Nord LB – US-CPI: Kernrate bei 2,2% wird Federal Reserve zunehmend beunruhigen!

Nachricht vom 19.02.2016 (www.4investors.de) - Vor wenigen Minuten veröffentlichte das Bureau of Labor Statististics aktuelle Daten zu den Veränderungen der Konsumentenpreise (CPI) in den USA. Die CPIs stagnierten im Berichtsmonat Januar. Dagegen zog die sogenannte Kernrate exklusive Nahrung und Energie um 0,3% M/M an. Bei dem Gesamtindex stieg die Jahresrate auf einen Wert von 1,4%, für die Core Rate auf 2,2%. Für die Federal Reserve sind die Preiszahlen von Belang, da die Notenbank längerfristig gesehen eine Zielmarke von 2% anpeilt.

Erstmals seit November 2014 kletterte die US-Inflationsrate wieder über die Marke von 1% – mit 1,4% fiel die Rate höher als erwartet aus. Sie bleibt damit aber weiterhin im geldpolitisch unbedenklichen Bereich und hat zunächst einmal keine geldpolitischen Konsequenzen.

Das zuletzt zu beobachtende sukzessive Anziehen auf über 1% war so zu erwarten gewesen, schließlich konnte ja bereits abgesehen werden, dass die deutlichen Rückgänge aus den Wintermonaten 2014/15 in der 12-Monatsstatistik mittlerweile nicht mehr erfasst werden. Allerdings hatte der zuletzt nochmals signifikant rückläufige Ölpreis zur Folge, dass der Anstieg in der Inflationsrate nun doch nicht so stark ausfiel, wie er noch vor einigen Monaten prognostiziert wurde. Das damals vorausgesagte Überschreiten der 2%-Marke traf nun natürlich so nicht ein.

Doch der Gipfel dürfte mittlerweile schon erreicht worden sein: Die Aussichten für die weiteren Tendenzen bei der Inflationsrate sind ab jetzt wieder abwärts gerichtet. Angesichts des seit einigen Monaten weiter nachgegebenen Ölpreises werden auch in den kommenden Monaten die Jahresraten auf niedrigem Niveau bleiben – wir rechnen mit einem erneuten Nachgeben in Richtung von 0,5%. Erst zum Herbst dieses Jahres dürfte ein neuer Gipfel angepeilt werden.

Die Musik in den heutigen Daten wird aber in der Core Rate gespielt: Die Kernrate exklusive Nahrung und Energie zog mit 2,2% auf den höchsten Stand seit Juni 2012 an. Ein Faktor war das Plus bei den Gesundheitskosten. Aber auch die unverändert solide Verfassung des Arbeitsmarkts hatte bereits erkennen lassen, dass der Lohndruck zunimmt. Beide Faktoren bleiben in den Augen der US-Notenbanker äußerst wichtig bei der geldpolitischen Beurteilung.

Auch wenn die heutigen Preisdaten keine direkten Implikationen haben, könnte insbesondere die Tendenz bei der Kernrate für die die Federal Reserve von Belang sein: Je länger sie nun – aufgrund der Marktturbulenzen und der Rezessionsängste – (richtigerweise) abwartet, desto schneller könnte sie sich aber später gezwungen sehen, die geldpolitische Normalisierung vorzunehmen. Sie wird also nicht mehr unnötig lange warten wollen! Insofern sehen wir das Szenario, dass die US-Notenbanker nach einer Marktberuhigung im Juni (und dann im Dezember) die nächsten Zinsschritte nach oben vornehmen, als das wahrscheinlichste an.

Fazit: Wie erwartet ist die Inflationsrate zu Jahresbeginn deutlich anzogen und liegt aktuell bei 1,4%. Dies ist überwiegend Basispreiseffekten geschuldet. Damit dürfte der Gipfel zunächst einmal erreicht worden sein. Denn aufgrund weiterer Basispreiseffekten sowie der zuletzt rückläufigen Ölpreise kann davon ausgegangen werden, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten wieder gen 0,5% fallen wird. Die Story wird heute damit von der Kernrate geschrieben, die über 2% liegt und dort aufgrund eines zunehmenden Lohndrucks perspektivisch auch bleiben wird. Sollte sich die Lage auf den Kapitalmärkten wieder beruhigen und die Wachstumsängste global zurückgehen – wovon wir ausgehen – könnte die anhaltend hohe Kernrate ein wichtiges Argument für einen Zinsschritt der Federal Reserve im Sommer sein. Denn zu lange wird sie nicht unnötig zögern wollen!


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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