J.P. Morgan AM: Europäische Märkte für Anleiheninvestoren derzeit besonders interessant

Nachricht vom 11.02.2016 11.02.2016 (www.4investors.de) - Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management zeigen sich die globale Wirtschaft und die Märkte aktuell deutlich komplexer als noch vor wenigen Monaten: Während einerseits die US-Notenbank mit dem „Normalisierungsprozess“ beginnt und dem System etwas Liquidität entzieht, weiten andere Zentralbanken ihre quantitativen Maßnahmen noch aus. Nicht zuletzt versucht die People´s Bank of China die Auswirkungen der platzenden Spekulationsblasen auf dem Immobilien- und Aktien­markt sowie Kapitalabflüsse auszugleichen. „Die deflatorischen Impulse des Rohstoffpreis-Kollapses und die Entwicklung in den Schwellenländern limitieren das Ausmaß künftiger Zinserhöhungen für die Fed“, unterstreicht Robert Michele, Chief Investment Officer für die Anleihenseite und Head of the Global Fixed Income, Currency & Commodities Group bei J.P. Morgan Asset Management. In seinem vierteljährlichen Marktausblick erläutert er, dass diese Entwicklung zu einer erhöhten Volatilität führt, was sich auch in den Kapitalmarktpreisen widerspiegeln wird.

Laut Michele wirke eine vorsichtige Fed und das sich weltweit abschwächende Wachstum jedoch unterstützend auf die Zinsmärkte. „Wir erwarten trotz langsam steigender kurzfristiger Zinsen keinen Baisse-Markt für Anleihen. Gleichzeitig führen die Bedenken angesichts der Schwäche des Rohstoffsektors und Chinas zu einer Neubewertung der Risiken, insbesondere auf dem Markt für Hochzinsanleihen, wo sich die Spreads im Jahr 2015 deutlich ausweiteten.“
War die US-Zinsanhebung ein geldpolitischer Fehler?

Michele führt aus, dass derzeit verschiedene Herausforderungen existieren: einerseits die divergierende Stärke der globalen und der US-Volkswirtschaft sowie andererseits die Schwäche der Rohstoffmärkte und der Inflation bzw. deren Fehlen. So sind zentrale Fragen, die sein Team derzeit beschäftigen, ob die Fed mit der Zinsanhebung einen geldpolitischen Fehler begangen hat und in welcher Phase des Konjunkturzyklus sich die Schwellenländer und die USA befinden.

Michele gesteht ein, dass die Auswirkungen der Konjunkturverlangsamung in China auf das weltweite Wachstum nicht zu unterschätzen seien: Während das Wachstum in den USA und Europa, deren gemeinsamer Anteil am globalen BIP 40 Prozent beträgt, laut Vorhersagen leicht über dem Trend liegen werde, sei in den Schwellenländern, deren Anteil am globalen BIP ebenfalls bei 40 Prozent liegt, eine Verlangsamung des Trends zu beobachten. Zusätzlich liege das Wachstum unterhalb des Trendniveaus. Anstelle einer Inflation zeigen sich bei Erdöl, Kupfer und vielen anderen Rohstoffen alarmierende Anzeichen einer Disinflation. Zwar gehe das Basisszenario, dem Michele eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit zugesteht, weiterhin von positivem globalen Wachstum und Inflation unterhalb der Trendniveaus aus. Daneben sieht er aber eine fünf­prozentige Wahrscheinlichkeit für das Risikoszenario einer rasanten globalen Wachstums­abschwächung. Und die Wahrscheinlichkeit einer moderaten Rezession sei ebenfalls von null auf fünf Prozent gestiegen. Als Gründe hierfür nennt er das erhöhte Risiko einer harten Landung Chinas, die anhaltend schwachen Rohstoffpreise und Anzeichen eines spätzyklischen Verhaltens. „Anders ausgedrückt: Mit der Zinsanhebung durch die Fed vor dem Hintergrund eines nur schwachen weltweiten Konjunkturaufschwungs sinkt die Aussicht auf ein über dem Trendniveau liegendes Wachstum, während eine Rezession wahrscheinlicher wird“, betont Michele.

