DGAP-News: Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte mbB: Laurèl-Anleihegläubiger gegen Insolvenzplan

Nachricht vom 15.05.2017 (www.4investors.de) -


DGAP-News: Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte mbB / Schlagwort(e): Anleihe/Kapitalrestrukturierung

Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte mbB: Laurèl-Anleihegläubiger gegen Insolvenzplan
15.05.2017 / 18:21


Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich.
Laurèl-Anleihegläubiger fordern die gemeinsame Vertreterin auf,

am 16.Mai 2017 gegen den Insolvenzplan der Emittentin zu stimmen und alle erforderlichen rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen, wenn der Insolvenzplan gegen die Stimmen der Anleihegläubiger beschlossen werden sollte.

 

Gründe

 

1. Der Insolvenzplan benachteiligt die Anleihegläubiger gegenüber den sonstigen Gläubigern.

2. Der Insolvenzplan schädigt alle Insolvenzgläubiger, indem er es Dritten ermöglicht das Unternehmen Laurèl zu übernehmen.

3. Die gemeinsame Vertreterin hat keine Legitimation dem vorgelegten Plan ihre Zustimmung zu erteilen.
 

zu 1.: Schlechterstellung als in der Regelinsolvenz

Das Regelinsolvenzverfahren ist für die Anleihegläubiger günstiger.

Sowohl das Liquidationsgutachten der Schuldnerin sowie das von der gemeinsamen Vertreterin in Auftrag gegebene "Gegengutachten" ermitteln übereinstimmend eine Insolvenzquote von 13%.

Nach dem vorgelegten Insolvenzplan sollen die einfachen Insolvenzgläubiger eine feste Barquote von 11,2 % erhalten. Die Anleihegläubiger erhalten keine Barquote, sondern 170.000 Stückaktien an einer neu zu gründenden Holding, der Laurèl Holding AG.

Dieses Angebot wäre nur dann zustimmungsfähig, wenn dies wirtschaftlich der Barquote entspräche. Dies ist offensichtlich nicht der Fall, wie folgende Zahlen verdeutlichen:

Die Holding wird ein Grundkapital vom 500.000 Euro haben, aufgeteilt in Stückaktien zu je 1 Euro. Neben den Anleihegläubigern sind zwei weitere Aktionäre vorgesehen.

Die DR Investment GmbH erwirbt 75.000 Aktien zum Nominalpreis von einem Euro pro Stück.

Der Planinvestor, Prime Capital Debt SCS, SICAV-FIS Robus Recovery Sub-Fund (im Folgenden "Robus"), investiert 425.000, Euro und erhält dafür 255.000 Stückaktien. Er zahlt also 1,67 Euro je Aktie und sichert sich mit 51% die Mehrheit an der Holding.

Die Anleihegläubiger haben Insolvenzforderungen in Höhe von 21,76 Mio. Euro. Bei Gleichstellung mit den anderen einfachen Insolvenzgläubigern würden sie bei 11,2% Barquote 2.437.344 Euro erhalten. Für die 170.000 Aktien an der neu zu gründenden Holding "zahlen" die Anleihegläubiger damit 14,34 Euro pro Aktie.

Der Insolvenzplan dazu recht offen:

"Die Besserstellung der Anleihegläubiger beruht auf der Teilnahme an Chancen und Risiken der zukünftigen Geschäftsentwicklung der Laurèl und der Holding AG über deren Eigenkapitalwert (Equity Value)."

Die Besserstellung liegt also im Erwerb der Chance?

Hier wird der Plan genauer:

"Zwar erhalten die Anleihegläubiger keine Barquote, sondern einen (indirekten) Anteil an der Laurèl, dadurch partizipieren sie aber an den Chancen und Risiken der zukünftigen Geschäftsentwicklung und haben die Chance auf einen Wert (sog. Equity Value), der erheblich über der Barquote liegen kann. Dieser Chance steht freilich auch das Risiko einer negativen Geschäftsentwicklung bis hin zum Totalverlust gegenüber."

