zwar wichtig, diesen Kanal zu reparieren. Man sollte aber realistischer Weise sehen, dass nach einer Bilanzrezession nur moderates Kreditwachstum erwarten werden kann. Statt einer noch expansiveren Geldpolitik sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass Länder, die es sich leisten können, fiskalpolitische Maßnahmen (begleitet von Strukturreformen) aktiver verfolgen sollten.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bank Sarasin. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

PfeilbuttonMedigene: Chancen mit völlig neuen Therapieansätzen - Exklusiv-Interview!
PfeilbuttonWilex: Ehrgeizige Ziele und 18 spannende Monate - Exklusiv-Interview
PfeilbuttonVita 34: „Wir sehen großes Interesse an unserer Aktie“ - Exklusiv-Interview!




Aktie: Euro
WKN: 965275
ISIN: EU0009652759
Branche: Währung Europa - Wechselkurs EUR/US-Dollar

News und Informationen zur Euro Aktie

13.07.2015 - Griechenland-Krise: Weißer Rauch aus Brüssel - DAX und Euro gewinnen deutlich
comments powered by Disqus

+++ Exklusive Interviews und Analysen - gratis in Ihre Mailbox! +++

Tragen Sie sich jetzt für unseren kostenlosen 4investors Newsletter ein.


Bestätigungslink nicht per Mail bekommen? Bitte kontrollieren Sie Ihren Spamordner!

Der 4investors Newsletter erscheint unregelmäßig, i.d.R. 2 bis 6 Mal pro Monat. Wir geben ihre Mailadresse an keinen Dritten weiter! Sie können den kostenlosen 4investors Newsletter jederzeit problemlos wieder abbestellen.




Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

18.08.2017 - uhr.de plant Übernahme
18.08.2017 - DEAG meldet Übernahme der britischen Flying Music Group
18.08.2017 - Deufol: Neue Prognose für 2017
18.08.2017 - publity steigert die Gewinne
18.08.2017 - Wirecard Aktie: Das raten jetzt die Experten!
18.08.2017 - Stada: Zweiter Übernahmeversuch hat Erfolg - Aktien mit Kursrallye
18.08.2017 - Pfeiffer Vacuum: Weiterer Aufsichtsrat kündigt Rückzug an
18.08.2017 - Gazprom Aktie: Starke Unterstützungen warten
18.08.2017 - Alibaba Aktie: Das nächste Rallye-Signal
18.08.2017 - BDT Media Automation macht Umtauschangebot für auslaufende Anleihe


Chartanalysen

18.08.2017 - Gazprom Aktie: Starke Unterstützungen warten
18.08.2017 - Alibaba Aktie: Das nächste Rallye-Signal
18.08.2017 - 4SC Aktie: Gelingt die Trendwende?
18.08.2017 - E.On Aktie: Das alles entscheidende Signal
18.08.2017 - Bitcoin Group Aktie: Erste Schwächezeichen nach dem Hype?
18.08.2017 - Commerzbank Aktie: Die Lage spitzt sich gefährlich zu!
17.08.2017 - Deutsche Bank Aktie: Das wird jetzt kritisch!
17.08.2017 - Baumot Aktie: Unterwegs in Richtung Pennystock?
17.08.2017 - MagForce Aktie: Rallye in Richtung der 9-Euro-Marke?
17.08.2017 - Daimler Aktie: Ist der Absturz beendet?


Analystenschätzungen

18.08.2017 - Novo Nordisk Aktie: Semaglutid sorgt für Phantasie
18.08.2017 - Lufthansa Aktie kann aus Insolvenz von Air Berlin wohl Kapital schlagen
18.08.2017 - Heidelberger Druck: Kursziel wird deutlich erhöht
18.08.2017 - K+S Aktie: Kaufempfehlung, aber…
18.08.2017 - Commerzbank Aktie: Die Skepsis an der Börse steigt für die Bankaktien
18.08.2017 - Wirecard Aktie: Starke Kursgewinne voraus?
17.08.2017 - SMA Solar: Übertriebener Kursanstieg dank China
17.08.2017 - Elmos Semiconductor: Aktie laut Experte unattraktiv
17.08.2017 - Aurubis: Positive Aussichten sorgen für neues Kursziel
17.08.2017 - Ströer: Ein Lieblingswert


Kolumnen

18.08.2017 - Aktien aus Europa und Schwellenländern bleiben attraktiv - J.P. Morgan AM Kolumne
18.08.2017 - US-Regierungschaos und Terror in Barcelona treiben Investoren in sichere Anleihen - National-Bank
18.08.2017 - Trotz Ölpreiserholung liegen Investments kaum im positiven Bereich - Commerzbank Kolumne
18.08.2017 - BMW Aktie: Konsolidierungsformation wird bald verlassen - UBS Kolumne
18.08.2017 - DAX: Mit Kursverlusten in den Verfalltermin - UBS Kolumne
17.08.2017 - USA: Produktion nicht berauschend – aber auch nicht ganz schlecht - Nord LB Kolumne
17.08.2017 - Wie die Digitalisierung Sicherheitsstandards verändert - AXA IM Kolumne
17.08.2017 - Inflationsdynamik ist Thema unter den US-Notenbankern - National-Bank Kolumne
17.08.2017 - Air Berlin in der Insolvenz – wie geht es weiter? - Commerzbank Kolumne
17.08.2017 - Adidas Aktie: Trendbruch möglich - UBS Kolumne

Werbung

All Right Reserved by minimalthemes - ©2014 Stoffels & Barck GbR