Aber war die Zinsanhebung nun ein geldpolitischer Fehler? Die Wirtschaftsdaten aus den USA legen nahe, dass die Wirtschaft nicht länger auf außergewöhnliches Entgegenkommen in Form einer Nullzinspolitik angewiesen ist. In der Vergangenheit erhöhte die Fed die Zinsen immer dann, wenn entweder das Wachstum oder die Inflation besorgniserregend hoch waren. Diesmal ist es anders – das Wachstum ist schwach, das Lohnwachstum ist begrenzt und Deflation wird importiert. Während die Maßnahmen der Fed dem System etwas Liquidität entziehen, belasten steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar die künftige US-Konjunktur. Während die Fed einen Zielzinssatz von 2 Prozent indizierte – bei einem realen Leitzins von 0 Prozent – wird ihr Spielraum aufgrund der globalen geldpolitischen Divergenz begrenzt sein und die weltweit schwache Wirtschaftsentwicklung wird die Zinsniveaus deckeln. „Unserer Meinung nach könnte es der Fed schwer fallen, beim Leitzins die 1-Prozent-Marke  zu erreichen. Zudem versorgen außerhalb der USA die europäischen und asiatischen Zentralbanken die globalen Märkte weiter mit reichlich Liquidität. Angesichts dessen entspricht die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 2,25 Prozent einer fairen, um nicht zu sagen günstigen Bewertung“, so Michele.

In welcher Phase steckt der US-Konjunkturzyklus?


Eine weitere Frage ist, ob es zu einer harten Landung in China kommt, die sich auf die globale Wirtschaft übertragen wird. Auch die anhaltende Schwäche im Rohstoffsektor könnte in bestimmten Schwellenländern zu Instabilität führen. Zudem steigen die geopolitischen Risiken weltweit, und es ist zu erwarten, dass sie das Konsu­­menten­ertrauen und den weltweiten Handel negativ beeinflussen. „Während sich die USA den makroökonomischen Daten zufolge noch in der Mitte ihres Konjunkturzyklus befinden, sehen wir erste Verhaltensweisen, die der späten Phase des Konjunkturzyklus entsprechen, nämlich steigende Verschuldung von Unternehmen und M&A-Strategien als Impulsgeber für das Ertragswachstum. Die Marktliquidität sorgt insbesondere in Verbindung mit einer Neuausrichtung von Portfolien und Erwartungen weiterhin für Gegenwind“, erläutert Michele.

Hochzinsanleihen bleiben im Fokus


Michele erwartet trotz langsam steigender kurzfristiger Zinsen keinen Baisse-Markt für Anleihen. „Insbesondere auf dem Markt für Hochzinsanleihen, wo sich die Spreads im Jahr 2015 deutlich ausweiteten, bieten sich – außerhalb von Energie, Metalle und Bergbau – nicht nur attraktive Ertragshancen, sondern auch eine erhebliche Kompensation für die erhöhten Volatilitäts- und Ausfallrisiken“, so Michele. In den USA seien Unternehmen aus dem Hochzinsmarktsegment zum größten Teil auf den Inlandsmarkt fokussiert, weisen gesunde Bilanzen aus und sind gut aufgestellt, um weiter vom Wachstum der Wirtschaft zu profitieren. Es geht nun darum, jene Industrieunternehmen mit gesunden Finanzen ausfindig zu machen, die eine Konjunkturabkühlung aushalten und bestrebt sind, ihre solide Bilanzstruktur zu erhalten.

Europa mit Rückenwind


Auch die europäischen Märkte, die von den Liquiditätsspritzen der Zentralbanken, einem über dem Trend liegenden Wachstum und einer schwächeren Währung profitieren, stehen bei Michele im Kurs. Ganz oben auf seiner Liste stehen dabei europäische Hochzinsanleihen: „Europa befindet sich in einer jüngeren Phase des Kreditzyklusses. Bei einigen der qualitativ bereits höher eingestuften Anleihen dürften sich weitere Bonitätsverbesserungen ergeben und der Markt hat nur einen sehr geringfügigen Anteil an Energiewerten. Angesichts des negativen Leitzinssatzes und der verbesserten Anleihenbonität mögen die Renditen von europäischen Hochzinsanleihen bereits niedrig erscheinen, jedoch sind die Spreadniveaus mit denen von US-Hochzinsanleihen vergleichbar.“

Anleihen von Ländern der europäischen Peripherie schätzt Michele ebenfalls: „Nachdem viele der Länder schmerzhafte Strukturanpassungen hinter sich haben, breitet sich das Wirtschaftswachstum von den europäischen Kernländern in die Peripherie aus, und die Renditespreads könnten sich weiter verengen.“ Weiteren Rückenwind erwartet er nicht zuletzt, da die EZB ihre Wertpapierankäufe bis 2017 fortsetzen wird.

Go global – go flexible


In diesem Umfeld bleibt es weiterhin extrem wichtig, breit diversifiziert, global und flexibel positioniert zu sein: Laut Michele ermöglicht es vor allem ein benchmarkunabhängiges Konzept, unabhängig von Sektoren oder Regionen in die Bereiche mit dem attraktivsten risikoadjustierten Ertragspotenzial zu investieren. Einerseits bietet solch ein flexibler Ansatz größeres Diversifizierungspotenzial, andererseits die Chance auf höhere Erträge und nicht zuletzt einen potenziellen Schutz gegenüber Abwärtsbewegungen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der JPMorgan Asset Management. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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