Das trifft für die DR Investment GmbH zu, sie zahlt pro Aktie einen Euro und erwirbt damit die Chance einer Wertsteigerung. Die Anleihegläubiger erwerben in Wahrheit nur ein Risiko; selbst wenn die Aktie tatsächlich auf 14,34 Euro steigen sollte, sind sie nur bei Null (die DR Investment GmbH dagegen hätte 13,34 Euro gewonnen!).

Die Regelinsolvenz ist für die Anleihegläubiger günstiger. Dem Plan ist die Zustimmung zu versagen.

 

zu 2.: Der Insolvenzplan benachteiligt alle Insolvenzgläubiger indem er es unbeteiligten Dritten ermöglicht, das Unternehmen Laurèl zu übernehmen.

Robus wird als Massegläubiger der Schuldnerin außerhalb des Insolvenzplans vollständig befriedigt.

Robus hat ein Massedarlehen von 2.222.222,- Euro gewährt. Das wird in eine Betriebsmittelkreditlinie umgewandelt und steht dem Unternehmen längstens bis zum 30. April 2020 zur Verfügung.

Der Insolvenzplan versucht diese Darlehenshingabe als weitere Gegenleistung für den Aktienerwerb darzustellen: "Als Gegenleistung hierfür sowie für die Kapitalausstattung der Holding AG in Höhe von EUR 425.000,00 behält er [255.000] Aktien . an der Holding AG.". Das ist jedoch abwegig. In der genannten Summe sind 222.222 Euro, also mehr als 10% Zinsvorauszahlung enthalten, valutiert werden nur 2 Mio Euro. Diese werden weiter verzinst, sind erstrangig besichert und müssen zurückgezahlt werden. Wo soll da noch eine weitere Gegenleistung erforderlich sein?

Wären die Aktien tatsächlich so viel wert, wie die Anleihegläubiger zahlen sollen, also 14,34 Euro, wäre das Aktienpaket 3.656.700 Euro wert. Die gleichen Überlegungen gelten für die DR Investment GmbH.

Diese Werte sind irreal. Es handelt sich um eine noch nicht einmal existierende Gesellschaft, die den Geschäftsbetrieb einer insolventen Modemarke übernehmen soll. Gleichwohl: Welchen Grund soll es geben, einem Dritten, der keine Ansprüche hat im Insolvenzverfahren, diesen Aktienerwerb zu ermöglichen? Gab es irgendwelche Versuche, die Aktien anderweitig anzubieten?

Als Schussfolgerung kann nur festgehalten werden, dass die Anleihegläubiger diesem Plan in der derzeitigen Fassung nicht zustimmen können. Wir gehen daher davon aus, dass die gemeinsame Vertreterin nur gegen den Insolvenzplan stimmen kann.
 

zu 3.: Kein Mandant der gemeinsamen Vertreterin für die Zustimmung

Die gemeinsame Vertreterin hatte Anleihegläubigerversammlungen einberufen, um die Zustimmung der Anleihegläubiger zum Insolvenzplan zu erhalten. Diese Zustimmung haben die Anleihegläubiger ihr verweigert. In ihrer öffentlichen Mitteilung vom Samstag, 13. Mai 2017 sagte die gemeinsame Vertreterin die Versammlung ab, weil das erforderliche Quorum nicht erreicht würde. Die Anleihegläubiger haben der gemeinsamen Vertreterin die Ermächtigung versagt.
 

Kontakt und weitere Information:

Dr. Susanne Schmidt-Morsbach
Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte
Leipziger Platz 9
10117 Berlin
Tel. 030-327 617 0
Fax 030 327 617 17
Mail: schmidt-morsbach@ssma.de
Homepage: www.ssma.de
Blog: www.AchtungAnleihe.de

Insolvenzverfahren der Laurèl GmbH, AZ 1503 IN 3389/16, Amtsgericht München

Teilschuldverschreibungen 2012/2017, ISIN DE000A1RE5T8 / WKN A1RE5T











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